Die Stadt Frankfurt hat im Urselbach bei einer Messung im vergangenen Jahr multiresistente Keime gefunden. Der Ortsbeirat Weißkirchen hat nachgeforscht.
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Die Stadt Frankfurt hat im Urselbach bei einer Messung im vergangenen Jahr multiresistente Keime gefunden. Der Ortsbeirat Weißkirchen hat nachgeforscht.

Gefährliche Bakterien

Ist der Urselbach eine Keimschleuder?

  • vonManuela Reimer
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Mit multiresistenten Erregern (MRE) ist nicht zu spaßen. Die widerstandsfähigen Keime, gegen die teilweise kein einziges verfügbares Antibiotikum wirkt, stellen die Medizin vor immer größere Herausforderungen. Vor wenigen Monaten wurden sie auch im Urselbach nachgewiesen – der Ortsbeirat Weißkirchen ist alarmiert.

Seit kurzem ist bekannt, dass die Stadt Frankfurt bei groß angelegten Untersuchungen im vergangenen Jahr in allen ihren Gewässern multiresistente Erreger (MRE) gefunden hat – also auch im Urselbach, und zwar in Niederursel, aber auch direkt vor sowie nach der Kläranlage in Weißkirchen. Bei MRE handelt es sich um Keime, die gegen viele verschiedene Antibiotika, die gängigen, aber auch Reservemittel, widerstandsfähig sind. Gefährlich können diese, oft auch Krankenhauskeime genannten, Bakterien – am bekanntesten ist der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) – dann werden, wenn Menschen mit offenen Wunden beziehungsweise unausgereifter oder geschwächter Immunabwehr wie kleine Kinder, Kranke oder Alte mit ihnen in Kontakt kommen. Entwickelt sich in der Folge eine Infektion, ist die Behandlung des Patienten durch die Resistenzen des Erregers deutlich erschwert. Je nach Art und Schweregrad der Infektion und Allgemeinzustand des Erkrankten droht Lebensgefahr.

Die Frankfurter Untersuchungsergebnisse haben auch den Ortsbeirat Weißkirchen alarmiert – die CDU-Fraktion wollte es genau wissen und richtete eine Anfrage an den Magistrat. Die Verwaltung sollte zum einen Auskunft darüber geben, wie wahrscheinlich es ist, dass auch andere Stellen des Urselbachs betroffen sind, insbesondere die Weißkirchener Zugänge zum Gewässer im Bereich des grünen Klassenzimmers und bei der Kirche. Zum anderen wollten die Christdemokraten wissen, ob weitere Proben in Weißkirchen entnommen werden sollen, um eventuelle Risiken auszuschließen, und wie lang die multiresistenten Keime im Bach überhaupt überleben.

Die Antworten gefielen den Ortsbeiratsmitgliedern gar nicht – allerdings nicht, weil sie besonders negativ ausfielen. „Sie sind allesamt unbefriedigend“, klagte Elke Benner (CDU). Man gehe davon aus, trug Kämmerer Thorsten Schorr (CDU) vor, dass für weitere Stellen in Weißkirchen keine Werte vorlägen – die genauen Stellen, an denen Frankfurt gemessen habe, seien der Stadt Oberursel überdies nicht bekannt. Man sei aber mit dem Kreis-Gesundheitsamt in Gesprächen – das Ende Januar bereits eine Stellungnahme abgegeben hatte – und gegebenenfalls könnten eigene Messungen im Lauf des Jahres vorgenommen werden. Aussagen zur Lebensdauer der Erreger, so Schorr abschließend, blieben den Fachbehörden vorbehalten. „Aber die Frage ist doch: Können wir die Kinder noch in den Bach lassen? Wir haben extra die Zugänge zum Spielen“, echauffierte sich Benner. Ortsvorsteher Nikolaus Jung (CDU) schloss sich an. Er äußerte sein Unverständnis, auch im Namen der übrigen Fraktionen. „Wir dürfen und können hier mehr erwarten! Das nehmen wir so nicht hin.“ Wie solle das Gremium den Bürgern Rede und Antwort stehen, fragte Jung.

Der Ortsbeirat will jetzt erst einmal abwarten, ob weitere Messungen terminiert werden. Wenn nicht, könne man sie beantragen, stellte die CDU in Aussicht. Im Urselbach wurden unter anderem vermehrungsfähige Fäkalkeime (E.coli) mit Carbapenem-Resistenz entdeckt. In dem Erreger, der derzeit weiter untersucht wird, hat man auch Carbapenemasen gefunden, Enzyme, die laut Hochtaunus-Gesundheitsamt die ganze Gruppe der Carbapeneme – starke Reserveantibiotika – abbauen können. Als Quellen kämen sowohl Kläranlagen in Betracht, die das Abwasser nicht desinfizierten, Wildvögel, aber auch die Landwirtschaft durch die Düngung mit Gülle. Im Falle von Oberursel steht aber auch das Mischkanalsystem im Verdacht: Schmutz- und Regenwasser werden durch ein System geleitet, und bei starkem Regen kann auch Schmutzwasser in die Regenüberlaufbecken oberhalb der Kläranlage und so ins Oberflächengewässer gelangen. Nach direktem Kontakt mit dem Bach-Wasser oder Uferschlamm, so das Gesundheitsamt, sollte man sich die Hände waschen. Das Baden oder Schwimmen in betroffenen Gewässern sollte unterbleiben.

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