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Ein Spezialzug sorgt für neue Schwellen.

Hochtaunus

Ungetüm erneuert Taunus-Trasse

Die Züge auf der kreiseigenen Taunusbahn-Strecke sollen zum Schulbeginn wieder rollen. In den kommenden Jahren ist zudem eine Elektrifizierung geplant.

Kaum sind die alten, morschen Holzschwellen aus dem Gleisbett herausgerissen und per Förderband abtransportiert, sitzen an gleicher Stelle schon die neuen Schwellen aus Beton. Möglich macht das ein 140 Meter langes gelbes Ungetüm, das derzeit auf der Taunusbahnstrecke unterwegs ist: Mit dem Schnellumbauzug erneuert das Fachunternehmens Spitzke im Auftrag des Verkehrsverbands Hochtaunus (VHT) während der Herbstferien insgesamt 3,3 Kilometer Taunusbahn-Trasse.

Seit fünf Jahren sei man dabei, die gesamte kreiseigene Strecke, die von Friedrichsdorf bis Brandoberndorf reicht, auf den aktuellen Stand zu bringen, erklärte VHT-Geschäftsführer Frank Denfeld nun bei einem Baustellenbesuch. Derzeit sind die Teilstücke zwischen Wehrheim und Hausen, am Bahnhof Wilhelmsdorf und zwischen Hasselborn und Brandoberndorf an der Reihe.

Die neuen Betonschwellen hätten eine längere Lebensdauer als ihre Vorgänger aus Holz und seien zudem eine stabilere Unterlage für die Gleise, so Denfeld. Die Holzschwellen stammen weitgehend aus den 90er Jahren, an einigen Stellen gibt es aber auch noch Eisenschwellen, die gut 100 Jahre auf dem Buckel haben.

Wenn der Schnellumbauzug sich in Bewegung setzt, schafft er 300 Meter Bahnstrecke pro Stunde. Er hebt zunächst die Schienen an, zieht dann mit einer Art Stahlkralle die alten Schwellen aus dem Gleisbett und verdichtet den Schotter. Im hinteren Bereich des Zuges werden zeitgleich die neuen Schwellen eingesetzt, auf denen zum Abschluss die Schienen wieder fixiert werden.

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Trotz dieses Wunderwerks der Technik sei auch noch einiges an Handarbeit nötig, betonte der Projektleiter von Spitzke, Florian Bauer. Während der Tagschicht sind jeweils 50 Mitarbeiter auf der Baustelle im Einsatz. Sie sorgen etwa dafür, dass der alte Schotter, so weit möglich, gereinigt wird. Zusätzlich werden 10 000 Tonnen neuer Schotter verbaut. An einigen Stellen seien auch Schienen ersetzt worden, erklärte Frank Denfeld. Der weit überwiegende Teil sei aber noch gut in Schuss.

Während der Bauarbeiten ist die komplette Taunusbahnstrecke gesperrt. Fahrgäste müssen deshalb seit Ferienbeginn auf Busse umsteigen. Um die Sperrzeit möglichst kurz zu halten, werde Tag und Nacht gearbeitet, teilte Landrat Ulrich Krebs (CDU) mit. Am kommenden Montag ab 4.30 Uhr sollen die Züge wieder wie gewohnt fahren.

4,4 Millionen Euro kostet die Erneuerung der Taunusbahntrasse den VHT in diesem Jahr. Allerdings bekomme der kommunale Zweckverband dafür erstmals eine erhebliche finanzielle Unterstützung durch das Land, sagte Krebs. Sie beläuft sich auf rund drei Millionen Euro.

Die Arbeiten wären auch ohne die zwischen Friedrichsdorf und Usingen geplante Elektrifizierung der Taunusbahn nötig gewesen, betonte der Landrat. Allerdings seien sie eine gute Grundlage dafür, dass künftig die S-Bahn-Linie 5 verlängert werden kann.

Durch den S-Bahn-Ausbau soll die Kapazität pro Tag auf 18 000 Fahrgäste ausgeweitet werden. Geplant ist, dass die S 5 ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2022 im Halbstundentakt über den Taunuskamm fährt. Voraussetzung dafür ist allerdings ein erfolgreiches Planfeststellungsverfahren. Die Unterlagen will der VHT noch in diesem Jahr einreichen.

Um die Bevölkerung über das Projekt zu informieren, werde es im November zwei weitere Veranstaltungen geben, kündigte der Landrat an.

Taunusbahn

Ende der 80er Jahre hat der Hochtaunuskreis die Bahnstrecke zwischen Friedrichsdorf und Grävenwiesbach übernommen. Er war der erste Landkreis in Deutschland, der eine von der Deutschen Bahn aufgegebene Trasse kaufte, um sie in eigener Regie weiterzubetreiben. Zuständig dafür ist bis heute der Verkehrsverband Hochtaunus (VHT). 

Später wurde die Trasse bis Brandoberndorf weitergeführt. Damit verlängerte sich die Taunusbahn-Trasse auf 37,5 Kilometer. Einige Züge fahren auch bis zum Frankfurter Hauptbahnhof. 

Waren zu Beginn 1500 Menschen pro Tag mit der Taunusbahn unterwegs, sind es an Werktagen laut VHT inzwischen 11 000. 

Informationen über den Schienenersatzverkehr gibt es unter hlb-online.de oder beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (www.rmv.de)

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