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Tränen der Rührung

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Als Dankeschön gibt es Blumen für die Künstlerin Sonja Pannekoike (Zweite von links), die zugunsten des Ukraine-Hilfe-Vereins »Fortuna hilft e. V.«, hier vertreten durch Karen Sander (von links) und Klaudia Skodnik, ein Benefizkonzert gegeben hat. Darüber freut sich auch die aus der Ukraine geflüchtete Ivanna Rudyk (rechts). © Ingrid Schmah-Albert

Usingen-Merzhausen. Mit einem überaus persönlichen, ja fast schon intimen Konzert schenkte Pianistin Sonja Pannekoike am Sonntagabend dem Publikum in der Kirche Merzhausen eine Reise in die Gefühlswelt der Musik und berührte mit den Klängen die Menschen. »Jedes einzelne Stück verbinde ich mit ganz persönlichen Erlebnissen oder mit lieben Menschen und sie spiegeln mein Leben wider«, sagte sie nach dem Konzert im Gespräch mit dieser Zeitung.

Erinnerungen zu jedem Stück

So sei zum Beispiel Johann Sebastian Bachs C-Dur-Präludium, das erste Stück aus seinem monumentalen Werk »Das wohltemperierte Klavier«, ihr erstes Klavierstück gewesen, das sie überhaupt erlernt hatte und das ihr von ihrer Großmutter beigebracht worden war. Aber auch alle anderen Stücke des Konzerts, das sie »Klangzyklus« nannte, waren mit persönlichen Erinnerungen verbunden. »Diese unendliche Geschichte des Lebens gibt Kraft, die Hoffnung nicht zu verlieren«, richtete Pannekoike das Wort ans Publikum. Viele Stücke waren bekannte Filmmusiken, wie etwa aus »Die fabelhafte Welt der Amelie« oder aus »Ziemlich beste Freunde« oder des koreanischen Komponisten Yiruma, der die Musik zur Filmreihe »Twilight« geschrieben hat. Sentimental wurde es bei »Unsent Loveletters«, das von der usbekisch-australischen Komponistin Elena Kats-Chernin als Hommage an den Pariser Künstler Eric Satie vertont wurde, als in dessen Nachlass 1925 Dutzende nicht abgeschickte Liebesbriefe gefunden wurden. Bei Ludovico Einaudi wiederum wurde es dramatisch und so transportierte jedes Stück ein besonderes Gefühl. Bei dem Konzert ging es Pannekoike aber weniger darum, das Publikum an ihrer Gefühlswelt teilhaben zu lassen, sondern jedem selbst die Möglichkeit zu geben, in die jeweils eigene Gefühlswelt eintauchen zu können.

Sie habe bei manchen Stücken etwas geweint, gab eine Besucherin unumwunden zu und erntete dafür zustimmendes Kopfnicken der umstehenden Besucher, denen es wohl ebenso ergangen war. Auch sie habe weinen müssen, bekannte Ivanna Rudyk. Die Ukrainerin ist Anfang März aus dem Kriegsgebiet geflüchtet und war beim Konzert als Übersetzerin für andere ukrainische Geflüchtete dabei, um die jeweiligen Erläuterungen zu den Musikstücken übersetzen zu können. Zwar waren wegen des orthodoxen Osterfestes, das just an diesem Sonntag stattfand, keine weiteren Geflüchteten anwesend, aber bei den nächsten Konzerten, die Pannekoike noch geplant hat, werden ihre Dienste sicherlich gebraucht.

Rudyks Tränen wurden nicht nur durch die gefühlvolle Musik ausgelöst. »Ich habe die ersten beiden Wochen nach meiner Ankunft hier in Deutschland viel geweint, weil ich so gerührt war von dieser Hilfe hier überall«, berichtet die Ukrainerin gegenüber dieser Zeitung. Sie könne nicht verstehen, wie die Menschen hier so viel Gutes tun und es gleichzeitig Menschen gebe, die in ihrem Land so viel Leid verursachten. Alles sei hier »supertoll« organisiert, von den Bussen, die kostenlos die Geflüchteten transportierten über die Versorgung in den Verteilungszentren bis hin zur Verpflegung und der Übergabe von SIM-Karten, um den Kontakt mit der Familie in der Ukraine aufrecht erhalten zu können, lobte sie und dankte auch den Vertreterinnen des Hilfsvereins »Fortuna hilft Mensch und Tier e. V.«, zu dessen Gunsten Pannekoike gespielt hatte.

Erlös für die Ukraine-Hilfe

Rund 80 Busse hat der Verein bereits für den Transport der Geflüchteten bereitstellen können sowie zwei Pferde-LKWs, um die Tiere grenznah in Stallungen an der ukrainisch-moldawischen und der ukrainisch-polnischen Grenze unterzubringen. Zur Hilfeleistung gehören aber auch Lieferungen von Tierfutter, medizinischem Equipment, Hygieneartikeln und Hilfsgüter jeglicher Art, beschreibt die Pfaffenwiesbacherin Karen Sander vom Verein.

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