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Die U-Bahn kommt an der Hohemark an und die Fahrgäste steigen dort in die Seilbahn um ? für Landrat Ulrich Krebs ein denkbares Szenario.

Von der U-Bahn in die Seilbahn

Landrat will öffentlichen Personennahverkehr ergänzen und so das Usinger Land besser anschließen

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Eine Seilbahn als Teil des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) im Hochtaunuskreis, die hatte Landrat Ulrich Krebs (CDU) kürzlich in die Diskussion gebracht. Das Vorhaben, ist ambitioniert. Krebs hält es aber für machbar – wenn die Parameter stimmen.

Update, 8. März:  Ähnlich wie in Frankfurt reift nun auch im Hochtaunus die Idee zu einer Seilbahn. Landrat Ulrich Krebs (CDU) will eine Seilbahn von der Hohemark bis nach Schmitten. Die Bürgermeister, auf deren Gemarkungen die Anlage stünde, sind aufgeschlossen, aber auch vorsichtig.

Erstmeldung vom 5. März:  Oberursel - Drei Hauptverkehrsstraßen führen durch den Hochtaunuskreis: die Saalburgchaussee, auch bekannt als B 456 mit dem Knotenpunkt PPR-Kreuzung in Bad Homburg, die Kanonenstraße über den Sandplacken (B 455) und die Bundesstraße B 8 als Zufahrt nach Königstein. Betrieb ist dort praktisch immer, und im Pendlerverkehr geht’s an diesen Stellen oft nur langsam voran. Seit Jahren wird deswegen darüber diskutiert, ob an der einen oder anderen Stelle bauliche Veränderungen mach- und vor allem finanzierbar wären.

Wie’s um die Sachen steht, ist bekannt: Weder ein vierspuriger Ausbau der Saalburgchaussee, noch eine Untertunnelung der PPR-Kreuzung kommen. Ebenso wenig wie eine neue Streckenführung der B 8. Auch ein Ausbau der Kanonenstraße ist illusorisch. Immerhin tut sich in Sachen Bahn einiges. Bis 2022 soll die Taunusbahnstrecke bis Usingen elektrifiziert und an das S-Bahn-Netz angeschlossen werden. Gleichwohl bleibt die Lage auf der Straße angespannt. Deswegen hat Landrat Ulrich Krebs (CDU) eine Idee ins Spiel gebracht, die, wenn sie realisiert würde, die Weiltal-Kommunen besser anbinden würde: eine Seilbahn.

Platz für 35 Personen

„Ich sehe die große Chance, mit einer Seilbahn das Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs zu ergänzen und eine Verbindung vom oberen Weiltal und Schmitten über den Feldberg zur Hohemark in Oberursel zu schaffen“, erklärte der Landrat im Gespräch mit dieser Zeitung. Nicht nur, dass sie eine „unglaubliche touristische Attraktion“ wäre, vor allem wäre sie auch ein Mittel, um dringend benötigte Wohngebiete für die Region zu erschließen.

Um gleich mit der Vorstellung Schluss zu machen, die dem einen oder anderen beim Begriff Seilbahn in den Sinn kommt: „Wir sprechen nicht von einer Skigondel, die am Bügel hängt“, erklärt Krebs, sondern „von einer Drei-Seil-Umlaufbahn, wie sie zum Beispiel in Koblenz im Einsatz ist“. Die Kabinen hätten mithin die Größe von U-Bahn-Waggons, wären also ÖPNV-tauglich und könnten bis zu 35 Personen, Kinderwagen, Rollstühle und Fahrräder transportieren, mit einer Geschwindigkeit von 4,5 Metern pro Sekunde, also 270 Metern pro Minute.

Eine solche Bahn sei „wenig störanfällig“, habe er bei einem Besuch in Koblenz vom dortigen Hersteller Doppelmayr erfahren. „Und sollte es tatsächlich mal ein Problem geben, muss niemand Sorge haben, dass er über ein Seil aus der Kabine aussteigen muss. Die Anlage verfügt über ein Notstromaggregat und kann die Kabine langsam in die Station fahren“, so Krebs.

