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Die Homburger FDP macht keinen Hehl aus ihrer Abneigung für die U 2-Verlängerung. In Gonzenheim warben die Liberalen mit großformatigen Plakaten für ihre Veranstaltung.

FDP Bad Homburg

U2-Verlängerung ist Volksverdummung

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Die Bad Homburger FDP ist ein erklärter Gegner der U2-Verlängerung. In Gonzenheim hatten Die Liberalen jetzt mit prominenter Unterstützung zu einer Diskussionsrunde geladen.

Die erste Überraschung war, dass der große Saal im Vereinshaus Gonzenheim zwar gut gefüllt, aber doch nicht brechend voll war. Man hätte doch erwarten können, dass das Thema, das die FDP am Freitagabend aufgerufen hatte, noch mehr Bewohner des Stadtteils interessieren würde. Doch es sollte nicht die einzige Überraschung bleiben.

Die Liberalen sind seit jeher Gegner der U 2-Verlängerung von Gonzenheim an den Bad Homburger Bahnhof. Jetzt, im Kommunalwahlkampf, wird das Thema wieder stärker akzentuiert – wohl auch nicht zuletzt, da das Regierungspräsidium in Darmstadt kürzlich grünes Licht für das Infrastrukturprojekt gegeben hat. „Das ist ein ernstes Thema für Gonzenheim“, sagt FDP-Chef Franz Tauber zur Begrüßung. Der Bescheid des RP mache es der Stadt möglich, jederzeit mit dem Projekt zu beginnen.

Für die nächste Überraschung sorgte Patrick Döring – ehemaliger Generalsekretär der FDP und bis zum Ausscheiden aus dem Bundestag verkehrspolitischer Sprecher seiner Fraktion. Überraschend war sein Auftritt vor allem deshalb, da er sich als prinzipieller Freund von Schienenprojekten outete – sofern für einen ausreichenden Lärmschutz gesorgt ist. Mit diesem Credo sei die damalige CDU/FDP-Koalition nach der Bundestagswahl 2009 angetreten. „Unser Ziel war, mehr Güterverkehr auf die Schiene zu bringen und die Menschen besser vor Lärm zu schützen“, erinnerte Döring. Daher habe man seinerzeit auch den sogenannten Schienenbonus abgeschafft. Dieser hatte dem Schienenverkehr einen Lärmbonus von 5 dBA gegenüber dem Straßenverkehr eingeräumt.

Allerdings hat diese Regelung für die geplante U 2-Verlängerung in Bad Homburg einen kleinen Haken: Der Schienenbonus entfällt erst ab dem 1. Januar 2015 für neu eingeleitete Planfeststellungsverfahren, da war aber das Homburger Projekt längst eingeleitet. Dennoch ermunterte Döring die Bürger, auch hier mehr Lärmschutz einzufordern.

Spätestens jetzt machte sich im Vereinshaus Gonzenheim Schulterzucken breit. Wieso Lärmschutz – die U 2-Verlängerung soll doch nach dem Willen der FDP gar nicht stattfinden. Entsprechend verhalten fiel der Applaus für den prominenten Gast aus. Also beeilte sich Tauber, die Verhältnisse wieder geradezurücken. Man lehne das Projekt nicht etwa aus ideologischen Gründen ab, sondern weil der Kosten-Nutzen-Faktor – alles über einem Faktor 1 ist wirtschaftlich sinnvoll – nicht erfolgversprechend sei. Dieser wurde in der Vergangenheit zwar stets irgendwo zwischen 1,5 und 2,2 angesetzt, was die FDP aber nicht anficht. „Ich glaube nicht an diesen Faktor“, so Tauber, der viel Verunsicherung in der Bevölkerung ausgemacht haben will.

Und dann sind da ja noch die Kosten, die momentan auf rund 47,6 Millionen Euro geschätzt werden. Außerdem kämen schließlich auch noch immense Folgekosten auf die Stadt zu. Dieses Geld sei besser in das Kurhaus samt Kongress-Center investiert. Tauber versäumte allerdings zu sagen, dass ein großer Teil der Kosten Landeszuschüsse sind, die man in Bad Homburg nicht mal ebenso in ein anderes Projekt stecken kann.

Richtig Stimmung kam aber erst auf, als Otfried Kneipp – neben Wolfgang Hof das liberale Urgestein – ans Mikro trat. Mit Blick auf die Kosten und den späteren Nutzen geißelte er die vagen „Prognosen ohne jegliche empirische Analyse“. Zudem sei doch auch die Frage, welche Vorteile dieses Projekt für die Bad Homburger mit sich bringe – nämlich keine. Was die sogenannten Experten für U 2-Verlängerung zu sagen hätten, sei „Volksverdummung“. Er erinnerte den ebenfalls anwesenden OB Alexander Hetjes (CDU) an dessen Versprechen, die Kosten noch mal ganz genau zu prüfen. Einen anderen Vorschlag des OB – die Bürger zu dem Projekt zu befragen – lehnt der rüstige Senior übrigens ab. „Die Bürger sind doch gar nicht informiert. Die Verantwortung müssen die Stadtverordneten tragen.“

Irritiert waren zahlreiche Besucher am Ende übrigens über die Tatsache, dass keine Diskussion zugelassen wurde. Dennoch war am Rande noch zu erfahren, dass sich die ersten Anwohner bereits für eine Klage gegen die vom RP genehmigte Planfeststellung rüsten.

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