Vor einem Jahr haben in Oberursel noch hunderte Frauen und Männer für den Reisekonzern Thomas Cook Deutschland gearbeitet.
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Vor einem Jahr haben in Oberursel noch hunderte Frauen und Männer für den Reisekonzern Thomas Cook Deutschland gearbeitet.

Oberursel

Nach Pleite: 230 ehemalige Mitarbeiter von Thomas Cook haben wieder Jobs

  • vonGabriele Calvo-Henning
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Nach der Pleite von Thomas Cook wurde in Oberursel ein besonderes Verfahren eingesetzt, um den Arbeitssuchenden zu helfen. 230 Mitarbeiter haben jetzt wieder einen Job.

  • Insolvenz von Thomas Cook trifft Zentrale in Oberursel besonders hart
  • 900 Arbeitslose auf einen Schlag
  • Ein Teil von ihnen hat jetzt einen neuen Job

Oberursel – "Über 900 Arbeitssuchende auf einen Schlag, und das kurz vor Weihnachten" - der Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Bad Homburg Matthias Oppel erinnert sich noch gut an diesen Montag im November 2019, als klar wurde, dass der Reisekonzern Thomas Cook Deutschland ebenso wie das britische Mutterhaus in die Insolvenz gehen würde. Angesichts der vielen Betroffenen sei bald klar gewesen, "dass wir die Menschen nicht in der Agentur antreten und Schlange stehen lassen wollten", so Oppel weiter. 

Oberursel: Nach Pleite von Thomas Cook kam die Arbeitsagentur ins Haus

Umgekehrt wurde ein Schuh draus: Die Agentur kam sozusagen ins Haus und baute eine Dependance bei Thomas Cook in Oberursel auf. 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Arbeitsagentur wurden dafür abgestellt, bauten eine tragfähige IT auf und begannen umgehend mit der Datenerfassung. Für Oppel war das Ziel klar: "Mir war wichtig, dass wir das Arbeitslosengeld für die Betroffenen noch vor Weihnachten bewilligt bekommen."

Erstmalig wurde dafür ein besonderes Onlineverfahren etabliert, das es zuvor so noch nicht gegeben habe. Hier sei es zunächst um die Existenzsicherung und damit um den Übergang zwischen dem auslaufenden Insolvenzgeld und dem Arbeitslosengeld gegangen, bekennt der Agenturchef bei der Präsentation der Arbeitsmarktzahlen 2019.

Oberursel: Pleite von Thomas Cook betraf Region

Auf die hatte die Pleite des Reisekonzerns in Oberursel durchaus Einfluss. Denn von den im Agenturbezirk (Hochtaunus, Main-Taunus und Landkreis Groß-Gerau) insgesamt 1.848 Frauen und Männern, die von einer der 17 Insolvenzen oder Betriebsschließungen betroffen waren, waren immerhin 300 bei Thomas Cook beschäftigt gewesen. 

Die übrigen über 600 Ex-Thomas-Cookler wurden und werden je nach ihrem persönlichen Wohnort von anderen Agenturen betreut. Dass von den 300 Frauen und Männern bis heute 230 bereits einen neuen Arbeitsplatz gefunden haben, wertet Oppel als Erfolg. Allerdings lässt er aus Datenschutzgründen offen, um was für neue Arbeitsverhältnisse es im Einzelnen geht.

Oberursel: Thomas Cook - Gut qualifizierte Mitarbeiter

Dafür nennt er verschiedene Faktoren, die zu der Vielzahl der Vermittlungen geführt hätten: Zum einen seien die meisten Mitarbeiter sehr gut qualifiziert gewesen. Vor allem die Beschäftigten im IT-Bereich seien auf dem Arbeitsmark sehr gefragt gewesen. Im Gegensatz dazu hatten es Teilzeitkräfte, ältere und weniger qualifizierte Mitarbeiter schwerer. Aber auch die Chefetage mit neuen Jobs zu versorgen sei nicht einfach.

Die Jobvermittlung vor Ort habe nur deshalb so gut geklappt, weil das Unternehmen Thomas Cook selbst mitgespielt habe, so Oppel. Das gilt auch für eine Jobmesse, die kurzfristig organisiert und im Haus durchgeführt worden ist.

Oberursel: Nach Pleite von Thomas Cook "Agentur hat was gerissen"

Von einer Extrawurst für die Thomas-Cook-Mitarbeiter in Oberursel will der Agenturchef trotz des Premierencharakters in dieser Größenordnung aber nicht sprechen: "Tatsächlich ist das ein generelles System, das wir auch in Zukunft aktiv bewerben, mit dem Ziel schneller Daten zu überspielen."

Voraussetzung sei dabei immer, dass die Firmen das nicht blockierten, betont Oppel, der sich sicher ist, dass so ein System auch in anderen Fällen greifen könnte. Für diese Aktion gibt es auch aus dem Verwaltungsausschuss der Agentur viel Lob. Für dessen Vorsitzenden Harald Fiedler können die Vermittlungsaktivitäten bundesweit ein Beispiel sein. Für seinen Stellvertreter Friedrich Avenarius steht fest: "Die Agentur hat hier wirklich was gerissen." Die positiven Reaktionen von Betroffenen würden das zeigen. 

Von Gabriele Calvo Henning

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