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Markus Harzenetter, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege, machte sich persönlich ein Bild vom Technischen Rathaus.

Denkmalschutz

Technisches Rathaus: So schön, dass es preiswürdig ist

Erstmals hat sich die Stadt Bad Homburg für den Hessischen Denkmalschutzpreis beworben. Vorgeschlagen wurde das Technische Rathaus, das 1953 erbaut und ab 2013 aufwendig saniert wurde. Elf Jurymitglieder statteten dem Gebäude nun einen Besuch ab.

Die Fassade wirkt schlank und grazil. Der Boden besteht aus bordeauxrotem Linoleum. Das Treppenhaus führt spiralförmig hinauf. Schlicht und gleichzeitig elegant kommt das Gebäude daher. Mit diesen Worten versuchte Bezirksdenkmalpflegerin Jutta Brod, die Jury des diesjährigen Hessischen Denkmalschutzpreises von Architektur und Innenausstattung des Technischen Rathauses zu überzeugen.

Denn die Kurstadt hat sich mit dem 1953 vom Architekten Walter Freiwald als Bundesschuldenverwaltung errichteten Bau für die Auszeichnung beworben. Der Preis würdigt vorbildliches Engagement in der Denkmalpflege (siehe Kasten). Ginge es nach den Verantwortlichen aus Bad Homburg, würde das Technische Rathaus als herausragendes Beispiel der Neuen Sachlichkeit der 1950er Jahre den Denkmalschutzpreis erhalten. Am Mittwoch waren nun elf Mitglieder einer unabhängigen Jury in Bad Homburg zu Gast, um das Gebäude in Augenschein zu nehmen.

Zusammen mit den Vertretern der Stadt ging es im Schnellschritt durch die Räume. Die Besuchsliste der Juroren sah an diesem Tag noch alle anderen Orte der insgesamt 13 Finalteilnehmer vor. Umso mehr legte sich Denkmalpflegerin Jutta Brod ins Zeug: „Wir wollen unser Technisches Rathaus erlebbar machen, wobei unser Hauptaugenmerk bei der Sanierung auf der Denkmalpflege lag.“ Außerdem liege die Qualität im Detail.

Und auf Details schienen die Fachleute besonders zu achten. „So etwas wie dieser Sockelteil, den man erhalten hat, ist beispielsweise wichtig“, erklärte Margot Klee von der Abteilung Hessenarchäologie des Landesamtes für Denkmalpflege. Der Präsident des Denkmalpflegeamtes Markus Harzenetter hat den Vorsitz der Jury inne und war ebenfalls anwesend. „Wurde das Farbkonzept untersucht?“, lautete eine seiner Fragen. Brod konnte das bejahen. Daher habe man die Bodenfarbe auch im damals modernen Bordeauxrot gehalten und dieser sei aus Linoleum, wie in den 1950er Jahren üblich.

„Das ist gut, dass beispielsweise auch im Büro eines leitenden Angestellten der Boden nicht aus Holz besteht, sondern ebenfalls aus rotem Linoleum“, meinte Klee und schritt durch den Raum. Eine Kollegin strich begeistert über die Holzeinbauschränke und meinte anerkennend: „Oh wie schön.“

Weiter ging es nach oben ins Dachgeschoss, das zurückgebaut wurde, so dass das Flugdach wieder sichtbar ist. Wobei die Träger in „bauzeitlichem hellblau“ gehalten seien, was „die

Verbindung zum Himmel

“ symbolisieren soll, wie Jutta Brod erklärte. Die Besucher konnten auch die Sonnenjalousien bewundern, die von den Angestellten individuell zu bedienen seien. Dadurch „spreche die Fassade nach Außen“. Die Fenster seien außerdem nach historischem Vorbild erneuert worden.

Der ehemalige Kassenbereich konnte erhalten bleiben und in die Räume der Polizei integriert werden. Ein „Vorsicht-Rollgitter“-Schild ziert den Flur, eine Reminiszenz an das alte Gebäude. Zustimmendes Nicken der Juroren, auch als Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) noch einmal für das Gebäude warb: „Wir konnten bei der Sanierung den Energiebedarf von 546 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr auf rund 285 Kilowattstunden reduzieren.“

2007 erwarb die Stadt das Haus vom Bund. Insgesamt betrugen die Sanierungskosten 12,9 Millionen Euro. Die Nutzfläche beträgt 4200 Quadratmeter. 120 städtische Mitarbeiter arbeiten derzeit hier. Am heutigen Freitagabend will die Jury den Gewinner bestimmen. Erfahren werden die Preisträger von der Entscheidung aber erst bei der feierlichen Verleihung im Biebricher Schloss am 30. August.

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