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Umweltsünde oder alles im Rahmen?

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Wenn es zu Starkregen kommt, wird das müde Rinnsal des Sattelbachs zum reißenden Strom - angefüllt mit Hygieneartikeln. © Friedrich

Abwasser und Unrat im Sattelbach erhitzen die Gemüter der Dorfbewohner

Merzhausen -Es ist eine ziemlich eklige Mischung, die immer wieder in den Büschen und Böschungen des Sattelbachs hängt: Schnipsel von Feuchttüchern, Tampons, Binden und sogar Kondomen, die bisweilen den kleinen Bach in Merzhausen entlang treiben und sich dann in der Natur verheddern.

Ein Umstand, der die Gemüter der dortigen Anwohner ziemlich erregt und zu dem in den letzten Tagen zahlreiche Leserbriefe eingegangen sind. Auch der HR hatte bereits im Mai über die Zustände an dem kleinen Bachlauf berichtet.

Kein Abwasser gelangt in Brunnen

So kritisiert beispielsweise Leser Axel Pfetzing, dass mit der Einleitung der Abwässer in den Sattelbach eine "behördenbekannte Umweltverschmutzung" begangen werde, da der Sattelbach ebenfalls der Trinkwassergewinnung diene und die Brunnen III, "In der Höll" und IV "Wimborn" in Usingen speise. Der Merzhausener sagt dazu: "Diese Tatsache ist allen verantwortlichen Ämtern wohlbekannt, Bis heute ist hier jedoch keine Abhilfe oder Lösung geschaffen worden. Da ist es wohl erlaubt, von Fahrlässigkeit zu sprechen. Oder warum billigt man in einem solchen Fall die Verunreinigung einer Trinkwasserquelle?"

Dem widerspricht Usingens Wassermeister Andreas Otto. "Die Trinkwasserbrunnen werden nicht aus dem Oberflächenwasser des Sattelbachs gespeist. Das ist gar nicht zulässig. Zudem steht das Rückhaltebecken hier schon länger, als der Bereich überhaupt als Wasserschutzgebiet ausgewiesen ist." Eine Trinkwassergewinnung erfolge im Wasserschutzgebiet ebenfalls nicht durch das kurzzeitig dort entlang fließende Schmutzwasser, welches zudem bei Regen hochverdünnt sei. Außerdem erfolge auch kein Eintrag des Abwassers in das Brunnen und somit das Trinkwasser. Dies zeige auch eine regelmäßige Kontrolle des Instituts Fresenius, das die Qualität jedes Jahr kontrolliere. "Bei der kleinsten Verunreinigung würden die Brunnen sofort gesperrt werden", sagt der Wassermeister.

Ein Grund, dass es am Rand des Sattelbachs immer wieder zu Verschmutzungen komme, sei der Umstand, dass heutzutage viel mehr Wasser eingespart werde als früher und sich somit starke Ansammlungen von Hygieneartikeln, die eigentlich nicht in die Toilette gehören, im Kanal bilden würden. Diese würden dann durch den immer mehr werdenden Starkregen zum Rückhaltebecken und durch die plötzlich auftretende, sehr hohe hydraulische Belastung über den Überlauf in den Seitengraben der Sattelbach geleitet. Auch wenn die Mitarbeiter des Abwasserverbandes Oberes Usatal nach jedem Überlauf des Beckens den Auslauf reinigten, könne nicht jedes Teilchen entfernt werden, betont Usingens Bürgermeister Steffen Wernard auf Nachfrage. Doch um die ekligen Rückstände, die immer wieder in den Böschungen zu finden seien, will man sich nun kümmern. Der Abwasserverband habe sich entschlossen, einen Rechen, der diese Stoffe künftig zurückhalten soll, einzubauen. Eine Ausschreibung laufe bereits, der Einbau werde sich jedoch durch den Materialengpass verzögern. Im Neubaugebiet werde ein Trennsystem für Schmutz- und Brauchwasser installiert. Das Brauchwasser gehe in die Zisternen, den Weiher oder werde der Natur wieder zugeführt. Bei 50 neuen Wohneinheiten rechnet man in der Verwaltung in Spitzenzeiten mit zusätzlichen zwei bis drei Litern Schmutzwasser in der Sekunde. Auch das RP Darmstadt habe sowohl die erlaubte Einleitung bestätigt als auch versichert, dass das Rückhaltebecken ordnungsgemäß arbeite.

Sowohl Wernard als auch Otto widersprechen auch der immer wieder vorgebrachten Aussage, dass der Kanal zur Kläranlage zu klein dimensioniert sei. Das 300er-Rohr sei nach Rechnungen der Behörde vollkommen ausreichend. "Das Problem liegt in den Starkregenereignissen, die das Rückhaltebecken zum überlaufen bringen. Selbst ein größeres Rückhaltebecken helfe nicht, diese Ereignisse zu kompensieren. "Bei Starkregen laufen diese Becken binnen Minuten voll, da bringt es nichts, diese auch noch zu vergrößern", sagt Otto. Und eine Vergrößerung der Kanalisation, um diese Ereignisse einzukalkulieren, koste Millionen, die dann über Abwassergebühren, die alle Usinger Bürger zahlen müssten, auf die Bürger selbst zurückfielen.

Mögliche Gefahr

Mikroplastik?

Doch den Merzhäusern wie beispielsweise Pfetzing gehe es in diesem Zusammenhang nicht nur um die Verschmutzung durch Hygieneartikel, sondern auch um eine Verunreinigung durch Medikamentenrückstände, Haushalts- und Industriechemikalien sowie Mikroplastik.

Es sei zwar richtig, sagt Otto zum Vorwurf, dass von Medikamenten und Mikroplastik über die Nahrungskette eine Gefahr ausgehe, jedoch sei Merzhausen an die Kläranlage Kransberg angeschlossen, wo solche Stoffe herausgefiltert würden. "Hoffentlich erfahren die nicht sichtbaren Inhaltsstoffe auch davon und nehmen dann freiwillig den direkten Weg zur Kläranlage", schreibt Pfetzing dazu.

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