Krebs sagt auch: „Wir bräuchten meiner Meinung nach drei Stationen. Die erste nämlich an der U-Bahn-Endhaltestelle Hohemark in Oberursel – da könnten Pendler dann umsteigen, vorausgesetzt, es stehen genügend Parkplätze bereit.“ Eine Machbarkeitsstudie müsste auch das prüfen. Die Mittelstation müsste demnach auf dem Großen Feldberg angesiedelt sein und auf der anderen Seite des Taunuskamms müsste es eine Station in Schmitten geben. „Wir brauchen da natürlich einen Anschluss an die Landesstraßen, um eine leistungsfähige Zufahrt zu haben. Die Bürger sollen ja nicht durch zusätzlichen Verkehr belastet werden“, erklärt Krebs.

Geld vom Land notwendig

Der Landrat will er keinesfalls, dass die Seilbahn über bewohntes Gebiet schwebt. „Der Vorteil bei uns ist, dass sie von der Hohemark zum Feldberg nach Schmitten über Wald geführt werden kann.“ Wo genau in Schmitten die Station errichtet werden könnte, sagt Krebs, müsste die Machbarkeitsstudie eruieren. „Da muss man schon genau schauen, denn Schmitten grenzt ja vielenorts an Naturschutzgebiet.“

Zehn Kilometer wäre sie in etwa lang, die Seilbahnstrecke. Was sie kosten soll, darüber will Ulrich Krebs nicht spekulieren. „Das soll die Studie eruieren.“ Informationen dieser Zeitung zufolge stehen etwa 100 Millionen Euro an Herstellungskosten im Raum. Eine Summe, die weder der Hochtaunuskreis, noch Oberursel und Schmitten ohne Förderung durch Bundes- und Landesmittel stemmen könnten. Das ist Krebs durchaus klar. Deswegen sagt er: „Bezahlbar ist ein solches Vorhaben nur, wenn die Seilbahn wie andere öffentliche Verkehrsträger förderfähig wird. Ich fände es daher vernünftig, dafür das Hessische Mobilitätsgesetz und das ÖPNV-Gesetz zu ändern, um Seilbahnen als Alternative Bedienungsform anzuerkennen.“

Kommentar von Sabine Münstermann:

Landrat Ulrich Krebs (CDU) drückt beim Thema Seilbahn auf die Tube – das ist zwar gewagt, aber ob des immer stärker werdenden Verkehrs nur folgerichtig. Denn: Wie sonst – von der Elektrifizierung der Taunusbahn mal abgesehen – können die Straßen sonst noch entlastet werden? Wie sonst noch kann das Usinger Land angebunden und damit attraktiver für Wohnungssuchende gemacht werden?

In Bad Homburg an der Saalburgchaussee und an der B 8 in Königstein wird sich vermutlich nichts Gravierendes ändern. Allein über den Ausbau der Homburger PPR-Kreuzung wurde über 20 Jahre diskutiert, ohne dass es zum großen Ausbau gekommen wäre.

Um Kritikern zuvor zu kommen: Natürlich entlastet eine Seilbahn von Oberursel über den Feldberg bis nach Schmitten nur bedingt den Verkehr von Usingen nach Frankfurt. Aber man muss den Taunus eben auch als Ganzes sehen, und nicht unterteilt in Vordertaunus und Usinger Land. Und als solches ist der Taunus eine wachsende Region, deren Siedlungs-Reserven sich mit alternativen ÖPNV-Angeboten sicher leichter heben lassen.

Und, mal nebenbei bemerkt, sollte man auch die touristische Note nicht vergessen: Natürlich sind Oberursel und Schmitten nicht London oder Singapur. Aber eine Seilbahn über den Feldberg, die wäre bestimmt fast so ein touristischer Knaller wie eine vom Mount Faber über den Hafen von Singapur nach Sentosa oder wie eine von Greenwich über die Themse zu den London Docklands. Und „Feldberg Sky-Line“ wäre ja auch kein schlechter Name. . .

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