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Die Usinger Asylunterkunft in der alten Klinik steht leer. Die letzten Bewohner zogen in neue Unterkünfte im Kreis um.

Neues Baugebiet

Alte Usinger Klinik ist geräumt - Geflüchtete suchen Wohnungen

Die Usinger Asylunterkunft in der alten Klinik steht leer. Die letzten Bewohner zogen in neue Unterkünfte im Kreis um.

Usingen - Zwischen Theorie und Praxis besteht bekanntlich nicht immer Einklang. Auf dem Papier betreibt der Hochtaunuskreis seit 1. Oktober 2018 eigentlich keine Gemeinschaftsunterkunft mehr in Usingen. Die ehemalige Klinik musste seit über vier Jahren als Unterkunft für Flüchtlinge dienen. Inzwischen wohnten dort nur noch etwa zehn Flüchtlinge, die aber bereits anerkannt sind - und die eigentlich längst eine eigene Wohnung hätten suchen und finden müssen. Denn mit dem Status als anerkannte Flüchtlinge stehen ihnen Sozialleistungen zu, aber eben keine Bleibe mehr in einer Unterkunft für Asylbewerber.

Alte Klinik geräumt

Gestern nun räumte der Kreis die alte Klinik endgültig, die verbliebenen Menschen wurden auf andere Unterkünfte verteilt. Kreis und Stadt hatten sich im vergangenen halben Jahr viel einfallen lassen, um private Vermieter zu finden, die Flüchtlinge aufnehmen. Die Stadt war sogar bereit für die Kaution und die Miete gerade zu stehen. Zwar gab es den einen oder anderen Vermieter, der bereit war, seine Bleibe abzugeben. Doch die vom Sozialamt vorgegebene Mietpreisobergrenze, ist in Usingen längst nicht mehr Realität.

So betonte der Kreis in einer Stellungnahme zum Auszug auch, dass in "besagtem Gebäude seit Oktober 2018 nur Personen mit einem Bleiberecht (Anerkannte) untergekommen sind, die zunächst noch keinen Wohnraum in Usingen und Umgebung finden konnten".

Kreissprecherin Andrea Nagell erklärt weiter, dass das Gebäude zum gestrigen Montag habe schließen müssen. Alle verbliebenen Bewohner hätten bis dahin das Gebäude zu verlassen. Noch gestern wurde die gesamte Klinik mit Zäunen hermetisch abgeriegelt, damit der Zutritt für Unbefugte nicht mehr möglich ist.

Wohnraum für Geflüchtete: Gebäude sichern

"Den verbliebenen Bewohnern wird zur Vermeidung der Obdachlosigkeit eine Unterbringungsalternative angeboten. Allen jetzigen Bewohnern ist seit Mai 2018 bekannt, dass die Hattsteiner Allee nicht über das Jahr 2018 hinaus als Gemeinschaftsunterkunft betrieben wird. Eine Räumung wird in Zusammenarbeit und Abstimmung mit der Stadt Usingen erfolgen", sagt Nagell. Das Thema Wohnraum für Flüchtlinge beschäftigt den Kreis und die Stadt aber weiter.

"Die Kreisverwaltung mit Kreisbeigeordneter Katrin Hechler appelliert an alle Vermieter - Privatpersonen, Wohnungsgesellschaften und Genossenschaften - den Menschen geeignete Wohnungen anzubieten und sie an anerkannte Flüchtlinge zu vermieten. Dabei sollte der oftmals nur für ein Jahr erteilte Aufenthaltstitel kein Hindernis sein. Die Befristung des Aufenthaltstitels hat grundsätzlich nur administrative Gründe. Das bedeutet nicht, dass die Menschen nach Ablauf der Frist aus der Wohnung ausziehen müssen", sagt Nagell.

Wer Wohnraum anbieten kann, soll sich an die Mail-Adresse auslaenderbehoerde@hochtaunuskreis.de wenden. Darüber können auch Infos abgefragt werden.

Von Andreas Burger

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