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Manch ein Vermieter greift zu dubiosen Tricks. 

Wohnungsnot

Sittenwidrig - Vermieter in Usingen bietet günstige Wohnung gegen Gartenarbeit an

Im Usinger Land bietet ein Vermieter eine günstige Wohnung an. Dafür müsste der Mieter dem Vermieter jedoch jede Woche den Garten machen. 

Usinger Land - Eigentlich ist die 23-jährige Büroangestellte aus Usingen finanziell auf der sicheren Seite. Sabine K. (Name der Redaktion bekannt) hat eine Vollzeitstelle in einem Büro und verdient im mittleren Segment. Also etwa 3000 Euro brutto. Nachdem nun ihre alte Wohnung gekündigt wurde, sucht sie für sich alleine 50 Quadratmeter, bis 700 Euro warm kann und würde sie bezahlen.

Seit November hat sie den Wohnungsmarkt in Usingen, Wehrheim und Neu-Anspach, also fast im gesamten Usinger Land, abgegrast, zahllose Besichtigungen im Rudel mitgemacht, sich oft mit Taschenlampen durch Kellerlöcher getastet, die als Single-Wohnungen angepriesen wurden, um im März entnervt aufzugeben. Denn Verwandte hatten sich gleich ein ganzes Haus gekauft und ihr dort eine Wohnung angeboten. Ihre Odyssee ist aber kein Einzelfall.

Wohnungen in Usingen spotteten jeder Beschreibung 

"Eigentlich habe ich gedacht, dass es schnell gehen müsste. Aber ich hatte als Alleinstehende keine Chance. Vor allem, weil ich schon gewisse Vorstellungen von einer Wohnung habe", sagt sie. Und dazu gehört etwa, dass Küche und/oder Bad wenigstens ein kleines Fenster haben. Dass fließendes Wasser nicht nur auf dem Kellerboden vorhanden ist. Dass der Strom auch funktioniert. Und die Tapeten nicht von den Wänden hängen. Die Bad-Armaturen ganz sind, die Fliesen sich einheitlich zeigen. Aber was die 23-Jährige in Usingen und Neu-Anspach als Wohnraum angeboten bekam, spottet jeder Beschreibung. "Dunkle Löcher, fensterlose Zimmer, Kellerräume. Wohnungen ohne Strom, kleine Löcher und ungedämmte Holzwände."

Wohnungssuche: Massenbesichtigungen sind Standard

Bei den Besichtigungsterminen war sie selten alleine, meist gab's Rudelführungen. "Ich kann mir vorstellen, dass bei den guten Wohnungen das Geld gezählt hat, also der Vermieter sich das höchste Angebot aussuchte", vermutet sie. Zu ihren "gehobenen Ansprüchen" zählte auch, dass bei den Besichtigungen der Vermieter einige Zahlen parat hatte. Zur Dämmung, Verbrauch Strom, Heizung und ähnliches. "Ich war ja schon froh, wenn deutsch gesprochen wurde. Meistens gab es solche Informationen nicht. Man wird schon schief angeschaut, wenn man solche Fragen hat."

Wussten Sie außerdem schon? In Frankfurt gibt es zahlreiche leerstehende Wohnungen*, nur wenige sind bekannt. 400 Adressen hat der Mieterbund Höchster Wohnen bislang gesammelt. Aber die Stadt hat keine Handhabe.

Wohnraum suchte auch der inzwischen nach Friedberg gezogene Frank Peters (Name geändert). Er hatte einen Job in einem Handwerksbetrieb in Neu-Anspach und pendelte täglich vom Raum Wiesbaden in den Hochtaunus. Fast ein Jahr hat er eine Wohnung gesucht, bis er den Job aufgab und sich in Friedberg was suchte.

Vermieter im Hochtaunus bietet Gartenarbeit gegen günstige Miete an

"Bei meinem Gehalt kann ich nicht mehr als 500 Euro ausgeben, 30 Quadratmeter hätten gereicht. Das beste Angebot waren 600 Euro für 25 Quadratmeter, und das auch nur, wenn ich dem Vermieter jede Woche den Garten gemacht hätte."

Er bestätigt den Eindruck der 23-jährigen Sabine: "Die Wohnungsnot wird gnadenlos ausgenutzt. Bei einer Besichtigung wurde ganz offen der Preis nach oben getrieben. Die letzte Besichtigung war in einer Art Scheune im Ort. Da hätte ich mir einen Teil ausbauen können, für 680 Euro kalt. Heizung und Wasser wären meine Sache gewesen." Er hat nach elf Monaten aufgegeben, die Fahrerei alleine hat den Verdienst aufgefressen.

Peters hat Dinge erlebt, die durchaus an den Rand der Straftatbestands heranreichen. "Einer Freundin von mir, die mit mir eine Wohnung besichtigt hat, wurde angeboten, die Miete zu halbieren, wenn sie ab und an den Vermieter empfängt."

Von Andreas Burger

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