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Tiefe Freundschaften

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Die Straße gab es noch nicht, aber das Schild war schon fertig, vor dem Georges Cartoux und Gudrun Panholzer ihre Freundschaft besiegelten. © Evelyn Kreutz

Seit 40 Jahren gibt es die Partnerschaft mit Saint-Florent-sur-Cher

Neu-Anspach -Seit 40 Jahren besteht offiziell die deutsch-französische Städtepartnerschaft zwischen Neu-Anspach und Saint-Florent-sur-Cher. Mitglieder der ersten Stunde des Partnerschaftsvereins, der heute Verein zur Förderung internationaler Beziehungen heißt, erinnerten sich im Gespräch mit der Presse an viele herzliche Begegnungen, aus denen Freundschaften wurden, die lange Bestand hatten und zum Teil noch haben.

Kurt und Doris Bühner aus Rod am Berg waren schon vor der offiziellen Vereinsgründung dabei, als die ersten zarten Bande zu den Franzosen geknüpft wurden. Den Kontakt nach Frankreich hatten zwei Lehrerinnen der Adolf-Reichwein-Schule (ARS) hergestellt. "Im Jahr 1980 waren wir zum ersten Mal mit dem Bus in St. Florent", erinnert sich Kurt Bühner, der in den ersten zehn Jahren auch Schriftführer im Verein war. Ihm wie dem kompletten Gründungsvorstand war es von Anfang an wichtig, die Vereine einzubinden. "Für den ersten Besuch haben wir Vertreter der Handballer, Fußballer und Sänger, von der Feuerwehr, der Radfahrvereinigung und vom Spielmannszug zusammengetrommelt", erzählt Kurt Bühner.

Mit Händen

und Füßen

Obwohl Heide Behrens seitens des Vereins offiziell als Dolmetscherin fungierte, war Doris Bühner vor allem bei den jährlichen Partnerschaftstreffen zusätzlich als Übersetzerin gefragt. "Die Verständigung hat immer funktioniert, zur Not mit Händen und Füßen und wir hatten immer viel zu lachen", meint Kurt Bühner, der selbst nicht so fließend französisch spricht.

Nur die Älteren, die noch die Kriegszeiten in Erinnerung hatten, hätten sich anfangs schwer getan, miteinander in Kontakt zu kommen. "Wir waren damals jung und unbefangen und Vergangenheitsbewältigung war bei uns nicht nötig", sagt der heute 69-Jährige.

Während seiner aktiven Zeit im Verein hatten die Bühners in St. Florent zwei Kontaktfamilien. Anfangs waren sie bei den Ortegas. "Zur Familie Baraton haben wir heute noch regelmäßig Kontakt", erzählen sie. Zum 90-Jährigen Geburtstag von Madame Simone Baraton waren sie vor zwei Jahren zum letzten Mal zu Besuch in St. Florent.

Auch mit deren Tochter Sylvie Narbon, die in Paris lebt, verbindet sie bis heute eine Freundschaft. "Wir schreiben uns regelmäßig per Mail oder WhatsApp", so Kurt Bühner.

Ebenfalls in der Anfangszeit war Gudrun Panholzer regelmäßig mit in St. Florent und hat als Beisitzerin im Vorstand mitgeholfen, wenn es etwas zu organisieren gab. "Für mich war das die größte persönliche Bereicherung zu erleben, wie aus Leuten, die man vorher gar nicht kannte, Freunde werden."

Die 77-Jährige erinnert sich, dass sie und ihr Mann in der Familie von Georges und Ginette Cartoux sofort integriert waren. Auch zu deren Tochter Valerie habe sie gleich einen tollen Draht gehabt. "Sie war sogar einmal vier Wochen lang in den Sommerferien bei uns in Anspach, hat später einige Jahre in Deutschland gearbeitet und uns oft besucht", erinnert sich die Anspacherin. Und als Valeries Mann plötzlich gestorben war, hatte Panholzer das Bedürfnis, ihr persönlich zur Seite zu stehen, und ist mal eben zu ihr nach Paris gefahren.

Nicht ganz so weit zurück reichen die Erinnerungen von Heike Selzer. Aber auch sie berichtet von sehr herzlichen und intensiven Begegnungen bei den Besuchen und Gegenbesuchen von Familie Nichon.

Aus der Zeit, als sie im Vorstand war und vor 15 Jahren die Partnerschaft mit den Slowenen aus Sentjur gerade begann, kramt sie etwas aus dem Gedächtnis, was sie sich heute kaum mehr vorstellen kann: Zusätzlich zur vierköpfigen Familie Nichon wollte sie noch zwei Slowenen beim großen Partnerschaftsreffen bei sich in Neu-Anspach aufnehmen. Als die Busse aus Slowenien und Frankreich dann am Bürgerhaus ankamen, hatten plötzlich sechs Gäste keine Gastfamilie. "Die habe ich dann noch bei Freunden und Verwandten untergebracht", so Selzer.

Europahymne in drei Sprachen

Und sie weiß noch genau, wie sich zum Frühstück und Abendessen dann alle bei ihr versammelt haben und im ausgeräumten Esszimmer um den großen Tisch herum saßen. "Um Mitternacht haben wird dann dreisprachig die Europahymne gesungen", erzählt die Anspacherin.

Die große Tochter der französischen Freunde hat dann vor ihrer Ausbildung mehrere Monate bei Selzers Familie gelebt, um besser Deutsch zu lernen. Vater Nichon ist inzwischen auch gestorben, aber zu den beiden Töchtern hält Selzer bis heute den Kontakt aufrecht. Die eine lebt in der Schweiz, die andere in Nizza, und beide warten schon auf einen Besuch von Selzer.

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Kurt Bühner (links) und seine Frau Doris (Vierte von links) waren mit ihren Gastgebern 1994 beim Picknick im Schlosspark von Versailles. repros: kreutz © Evelyn Kreutz

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