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Austausch: Kaffeeküche bei Amadeus.

Arbeitstag

Wie Unternehmen ihre Mitarbeiter bei Laune halten

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In Zeiten des Fachkräftemangels müssen Firmen ihren Mitarbeitern etwas bieten – nicht nur finanziell. Einige Firmen im Vordertaunus haben uns einen Blick in die „Kiste der Annehmlichkeiten“ gewährt.

Die Konzentration ist futsch, doch der Arbeitstag ist erst halb geschafft? Kein Problem: Immer mehr Unternehmen richten in ihren Niederlassungen Bereiche ein, in denen Mitarbeiter kurz entspannen dürfen, bevor sie sich wieder ihrer Aufgabe widmen. Oder kutschieren sie zum Arbeitsplatz. Verköstigen sie, helfen ihnen, gesund zu bleiben, bieten einen Platz für ihre Kinder oder gewähren finanzielle Anreize. Warum das Ganze? Nur zufriedene Mitarbeiter bringen die erhoffte Leistung. Einige Beispiele aus der Umgebung:

  Gesundheitsvorsorge: Der Bad Homburger Dax-Konzern Fresenius bietet seinen rund 3300 Mitarbeitern vor, nach oder auch während der Arbeitszeit in der Mittagspause bezuschusste Sportkurse wie Yoga, Rücken-Fit oder Lauftraining an. Beim Gesundheitstag können sie einmal im Jahr Blutdruck oder Sehkraft messen lassen sowie gesundes Sitzen üben. Auch Fidelity International (Kronberg) bietet Trainings und Gesundheitsangebote. „Als einer der führenden globalen Vermögensverwalter sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schlüssel zum Erfolg“, erklärt Personalleiterin Silke Jensen. Der Oberurseler Reiseveranstalter Thomas Cook hat einen Fitnessraum mit Cardiogeräten und Duschen sowie gegen Gebühr Fitnesskurse. Bei Amadeus Germany (Bad Homburg) sind es höhenverstellbare, ergonomische Büromöbel sowie Tageslichtlampen. Eine Ärztin und ein Massagedienst kommen regelmäßig ins Haus.

  Spiel-Pause: Die 45 Mitarbeiter der Dr. Dornbach Treuhand GmbH (Bad Homburg) können, wenn sie ein Päuschen am Arbeitsplatz brauchen, eine Runde Billard spielen, Yoga machen oder sich eine Massage gönnen. „Auf den ersten Blick ist unser Beruf nicht so attraktiv“, sagt Jochen Ball, einer der geschäftsführenden Gesellschafter der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft. Man wolle „attraktiv für die Y-Generation sein“ – trotz trockener Zahlen und Fortbildungen mit schwierigen Prüfungen.

  Kaffeerunde: Die gängigste Ablenkung sind Kaffeepausen. Beim Homburger Softwareunternehmen Amadeus sind diese gewollt. Im Neubau an der Horexstraße wurden offene Freiflächen für sogenannte Collaboration Sessions (Sitzungen zur Zusammenarbeit) eingeplant sowie diverse Kaffeebars und -küchen auf jeder Etage.

  Bus-Shuttle: Fidelity hat auch einen Standort in Falkenstein. Für Kollegen, die auf den ÖPNV angewiesen sind, gibt’s morgens und abends zu verschiedenen Zeiten einen Bus-Shuttle vom Kronberger Bahnhof.

  Kinderbetreuung: Wer bei Thomas Cook arbeitet, kann durch eine Glasscheibe seinem Kind beim Spielen zusehen. Seit Sommer hat der Oberurseler Reiseveranstalter ein Eltern-Kind-Büro mit drei Arbeitsplätzen und schon länger für Mitarbeiter reservierte Betreuungsplätze in der benachbarten Kita „Schatzinsel“. Die Taunus Sparkasse bietet vergünstige Plätze in der Kita im Landratsamt an.

  E-Fahrzeug-Förderung: Fresenius-Mitarbeiter können im neuen Parkhaus in Bad Homburg ihre Elektrofahrzeuge auf 35 Parkplätzen bis Ende des Jahres kostenfrei aufladen.

  Wäscheservice: Das Kostüm, der Hosenanzug muss mal in die Reinigung? Die 848 Mitarbeiter der Taunus Sparkasse können ihre Kleidung in der Zentrale im Landratsamt abgeben und sie dort auch wieder gereinigt abholen. „Dann ist man nicht an die Öffnungszeiten gebunden“, erläutert Sprecher Lars Dieckmann. Einen Reinigungs- und Schusterservice bietet auch Thomas Cook für seine 1300 Mitarbeiter in Oberursel an.

  Überschaubare Projekte: Lange Aufgaben, die nie enden, sind out. Die Software-Entwickler bei Amadeus folgen zunehmend einer „agilen Arbeitsweise“ mit kurzen, eng am Kunden ausgerichteten „Arbeits-Sprints“ statt langer Projekte. „Nur wer gerne zur Arbeit kommt, ist dauerhaft leistungsbereit, und nur so entstehen Kreativität und Innovation“, sagt Monika Wiederhold, Vorsitzende der Geschäftsführung von Amadeus Germany.

  Vereinbarkeit von Familie und Beruf: „Wir verbringen so viel Zeit im Büro, da ist ein teamorientiertes Miteinander wichtig“, erklärt Silke Jensen (Fidelity). Ganz oben stehen flexible Arbeitszeitmodelle und Homeoffice, also die Möglichkeit, von zu Hause zu arbeiten. Die Taunus Sparkasse möchte ihre Mitarbeiter „in unterschiedlichen Lebensphasen begleiten“, so Dieckmann. Müttern und Vätern werde der Wiedereinstieg nach der Babypause erleichtert; eine Kollegin wurde zur zertifizierten Pflegeberaterin ausgebildet – an sie kann man sich wenden, wenn plötzlich die Eltern pflegebedürftig werden. Auch Sabbaticals bis zu zwölf Monaten sind bei der Bank möglich.

  Schöne Umgebung: Zwar im Bad Homburger Gewerbegebiet gelegen, können die Mitarbeiter von Amadeus beim Essen aber idyllisch am renaturierten Dornbach sitzen. Die Firma Dornbach residiert im sanierten, denkmalgeschützten Lokschuppen, einem coolen Gebäude mit überglasten Montagegruben, in dessen Innenhof auch mal Poesie-Lesungen stattfinden. Thomas Cook und Fidelity haben indes schöne Parks zum Spazierengehen.

  Geldwerte Vorteile: Fresenius beteiligt tüchtige Mitarbeiter finanziell am Erfolg. Bei Fidelity und Fresenius gibt es eine betriebliche Altersvorsorge, bei Fidelity auch Sonderkonditionen für Wertpapierdepots. Die Taunus Sparkasse verhilft ihren Mitarbeitern zu vergünstigten Smartphones und belohnt Menschen, die ein Ehrenamt haben, mit einem Tag Sonderurlaub.

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