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Überwältigte Zuhörer

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Streicher-Ensemble überzeugt beim Allegro-Konzert mit Schubert

Grävenwiesbach -Dass sie mit dem Ãtma Quartett ein ganz besonderes Ensemble für das zweite Allegro-Konzert nach Usingen geholt hatten, war den beiden künstlerischen Leitern Kar-Werner Joerg und Friederike Richter bewusst. Was die Preisträger bei den internationalen Wettbewerben "Franz Schubert und die Musik der Moderne" sowie "Stanislaw Moniuszko" in der evangelischen Kirche in Grävenwiesbach zu Gehör brachten, kommentierte Joerg nach dem Konzert, noch ganz überwältigt, mit einem kurzen "Das war einfach grandios". Einen ersten Einblick in die polnische Musik gaben Maria Slawek und Paulina Marcisz (Violinen), Karalina Orsik-Sauter (Viola) und Maciej Kulakowski (Cello) und mit dem Streichquartett Nr. 1d-moll von Stanislaw Moniuszko (1819 - 1872). Der polnische Komponist hat in seinen Liedern und Opern viele patriotische Volksmelodien verwendet und gilt als "Vater der polnischen Nationaloper".

Auch in seinem ersten Streichquartett, das vor allem in den ersten beiden Sätzen, dem Allegro agitato und dem Andantino, an klassische Vorbilder erinnert, hat der Komponist polnische Melodien verpackt. Im Scherzo vivo ist das Hauptthema eine beschwingte Mazurka, bei der die Finger und Bogen der Streicher nur so auf den Saiten tanzten. Mit einem traditionellen polnischen Tanz, einem Haiduk, begann der Finalsatz, das Allegro assai. Keine einfache Kost war das dann folgende Streichquartett Nr. 2 op 56 von Karol Maciej Szymanowski (1882 - 1937). Der wird als Vater der polnischen Moderne bezeichnet und hat auf Basis spätromantischer Traditionen eine Art neoromantischen Nationalstil entwickelt. Das dreisätzige Streichquartett folgt klassischen Formmodellen mit der modifizierten Sonatenform im ersten Satz, der mit Variationen verknüpften Rondoform im zweiten und einer vierstimmigen Doppelfuge im dritten Satz.

Dem nicht geübten Zuhörer fehlte zwar zuweilen der rote Faden, doch wem es gelang, sich auf die Musik einzulassen, der erkannte im ersten Satz, dem Moderato, zwei markante Themen, über die die Streicher in den musikalischen Dialog gingen. Den zweiten Satz, das Vivace scherzando, prägten Melodik und Rhythmik aus der Volksmusik der Golaren, einem in den nördlichen Karpaten lebenden Bauernstamm.

Absoluter Höhepunkt war nach der Pause das Streichquartett Nr. 14 d-moll D 810 "Der Tod und das Mädchen" von Franz Schubert (1797 - 1828) in der Fassung für Streichorchester.

wurde das Werk zu Schuberts Lebzeiten nicht wieder gespielt. Heute gilt das spannungsvolle Stück mit seiner Expressivität und motivischen Dichte als Herausforderung für jedes Streichquartett. Den Zuhörern in Grävenwiesbach ging der extreme Gegensatz zwischen Leben und Tod, die musikalisch genial dargestellte Vergänglichkeit wahrlich unter die Haut. Die Dur-Traumwelt des Mädchens im Seitenthema wird nämlich immer wieder überschattet vom Moll des Hauptthemas, mit dem sich der Tod unbarmherzig seinen Weg bahnt.

Musik spiegelt die Angst vor dem Tod

Aus seiner gleichnamigen Liedvertonung des Gedichtes von Matthias Claudius hat Schubert nicht nur das Thema des Variationensatzes, sondern auch alle anderen Sätze des Streichquartetts abgeleitet. In der Musik des Todes skizzierten die Musiker mit feinsten dynamischen Nuancen bis hin zum fast schon brutal wirkenden Fortissimo exzellent den mystischen Charakter dieses Werkes. Wohl keine andere Komposition drückt so intensiv die Angst vor dem Tod, aber auch den zu erwartenden Trost in der Erlösung aus. Man spürt förmlich, wie der Tod lauert. Aus der Stille heraus platzt er plötzlich in die unwirklich wirkende Idylle hinein, setzt an zum ersten wuchtigen Todestanz, um sich dann wieder zurückzuziehen. Doch immer drängender streckt der Tod seine Fühler aus und setzt sich im wuchtigen Finale schließlich durch. Mit Bravo-Rufen quittierte das begeisterte Publikum dieses hochkarätige Konzert, das sicherlich mehr als rund 50 Zuhörer verdient gehabt hätte.

Doch das Streichquartett, als bedeutendste Gattung der Kammermusik, hat in der Regel nicht ganz so viele Liebhaber wie andere Besetzungen. Eins ist jedoch für die Organisatoren nach der Premiere in der evangelischen Kirche in Grävenwiesbach mit ihrer schönen Akustik klar: "Wir werden zur nächsten Auflage von Allegro wieder hierherkommen."

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