Wer unvermittelt einer Barrenringelnatter begegnet, könnte schon einen Schreck bekommen, denn das Reptil gehört zu den längsten heimischen Schlangen, die aber selten geworden sind. Foto: Saltenberger

Er traute seinen Augen nicht

Spaziergänger entdeckt in Usingen sehr seltene Schlange

Die Barrenringelnatter ist die größte hierzulande lebende Schlange, ist aber völlig ungefährlich. Lokal wird sie als gefährdet eingestuft, doch an der Usa fühlt sie sich offensichtlich wohl, denn ein Spaziergänger fand ein kapitales Exemplar.

Usingen - Schlangen führen die Liste der beleibtesten Tiere nicht gerade an, denn seit Adam und Eva haben sie einen eher schlechten Ruf und da sie sich meist lautlos durchs Gebüsch schleichen, mit gespaltener Zunge züngeln und manche auch noch sehr giftig sind, ist das mehr als verständlich.

Die Nattern sind eine Art der Kriechtiere, die in Mitteleuropa heimisch sind und die haben in Sagen und dem Volksglauben als Hausschlangen sogar einen guten Ruf. So sagte man den Nattern nach, Glück und Segen zu bringen und kleine Kinder sowie das Vieh zu beschützen. Noch heute gilt die Ringelnatter als Schutzpatronin der Bewohner des Spreewaldes.

Die Ringelnatter war einst auch hierzulande ein verbreitetes Reptil, hat sich aber in den vergangenen Jahrzehnten rar gemacht. Umso faszinierter war ein Spaziergänger aus Wernborn, der seinen Namen nicht verraten möchte, als er an der Usa entlang kam und im Gras der Uferzone ein ziemlich kapitales Exemplar eines Schlangentieres entdeckte. Beim näheren beobachten stellte er allerdings fest, dass das Tier verendet war und so konnte er es in aller Ruhe fotografieren.

Schlange entdeckt: An Barren erkennbar

Doch was war das für eine Schlange? Beim Recherchieren dieser Zeitung ergab sich, dass es sich um eine Barrenringelnatter handelte. Leicht identifizierbar ist diese Natter durch die barrenartigen schwarzen Streifen, die sich von der Bauchseite bis zum Rücken hinziehen. Nach Auskunft von Dr. Dr. Dieter Selzer, Leiter der Naturschutzbehörde, ist die Ringelnatter immer wieder in entsprechenden Lebensräumen des Usinger Landes anzutreffen. Auch die besonders große Barrenringelnatter, deren Weibchen eine Länge von bis zu zwei Metern erreichen können. Um solch ein stattliches Exemplar handelte es sich bei der Sichtung an der Usa. Wie Selzer weiter mitteilte, ist das Tier völlig ungefährlich und schon gar nicht giftig. Wenn man eine Ringelnatter sehe, solle man sie in Ruhe lassen und sich entfernen.

Die "normale" Ringelnatter (Nominatform) ist fast über ganz Europa verbreitet, und sie misst durchschnittlich 75 bis 110 Zentimeter. Die Barrenringelnatter dagegen ist weit weniger verbreitet und beschränkt sich dabei auf das östliche Frankreich, Österreich und die Schweiz, sowie das westliche Deutschland mit Teilen der Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Hessen sowie Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

Status: sehr gefährdet

Zu den Lebensräumen der Barrenringelnatter zählen lichte Laubwälder, Feuchtwiesen, naturnahe Weiher, alte Fischteiche, Bruchwälder und schilfreiche Uferzonen. Der Bestand an Barrenringelnattern gilt länderübergreifend nicht als gefährdet. Weil sie in Deutschland an den östlichen Rand ihres natürlichen Verbreitungsgebietes stößt, sei ihr Status hier dennoch als sehr gefährdet einzustufen, urteilen Fachleute.

Die Barrenringelnatter, wissenschaftlicher Name "Natrix natrix helvetica", erreicht mit etwa 4 bis 5 Jahren ihre Geschlechtsreife. Die Paarungszeit liegt nach der Winterruhe im April. Etwa 60 Tage nach der Verpaarung legt das Weibchen zwischen 10 bis 30 Eier ab, beispielsweise in oder unter alten Bäumen oder unter Laub. Bei günstigen Temperaturen schlüpfen im Hochsommer nach einer Brutzeit von rund 60 Tagen die Jungtiere. Die Barrenringelnatter ist tagaktiv. Zu ihrem Nahrungsspektrum gehören Fische, Frösche, Kröten, aber auch Nagetiere wie Mäuse, die ganz nach Schlangenart mit dem Kopf voran verschluckt werden. Zu den natürlichen Feinden dieser Natter gehören Füchse, Greifvögel, Wildschweine, Hauskatzen und marderartige Tiere. Möglicherweise ist das Exemplar an der Usa einem dieser Räuber zum Opfer gefallen, der es aber dann achtlos liegen ließ.

von Frank Saltenberger

Lesen Sie auch:

Die Invasion geht rasend schnell - Borkenkäfer sind wieder aktiv

Nach der Borkenkäferplage ist vor der Borkenkäferplage: Forstlich könnte der Taunus-Sommer 2019 seinen Vorgänger noch in den Schatten stellen. Die Uhr tickt. Ob die Förster die Katastrophe noch aufhalten können? Eine App könnte ihnen dabei helfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare