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Thomas Cook hat Insolvenz angemeldet. Die deutsche Tochter Condor steckt nun auch in Schwierigkeiten. 

Thomas Cook ist pleite

Wie geht es mit Condor weiter? Die Bundesregierung hat eine Entscheidung gefällt 

Thomas Cook meldet Insolvenz an. Doch wie geht es mit der deutschen Tochter Condor weiter? 

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  • Thomas Cook ist pleite
  • 150.000 Urlauber mit Thomas Cook unterwegs
  • Thomas Cook sitzt in Oberursel
  • Condor will 200 Millionen Euro Überbrückungskredit
  • Passagiere am Flughafen Frankfurt abgewiesen 
  • Deutsche Tochter Condor zuversichtlich
  • Condor soll einen Kredit bekommen 

Update vom Dienstag, 24.09.2019, 20:09 Uhr: Die Insolvenz von Thomas Cook schlägt immer noch hohe Wellen. Nun hat der Staat beschlossen, der deutschen Tochter Condor mit einem Überbrückungskredit zu helfen. Laut Deutsche Presse-Agentur haben die zuständigen Minister die Entscheidungen am Dienstagabend getroffen. Im Gespräch sei ein Kredit mit einem Volumen von 380 Millionen Euro. 

Update vom Montag, 23.09.2019, 19.50 Uhr: Die Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook hat auch die Tourismusbranche auf Mallorca in Aufruhr versetzt. Die Konsequenzen der Pleite für die spanische Urlaubsinsel seien „von einer bisher nie dagewesenen Dimension“, sagte die Präsidentin des Hotelierverbandes FEHM, Maria Frontera, am Montag vor Journalisten in Palma.

Frontera sprach von einem „harten Schlag“ und erklärte: „Wir sind noch dabei, die Konsequenzen für die Zukunft des Sektors zu evaluieren. Aber es gibt in der Branche große Sorgen.“ Auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz sagte die Verbandschefin, es gehe nun zunächst darum, dabei zu helfen, dass die Rückkehr der betroffenen Touristen in die jeweiligen Heimatländer "so wenig traumatisch wie möglich gestaltet" werde.

Nach Medienberichten warteten am Montagabend auf dem Flughafen Son Sant Joan in Palma de Mallorca zwischen 1500 und 2000 von der Pleite betroffene Touristen auf Ersatzflüge, die sie nach Hause bringen sollten. Die Lage war am Flughafen aber ruhig.

Condor nach Insolvenz von Thomas Cook zuversichtlich

Update vom Montag, 23.09.2019, 17.25 Uhr: Condor zeigt sich nach der Insolvenz von Thomas Cook zuversichtlich. „Ich versichere Ihnen, dass wir alles in unserer Macht stehende tun und nichts unversucht lassen, damit unsere Flotte auch weiterhin wie gewohnt unsere Gäste zuverlässig an ihre Ferienziele in aller Welt und auch wieder zurück nach Hause bringt. Genau so, wie sie es seit 64 Jahren von uns gewohnt sind,“ so Ralf Teckentrup, Vorsitzender der Geschäftsführung. Aktuell sind rund 240.000 Gäste im Ausland mit Condor unterwegs. Der Ticketverkauf läuft weiter wie gewohnt. Kunden wird jedoch empfohlen, eine Reiserücktrittsversicherung mit der Buchung abzuschließen.

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Um mögliche Liquiditätsengpässe bei Condor zu verhindern, wurde jedoch ein staatlich verbürgter Überbrückungskredit - in Höhe von 200 Millionen Euro - beantragt. Dieser wird derzeit von der Bundesregierung geprüft. Die hessische Landesregierung hat bereits ihre Unterstützung in Aussicht gestellt.

Große Verunsicherung bei Thomas Cook in Oberursel

Update vom Montag, 23.09.2019, 16.42 Uhr: Große Verunsicherung herrscht unter den Beschäftigten in der Deutschlandzentrale von Thomas Cook in Oberursel. „Enttäuschung, Wut, Trauer“, fasst ein Mitarbeiter die Stimmung zusammen. Alle beschäftige natürlich nun die Frage, wie es weitergeht. An Aufgeben denke man aber nicht. „Wir leben ja noch.“

Update vom Montag, 23.09.2019, 14.00 Uhr: Auf Nachfrage der Redaktion äußert sich Condor zur Situation am Flughafen Frankfurt. Nach Angabe der Pressestelle fahre der Flugbetrieb regulär fort. Die Fluggäste seien darüber informiert, "dass die Durchführung der Pauschalreisen mit Abreisedatum 23. und 24. September nicht gewährleistet werden" könne. Thomas Cook habe Condor darüber informiert, "dass Condor die Gäste von Thomas Cook entsprechend nicht auf den heutigen Flügen zum Urlaubsziel annehmen darf. Das tut uns außerordentlich leid! Alle betroffenen Kunden werden gebeten, sich direkt an Ihren Thomas Cook-Veranstalter zu wenden. Ihren Rückflug können Thomas Cook-Gäste ganz normal antreten."

Oberursels Bürgermeister zur Thomas Cook-Pleite: „Das ist schon heftig“

Update vom Montag, 23.09.2019, 13.41 Uhr: Oberursels Bürgermeister Hans Georg Brum (SPD) hat sich zur Situation des Reiseveranstalters Thomas Cook geäußert. „Das ist schon heftig“, kommentiert er gegenüber der Redaktion. Mit mehr als 1000 Mitarbeitern ist das Unternehmen einer der größten Arbeitgeber der Taunuskommune.

Über einen möglichen Ausfall bei der Gewerbesteuer könne er aus rechtlichen Gründen keine Auskunft geben, sagt Brum. Er hat aber auch die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass der deutschen Gesellschaften des englischen Reiseunternehmens noch gerettet werden können. Deshalb appelliert er an Bund und Land, Thomas Cook und Condor einen Überbrückungskredit zur Verfügung zu stellen, um die Liquidität vorerst zu sichern. „Wir drücken die Daumen, dass die Verhandlungen erfolgreich ausgehen“, so Oberursels Bürgermeister.

Thomas Cook ist der größte Arbeitgeber in der Region

Dramatische Szenen am Flughafen Frankfurt: Passagiere werden abgewiesen

Update vom Montag, 23.09.2019, 13.20 Uhr: Passagiere von Tochterunternehmen von Thomas Cook sind am Montagmorgen am Frankfurter Flughafen nicht zu ihren Reisezielen geflogen worden. Am Schalter der deutschen Tochter Condor bilden sich lange Schlangen.

"Wir hatten noch die Hoffnung, dass wir mitkommen können - aber gerade eben wurden wir aus der Schlange rausgezogen", sagt Daniela Schwenken, die gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang zehn Tage ins ägyptische Hurghada fliegen wollte. "Weil wir mit Bucher gebucht haben, dürfen wir nicht mit." Jetzt steht das Paar in der Abflughalle am Terminal 1, die Trolleys im Schlepptau, die Reise-Unterlagen in der Hand, die Gesichter so lang wie die Schlangen vor den Countern.

Viele der gestrandeten Reisenden beklagen, dass sie von Condor keine Bestätigung darüber bekommen, dass sie nicht mitgenommen wurden. "Condor soll uns schriftlich geben, dass wir hier waren - das machen sie aber nicht", sagt Wiegand Michael Funke aus Fulda, der mit seiner Frau eine zweiwöchige Hochzeitsreise nach Bali geplant hatte. "Wir müssen beweisen, dass wir hier vor Ort waren, sonst bekommen wir nichts von der Versicherung", sagt er. Um wenigstens einen kleinen Beweis zu haben, spricht Funke andere Reisende an, sucht mögliche Zeugen. Die Flitterwochen hat er sich längst abgeschrieben. Das Service-Center von Thomas Cook in der Abflughalle hat bereits geschlossen. Die Glastüren sind verriegelt, Mitarbeiter sind keine zu sehen

Update vom Montag, 23.09.2019, 13.00 Uhr: Die hessische Landesregierung stellt Condor finanzielle Hilfe in Aussicht. "Grundsätzlich sind wir offen, Condor bei der Überbrückung der aktuellen Krise zusammen mit dem Bund behilflich zu sein, etwa durch eine ergänzende Landesbürgschaft", teilte die schwarz-grüne Landesregierung in Wiesbaden mit. 

Erstmeldung vom Montag, 23.09.2019: Derzeit sind 140.000 Touristen aus Deutschland mit deutschen Reiseveranstaltern von Thomas Cook im Urlaub, betroffen sind insgesamt 600.000 Urlauber. Zudem seien "für Reisen mit Abreisen heute und morgen rund 21.000 Gäste gebucht", teilte die Thomas Cook Gmbh mit Sitz in Oberursel am Montag auf Nachfrage mit. Wie die 140.000 betroffenen Urlauber nach Deutschland zurückkommen, "können wir derzeit nicht sagen", teilte eine Sprecherin mit.

Derweil wurde bekannt, dass die deutsche Thomas-Cook-Tochter Condor aus rechtlichen Gründen Urlauber, die mit Thomas-Cook-Veranstaltern gebucht haben, nicht mehr an ihr Reiseziel bringen darf, wie die Airline jetzt mitteilte. Den Flugbetrieb hält der Ferienflieger aber aufrecht. 

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Condor will 200 Millionen Euro Überbrückungskredit

Wie jetzt aus Kreisen bekannt wurde, will die Condor von der Bundesregierung einen Überbrückungskredit von rund 200 Millionen Euro. Dieses "Unterstützungsersuchen" werde derzeit intensiv geprüft. 

Zunächst hatte die deutsche Thomas Cook nach der Insolvenz der britischen Mutter mitgeteilt, man könne nicht gewährleisten, dass gebuchte Reisen mit Abreisedatum 23. und 24. September stattfänden.

Die deutschen Veranstaltertöchter, zu denen Marken wie Neckermann Reisen, Bucher Last Minute, Öger Tours, Air Marin und Thomas Cook Signature gehören, haben den Verkauf von Reisen nach eigenen Angaben komplett gestoppt. 

Thomas Cook sitzt in Oberursel

Zuvor war bekannt geworden, dass die Bemühungen um die Rettung des angeschlagenen britischen Touristikkonzerns Thomas Cook, dessen Tochter seinen Sitz im hessischen Oberursel hat, gescheitert sind. Ein entsprechender Insolvenzantrag vor Gericht sei bereits gestellt worden, teilte der zweitgrößte Reisekonzern Europas am Montagmorgen auf seiner Website mit. 

Der Flugbetrieb wurde in Großbritannien mit sofortiger Wirkung eingestellt, teilte die britische Luftfahrtbehörde CAA am Morgen mit. Konzernchef Peter Fankhauser bedauerte das Scheitern der Gespräche und sprach in der Erklärung von einem "tief traurigen Tag" für den Konzern. 

Noch bis Sonntagabend war mit Investoren über eine zusätzliche Finanzierung in Höhe von 200 Millionen Pfund (226 Mio Euro) verhandelt worden. Der Konzern hat Knapp 21.000 Mitarbeiter weltweit. 

150.000 Urlauber mit Thomas Cook unterwegs

"Das Unternehmen lotet derzeit letzte Optionen aus", hieß es weiter. Sollten diese Optionen scheitern, sehe sich die Geschäftsführung gezwungen, auch für die Thomas Cook GmbH und weitere Gesellschaften Insolvenz zu beantragen. Der britische Außenminister Dominic Raab hatte bereits am Sonntag besorgten Urlaubern die Unterstützung der Regierung in London zugesagt. Die Regierung sei bereit, Urlauber nach Hause zu holen. 

Die Luftfahrtbehörde CAA hatte für den Notfall bereits am Sonntag zahlreiche Flugzeuge bereitgestellt. Damit laufe die "größte Rückholaktion in Friedenszeiten" an, um rund 150.000 Urlauber aus verschiedenen Ländern nach Hause zu holen. Die Rückholaktion trägt nach BBC-Angaben den Codenamen "Matterhorn". 

In der Nacht seien bereits die ersten Flugzeuge zu verschiedenen Zielen gestartet, um britische Urlauber nach Hause zu holen, hieß es bei CAA. Für Urlauber im Ausland wurde die Website thomascook.caa.co.uk geschaltet. Am Wochenende hatte Thomas Cook noch via Twitter mehrfach Kunden zu beschwichtigen versucht, die sich wegen Medienberichten über die Finanzierungsprobleme des Konzerns Sorgen um ihre Buchungen machen. 

Die Rettung von Thomas Cook ist gescheitert.

Thomas Cook verhandelte zuletzt mit Investoren

"Alle unsere Urlaube finden normal statt", hatte das Unternehmen via Twitter geschrieben. Während bei Pauschalreisenden aus Deutschland im Fall einer Insolvenz des Veranstalters ein Versicherer einspringt, bezahlt in Großbritannien der Staat für die Rückholung gestrandeter Urlauber aus dem Ausland. 

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Thomas Cook verhandelte zuletzt mit Investoren über weiteres Kapital in Höhe von rund 200 Millionen Pfund für seine Sanierungspläne. Diese kämen zu einem bereits ausgehandelten 900 Millionen Euro schweren Rettungspaket hinzu. Thomas Cook verhandelte zum einen mit dem chinesischen Mischkonzern Fosun, der den Tui-Konkurrenten übernehmen wollte, aber auch mit Banken und Anleihegläubigern. 

Thomas Cook war in den vergangenen Jahren immer wieder in Schieflage geraten. Bereits im Jahr 2012 retteten mehrere Banken den Konzern nach immensen Abschreibungen auf das britische Geschäft und IT-Systeme mit frischem Geld vor dem Untergang. Auch dadurch sitzt Thomas Cook auf einem Schuldenberg in Milliardenhöhe und ächzt unter der hohen Zinslast.

Brexit dämpfte Reisefreuden 

Der jüngste Preiskampf im Reise- und Fluggeschäft kam erschwerend hinzu, ebenso anhaltende Unsicherheit rund um den Brexit, die die Urlaubsfreude der britischen Kundschaft dämpft. Um dringend benötigtes Geld zu bekommen, hatte der Konzern im Februar sogar seine Fluggesellschaften samt Condor zum Verkauf gestellt. Im Juli blies er das Vorhaben wieder ab und präsentierte stattdessen einen umfangreichen Rettungsplan mit Investoren - der nun scheiterte. 

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Das Sommerhalbjahr bis Ende September werde deutlich schwächer als 2018, hatte Konzernchef Fankhauser Mitte Juli erklärt - und die Vorlage der Quartalszahlen abgeblasen. Dass es noch immer keine Klarheit über den Brexit gibt, dürfte die Lage noch verschärft haben. Großbritannien ist neben Deutschland der wichtigste Absatzmarkt für Thomas Cook. (FNP/FR mit dpa)

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