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Für die älteren Stammkunden packt Ralf Tangermann, Leiter des Wehrheimer Rewe, auch ausnahmsweise die Bestellung und fährt sie auf eigene Kosten aus. 

Corona-Krise im Taunus

Große Nachfrage nach Lebensmittel-Lieferangeboten

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Die Ausbreitung des Coronavirus versetzt auch den Lebensmittelhandel im Usinger Land in den Ausnahmezustand. 

Usingen – Die Aussagen der Regierung, dass es genügend Lebensmittel gibt, bestätigen die Lebensmittelhändler im Usinger Land auf Nachfrage dieser Zeitung. "Es kommt alles", sagt Jens Kauffmann vom Edeka in Neu-Anspach. Gleiches gelte für die Produkte von Aldi Süd, wie eine Pressesprecherin des Unternehmens bestätigte. Und auch Ralf Tangermann, Leiter des Rewe-Markts in Wehrheim, sieht wahrlich keine echten Engpässe auf die Branche zukommen, wohl aber ein verändertes Kundenverhalten.

Die Märkte seien nahezu ständig voll, inzwischen gibt es Beschränkungen, wie viele Kunden auf einmal in den Markt dürfen, um den Abstand zu wahren.

Lidl in Neu-Anspach lässt nur noch Kunden mit Einkaufswagen in den Markt und hat eine Kontrolle eingeführt, bei Aldi hingegen läuft alles wie immer. Oder zumindest fast alles.

"Während wir vor Corona in den Mittags -und Nachmittagstunden etwas mehr Ruhe hatten, müssen die Mitarbeiter nun non-stop durcharbeiten", schildert Tangermann. Bei Edeka sieht es nicht viel anders aus, und auch im Discounter können sich die Mitarbeiter nicht über Langeweile beschweren.

Usinger Land: Keine Kapazitäten für Online-Handel

Wie einfach wäre es da also, sich den ganzen Stress zu sparen und die Lebensmittel einfach online zu bestellen?

"Dafür habe ich bei 40 Mitarbeitern leider keine Kapazitäten mehr", sagt Kauffmann, der selbst ständig einen Zwölf-Stunden-Tag absolviert. Bei seinen Mitarbeitern achtet er hingegen darauf, dass sie nicht nur ihre Pausen einhalten, sondern auch zeitig nach Hause gehen, schließlich fangen alle bereits um 6 Uhr an zu arbeiten. Das Sortiment habe er ohnehin gestrafft, das habe etwas gedauert, "aber es gibt nicht nichts", betont Kauffmann.

Vielleicht sei mal die Lieblingsmarke nicht da, doch dann gebe es Ausweichmöglichkeiten. "Für unsere ganz treuen Stammkunden packen wir auch mal die Tüten und ich liefere sie dann nach Hause", sagt Tangermann. Normalerweise bietet der Wehrheimer Rewe keinen Lieferservice an, doch in diesen Zeiten mache er eine Ausnahme. "Alternativ gibt es ja auch noch die Einkaufshilfen."

Ganz anders sieht es da bei Jörg Aigner vom gleichnamigen Edeka-Lebensmittelgeschäft in Wehrheim aus. "Wir haben zwischen 50 und 70 Prozent mehr Auslieferungen", sagt Jörg Aigner. Geliefert hat er schon immer, doch die Zahl der Bestellungen hat immens zugenommen.

Einen rasanten Anstieg verzeichnet auch Uwe John vom Naturkostladen Momo in Usingen. "Ja sicher liefern wir", sagt John im Gespräch mit dieser Zeitung. Allerdings müssten die Kunden dafür anrufen, um ihre Bestellung aufzugeben.

"Dann kann man auch gleich klären, was da ist und was erst in der kommenden Woche wieder verfügbar ist", so John. Täglich fährt er die Auslieferungsrouten im gesamten Usinger Land und bis nach Maibach ab. Klar, dass heute bestellt und morgen geliefert nicht immer funktionieren kann. Auch Jörg Aigners Fahrzeug ist täglich im Einsatz, um das Apfeldorf nebst Ortsteilen zu versorgen. "Noch geht das, aber auch wir kommen womöglich irgendwann an unsere Grenze", sagt Jörg Aigner.

Usinger Land: Ansturm auf Toilettenpapier

Engpässe bei den Lieferungen gebe es im Grunde nicht. Allerdings seien die Lieferungen etwas weniger planbar als früher, berichten die Händler. Das sei in den vergangenen Tagen dem Stau an der Grenze geschuldet und der Tatsache, dass eben nicht mehr auswärts, sondern überwiegend lokal eingekauft werde. Aber, alles sei verfügbar, wenn auch das Toilettenpapier nach wie vor am schnellsten ausverkauft sei. 

Von Tatjana Seibt

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