Unfallzahlen steigen weiter

  • schließen

Es gibt mehr Unfälle im Kreis, aber keine eindeutige Erklärung. Die Polizei appelliert daher an die Verkehrsteilnehmer, aufmerksam und vorausschauend zu fahren – darin liege bekanntlich der Universalschlüssel für ein unfallfreies Miteinander auf der Straße.

Die Zahl der Verkehrsunfälle im Hochtaunuskreis nimmt weiter zu. In den vergangenen drei Kalenderjahren registrierte die Polizei auf den Straßen abseits der Autobahnen jeweils neue Höchststände. 2017 wurden 5440 Unfälle registriert, bei denen 893 Menschen verletzt wurden. Zur Einordnung: Das bedeutet, pro Tag kracht es im Hochtaunuskreis durchschnittlich rund 15 Mal, pro Woche werden dabei über 17 Menschen verletzt.

Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl der Unfälle um 21 Prozent erhöht. Grund genug für Landrat Ulrich Krebs, Fachdezernent Uwe Kraft (beide CDU) und Thomas Dietrich von der Polizeidirektion Hochtaunus, die Bekanntgabe der Zahlen für 2016 und 2017 „draußen“, an einem der Punkte, an dem sich das Problem besonders anschaulich darstellen lässt, zu verkünden. Dazu traf man sich gestern an der Einmündung der Südtangente auf die B 275 bei Usingen – einer Stelle. an der so mancher Kraftfahrer einen lauten Fluch oder ein stilles Stoßgebet gen Himmel schickt, wenn er mal wieder eine brenzlige Situation überstehen musste.

Eindeutige Ursachen für den Anstieg der Unfallzahlen seien nicht zu erkennen, sagte Dietrich. Am Beispiel der Einmündung zeige sich allerdings, wie „objektive“ und „subjektive“ Ursachen voneinander abwichen. „Objektiv“ meint dabei das, was später im Polizeibericht steht – die „subjektive“ Ursache kann durchaus davon abweichen. Das habe nichts mit amtlicher Vertuschung zu tun, die Polizei gehe vielmehr davon aus, dass viele der aufgenommenen Unfälle mit darauf zurückzuführen seien, dass die Fahrer abgelenkt oder zu schnell unterwegs waren. „Wir müssen die Verkehrsteilnehmer belehren, dass sie nichts sagen müssen, was sie belastet“, erinnert Dietrich. Und so wird wohl kaum ein Unfallbeteiligter von sich aus angeben, dass er zu schnell unterwegs und/oder durch sein Handy abgelenkt war.

Kontrollen und tägliche Beobachtungen ließen jedoch erkennen, dass immer noch sehr viele Fahrer das Handy während der Fahrt benutzen. Und jeder Blick weg von der Straße erhöhe das Unfallrisiko.

Die besuchte Einmündung war lange „unfallauffällig“, und noch immer geschehen dort Unfälle mit teils schweren Folgen. Objektiv wird dann oft eine Missachtung der Vorfahrt angenommen. Subjektiv spielt überhöhte Geschwindigkeit der Vorfahrtsberechtigten auch eine Rolle, ist Dietrich überzeugt. „Bei regelmäßigen Messungen der Polizei werden zum Teil erhebliche Überschreitungen festgestellt.“ Spitzenreiter sei ein Fahrer, der in diesem Jahr mit 163 Kilometer pro Stunde anstelle der erlaubten 70 erwischt wurde. Andererseits sehen viele Autofahrer das Stop-Schild offenbar als Empfehlung an. „Von den 100 Autos, die an die Kreuzung kommen, während wir hier reden, haben vielleicht fünf angehalten“, so Dietrich.

Wie sich die Zahlen an dieser neuralgischen Stelle senken ließ, verdeutlichte Dietrich an Beispiel. „Das Tempolimit wurde von 100 auf jetzt 70 gesenkt. Die Vorwegweiser sind erhöht montiert worden, damit die Autofahrer darunter schon den Kreuzungsbereich einsehen können.“ Mit einem Blick auf einen gelben Punkt in der Ferne, der sich als mit Radarpistole bewaffneter Kollege herausstellte, ergänzte Dietrich: „Regelmäßige Messungen helfen auch.“ Zum Beweis der These führte Dietrich an, dass ein weiterer Unfallschwerpunkt im Kreis, die Einmündung der Straße an der Saalburg nahe der Kuppe, durch die beiden stationären Blitzer entschärft werden konnte. „Seitdem die stehen, hat es dort keinen Unfall mehr gegeben.“

Die erfreuliche Seite der Statistik zeigt, dass „nur“ die Sachschäden signifikant gestiegen sind. Die Zahl der Verkehrstoten (sechs 2016, acht 2017) liegt im langjährigen Mittel, auch die Zahl der Verletzten lag in den beiden untersuchten Jahren mit rund 900 „nur“ um sechs Prozent höher als in den Vorjahren (850).

Die Unfälle mit Radfahren haben sich 2017 nach einem Ausreißer 2016 (193) wieder bei rund 150 eingependelt (158), auch die Zahl der Motorradunfälle sank nach dem Spitzenwert im Jahr 2015 (über 180) auf 154 (2016) beziehungsweise 158 (2017) und liegt damit im Bereich des langjährigen Durchschnitts. Der Prozentsatz der Verkehrsteilnehmer, die Unfallflucht begehen, geht hingegen zurück. Nachdem sie zwischen 2013 bis 2016 zwischen 32,1 bis 33,6 Prozent betrug, lag sie 2017 bei 31 Prozent.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare