Fußball als Mittel zur Integration

Trikots von der Eintracht

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Der Arbeitskreis Asyl, Rotary, die DJK und die Eintracht machen sich für Flüchtlinge stark. Spieler erhalten eine Erstausstattung.

Erst wollten es die Kirdorfer Knirpse gar nicht glauben. Und so war zunächst auf dem Sportplatz Wiesenborn nur ein Raunen zu vernehmen: „Der Kevin Trapp ist da.“ „Echt jetzt?“, fragten die kleinen DJK-Kicker, die ein wenig vom Vereinshaus entfernt die Ballbehandlung erlernten. Ja, tatsächlich, es war der Torhüter der Frankfurter Eintracht, der da ganz lässig über den Sportplatz schlappte. „Ich mach’ ein Selfie“, bekräftigten die, die Trapp nun einwandfrei identifiziert hatten. Und es dauerte nicht lange, da wurde aus dem Raunen ein lauter Chor. Wahlweise wurde der Fußballstar mit Sprechchören gefeiert oder sein Verein.

Doch was machte Trapp eigentlich am Wiesenborn? Dazu noch in Begleitung vom Finanzvorstand der Eintracht, Axel Hellmann? Der Anlass für den Besuch war ein mehr als löblicher: Die beiden Vertreter der Eintracht, der Kicker und der Vorstandsmann hatten 100 Trikots der SGE im Gepäck, die sie für einen guten Zweck überreichten – denn die Jerseys gehen an Flüchtlinge, die in Bad Homburg und Friedrichsdorf gestrandet sind.

Initiatoren der Aktion waren der Rotary Club Bad Homburg Kurpark, der sich ehrenamtlich für Flüchtlinge einsetzt – unter anderem werden Deutschkurse gesponsert und der Kontakt zu Fußballvereinen hergestellt – und der Arbeitskreis Asyl. Außerdem hat auch die DJK Helvetia Kirdorf an dieser außergewöhnlichen Aktion tatkräftig mitgewirkt.

Nach einem Vortrag von Anne Retzlaff, der Sportkoordinatorin des Arbeitskreises, hatten sich die Rotarier dazu entschlossen, das Projekt „Integration durch Sport“ zu unterstützen. Retzlaff hatte zuvor deutlich gemacht, welch besondere Bedeutung der Sport für – vor allem junge – Flüchtlinge habe. Sie berichtete aber auch über eine besonders große Hürde, nämlich die Ausrüstung. „Wenn die Flüchtlinge keine Noppenschuhe haben, brauche ich sie gar nicht erst für ein Probetraining anmelden“, erklärt Retzlaff. Daher stellte der Rotary Club ein Budget von 1000 Euro zur Verfügung.

Zwischenzeitlich hatte Anne Retzlaff zehn Flüchtlinge bei Vereinen in Kirdorf (DJK) und Friedrichsdorf (FSV und Sportfreunde) untergebracht. Zeitgleich hatte der Rotary Club den Kontakt zur Eintracht hergestellt. Bei der DJK sind inzwischen sechs Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und dem Libanon als Spieler ins Mannschaftstraining integriert. „Unsere Spieler haben sich vorbildlich verhalten und die neuen Mitspieler toll integriert“, erklärt Jörg Denfeld, Abteilungsleitung Senioren-Fußball bei der DJK. Trainer Stephan Bodenröder, wird nun für die Neuzugänge Spielerpässe für die kommende Saison beantragen. Aber auch außerhalb des Fußballs seien die Flüchtlinge willkommen. Denfeld: „Wir grillen zusammen und schauen im Clubhaus Fußballspiele im TV.“

Und ausgerüstet sind die Neuzugänge jetzt auch. Durch das Budget der Rotarier, aber auch durch Spenden der DJK wurden die Flüchtlinge jetzt mit dem passenden Schuhwerk, Hosen, Stutzen und sogar mit Handtücher ausgestattet. Und jetzt kommt wieder die Eintracht ins Spiel. „Wir wollen als Bundesligaverein dort helfen, wo das andere Institutionen vielleicht nicht können“, erklärte Finanzvorstand Hellmann, der zudem auf die verbindende Wirkung von Fußball hinwies. Hellmann: „Wir können die Welt zwar nicht verändern, aber wir können Menschen helfen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten.“

Insgesamt stellt die Eintracht den Flüchtlingen 100 original Trikots zur Verfügung – sechs Stück überreichte Kevin Trapp nun symbolisch den sechs Flüchtlingen, die künftig bei der DJK kicken werden. Ganz besonders freute sich Mohamad Khalifa. Der 21-Jährige erhielt aus den Händen von Trapp ein signal-gelbes Torwarttrikot. Denn die Position zwischen den Pfosten hatte der junge Mann auf bei seiner Jugendmannschaft von Deir ez-Zor inne – einer syrischen Stadt, die vom Bürgerkrieg besonders betroffen ist.

Mit der Übergabe der Trikots war der „Arbeitstag“ für den Eintracht-Keeper aber noch nicht beendet – da waren ja noch die rund 100 Jugendlichen, die unaufhörlich seinen Namen riefen. Und so nahm sich Trapp auch Zeit für den Nachwuchs, schrieb Autogramme und stand für Selfies zur Verfügung.

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