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Gegen das Töten von Tieren demonstrierten Tierschützer in Pfaffenwiesbach zum Auftakt der Treibjagd.

Aktion gegen Tierleid

Tierschutz: Mahnwache gegen die Jagd in Pfaffenwiesbach 

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Ärger in Wald und Flur schwelt schon seit längerer Zeit. Anwohner der Gemarkungsgrenze haben sich schon in der Vergangenheit an die Taunus Zeitung gewandt, weil sie der Jagdgewohnheiten in unmittelbarer Nachbarschaft überdrüssig waren. Jetzt haben die Tierschützer eine Mahnwache organisiert, um auf das Leiden der bejagten Tiere aufmerksam zu machen.

„Des einen Hobby ist des anderen Tod“, steht auf ein Schild geschrieben. Und „Treibjagd ist Tierquälerei“. Nach und nach haben sich 15 Menschen am Naturparkplatz am Ortsrand Pfaffenwiesbachs eingestellt und demonstrierten in deutlichen Worten ihre Abneigung gegenüber der Jagd.

Es war eine Mahnwache, zu der einige Bürger aufgerufen hatten, nachdem in dieser Jahreszeit traditionell wieder zur Jagd geblasen wurde. Zu einer Jagd, die laut ihrer Verfechter unabdingbar ist, die Tierschützer indes als „feigen Mord am chancenlosen Mitgeschöpf“ bezeichnen.

Tierschützer wie Jürgen und Necla von Gartzen oder Sonja und Alexander Pannekoike. Beide Ehepaare leben am Ortsrand von Pfaffenwiesbach, direkt am Waldrand also und relativ nahe dem Schützenhaus. Sie bekommen viel mit von den Geschehnissen in Feld und Wald und in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft. Von Jägern abgefeuerte Schüsse sowie vermutlich von Geschossen getroffene schreiende Wildtiere haben sie laut ihren Berichten schon oft gehört. Kleine Gruppe

Stuften die Anwohner zunächst die Jagdereignisse vor ihrer Haustür hauptsächlich als Gefährdung für die Menschen der Siedlung ein, so ergriffen sie nun noch deutlicher Partei für die bejagte Kreatur selbst. Die Mahnwache sollte die dort vorbeifahrenden Jäger zum Nachdenken bewegen und vor allem die Bürger für die Thematik sensibilisieren.

Ob dies indes gelang, bleibt zweifelhaft. Zwar hatten die Pfaffenwiesbacher Tierschützer mehrere Unterstützer hauptsächlich von Tierschutzorganisationen aus der Umgebung zur Teilnahme an der Mahnwache gewinnen können, der dafür gewählte Standort indes wurde nicht besonders rege frequentiert. Das Einsatzgebiet der Jäger fand sich in einiger Entfernung. Erst als drei der Tierschützer in ihrem Auto unter Huplärm auf einem Feldweg in Richtung Jagdgebiet fuhren, kam es zu einer direkten Konfrontation mit Jägern. „Wir können das durchaus nachvollziehen“, kommentierte Necla von Gartzen die spontane Reaktion der Unterstützer auf das Schreien eines angeschossenen Wildschweines, das die Gruppe vernommen habe. Viele Fehlschüsse?

„Die Schüsse kamen immer näher zu uns und zum Wohngebiet“, resümierte sie. „Uns ist das auch schon so ergangen, dass wir nach einem Schuss noch Wildtiere jämmerlich schreien hörten und dann hingefahren sind“, berichtete die Anwohnerin. Überhaupt kritisierten die Aktivisten, dass es bei der Bewegungsjagd angeblich eine hohe Fehlschussquote gebe. Sie bezweifelten zudem, dass Wild, das unmittelbar vor dem Tod unter hohen Stress gerät, als qualitativ hochwertiges Fleisch bezeichnet werden könne. Die vermeintliche Notwendigkeit, Wildschweine wegen der drohenden Afrikanischen Schweinepest bejagen zu müssen, hielten die Tierschützer für „blinde Panikmache“ und verwiesen auf den Wildökologen Professor Dr. Sven Herzog, Dozent an der TU Dresden. Der hatte in einem Fernsehbeitrag erklärt, dass die Zahl an Wildschweinen keinen Einfluss auf die Ausbreitung des Virus hätte. Insgesamt sehen Tierschützer keinen vernünftigen Grund zur Jagd. Reaktion noch diese Woche

Dass sie mit dieser Anschauung bei Jägern nicht auf Gegenliebe stoßen, liegt in der Natur der Sache. Diese wissen zudem die Jagdgenossenschaft und die Untere Jagdbehörde hinter sich. Doch auch der Förster, die Landwirte und die Gemeinde Wehrheim sind sich darin einig, dass die Jagd zwingend erforderlich sei. Stichhaltige Argumente gebe es genug. „Darüber werden wir die Bürger entsprechend aufklären“, sagte der Vorsitzende der Wehrheimer Jagdgenossenschaft und Bürgermeister Gregor Sommer (CDU). Dazu wollen alle genannten Gremien noch in dieser Woche eine gemeinsame Presseerklärung herausge

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