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Der Startschuss für knapp 280 Läufer in Arnoldshain zum Weiltal-Landschaftsmarathon ist gefallen.

Laufsport im Usinger Land

So war der erste Weiltal-Wintermarathon „Lauf in den Frühling“

Eigentlich ist der Weiltal-Landschaftsmarathon in der Läufer-Szene als „Lauf in den Frühling“ bekannt. Zur 17. Auflage am gestrigen Sonntag zeigten sich die Starter unerschrocken und hartgesotten. Auch der letzte Neuschnee dieses Winters hielt sie nicht von der Teilnahme ab

Usinger Land - Schneebatzen, die beim einsetzenden Tauwetter von den Bäumen segeln und den Läufern ins Gesicht klatschen, das gab es wirklich noch nie beim Landschaftsmarathon im Weiltal. Die knapp 260 Läufer, die in Arnoldshain um 9.30 Uhr an den Start der 42,195 Kilometer Gesamtdistanz gingen, hatten auf den ersten Kilometern ein wahrlich besonderes Spektakel erlebt. Der wohl letzte Wintereinbruch der Saison stellte die Läufer zuhause vor die alles entscheidende Frage: „Was ziehe ich heute an?“

„Leichte Handschuhe und Mütze sind für mich heute selbstverständlich“, lautet die Antwort von Bettina Zenelji, die zusammen mit drei Trainingspartnern aus der Nähe von Wetzlar in den Taunus angereist ist. „Ansonsten gilt das Zwiebelschalenprinzip. Warm wird es uns beim Lauf ja ganz automatisch. Unterwegs stehen Freunde von uns an der Strecke, denen wir nicht mehr benötigte Kleidung in die Hand drücken werden.“

Thorsten Wunschiel (von links) und Franz von Schwichow statten sich bei Nina Eysholdt vom Naturpark-Organisations-Team mit dem benötigten Packmaterial für Kleidung aus.

Birgit Roos vom Organisations-Team des Landschaftsmarathons staunte nicht schlecht, als sie am Morgen die weiß verschneite Winterlandschaft im Weiltal sah. „Im vergangenen Jahr war es so heiß, dass an den Versorgungsstationen das Wasser knapp wurde, weil sich die Läufer die bereitstehenden Becher über den Kopf geschüttet hatten.“ Angesichts der Wetterlage hatte diesmal Hermine Link, die stellvertretende Geschäftsführerin des Naturpark Taunus, den Weiltalweg abgefahren und nach möglichen Gefahren Ausschau gehalten. „Sie hatte Säge und Heckenscheren mit dabei, um eventuelle durch Schneebruch entstehende Gefahren zu beseitigen. Die Strecke war perfekt gesichert“, sagt Roos. „Das sind alles Arbeiten, die im Hintergrund laufen, die niemand sieht.“

Direkt aus Mallorca

Für Starter Harald Lotz vom Team Naunheim stand die Teilnahme nie in Frage: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.“ Ultraläufer wie ihn kann kein Wetter der Welt schrecken. Der Weiltal-Marathon ist für ihn nur das Aufwärm-Programm für größere Herausforderungen in diesem Jahr. Lotz wird noch an fünf Ultraläufen teilnehmen – mit Distanzen zwischen 50 und 160 Kilometern. Für Carolin Stahl und Nils Bahlmann stand die Teilnahme nie zur Diskussion. „Wir sind im Westerwald doch Schnee gewohnt. Das bisschen Schnee hier schreckt uns nicht. Zudem ist das unser erster Marathon überhaupt. Wir haben uns gut vorbereitet, da kneift man doch nicht wegen dem Wetter“, sagt das Läufer-Duo bestens gelaunt vor dem Start.

Premiere: Erstmals müssen sich die Athleten durch eine Winterlandschaft kämpfen.

 

Auch Gerhard Bartoschek und Katja Wiedemann hatten ihren Saisonplan bei ebenso winterlichem Wetter im Dezember aufgestellt und bei ähnlichem Wetter mit dem Training begonnen. „Da springt man doch nicht ab, nur weil es einmal etwas kälter ist“, sagt Bartoschek, der bereits zum dritten Mal im Weiltal an den Start geht.Hubertus Kraus hat den Temperatursturz im Taunus noch krasser als die meisten anderen Läufer im Starterfeld erlebt. Der langjährige Moderator kam erst am Tag zuvor vom Triathlon-Training seines Vereins, der SG Frankfurt-Nied, aus Mallorca in Frankfurt an.

Urgesteine sind dabei

„Wer das Naturerlebnis eines Landschaftsmarathons schätzt, der wird sich von dem bisschen Schnee nicht abschrecken lassen“, sagt Kraus, der seit 2004 den Frankfurt-Marathon mit moderiert und als Einsatzleiter beim Ironman Frankfurt aktiv ist.

Bevor Landrat Ulrich Krebs (CDU) und Schmittens Bürgermeister Marcus Kinkel (parteilos) die Läufer auf die Strecke schicken, werden acht Läuferinnen und Läufer gewürdigt, da sie bereits bei der ersten Auflage vor 17 Jahren mit am Start waren. „Eigentlich laufe ich jeden Marathon nur einmal. Der Weiltal-Marathon ist der einzige, an dem ich regelmäßig teilnehme“, sagt Urgestein Sima Fern. Als Läuferin der ersten Stunde geht sie auch mit der Startnummer 1 ins Rennen. „Ich kenne kaum einen anderen Marathonlauf, bei dem sich die Organisatoren so engagiert um jede Kleinigkeit kümmern“, lobt sie.

von Matthias Pieren

Abnahme der Teilnehmerzahlen hat mehrere Gründe

Rund 260 Marathonläufer sind gestern in Arnoldshain zum 17. Landschaftsmarathon im Weiltal über die Gesamtdistanz über 42,195 Kilometer gestartet. Über 1000 Starter waren es bei der Premiere 2003. Doch sind die Zahlen nicht eins zu eins zu vergleichen, weil die Organisatoren im Laufe der Jahre den Charakter der Veranstaltung an die Wünsche der Läufer angepasst haben. Für den Halbmarathon ab Emmershausen waren demnach weitere rund 390 Teilnehmer gemeldet und 166 weitere Läufer nahmen die 12,5 Kilometer ab Weilmünster in Angriff. Macht zusammen knapp 820 Teilnehmer. „Die Teilnehmerzahlen sind bei allen Landschafts-Marathons rückläufig“, nennt dazu Naturpark-Geschäftsführer Uwe Hartmann im Gespräch mit dieser Zeitung einen möglichen Grund für das nachlassende Interesse. „Gleichzeitig boomen die Stadtmarathons, deren Teilnehmerzahlen seit Jahren steigen.“ Erschwerend kommt hinzu, dass zeitgleich auch der Feldberglauf von der Hohemark auf den Großen Feldberg ausgerichtet wurde. „Ein anderer Termin war im April nicht möglich. Am kommenden Wochenende ist Ostern, und am letzten April-Sonntag hat die Polizei wegen der Vorbereitungen für das 1.-Mai-Radrennen keine freien Kapazitäten“, begründet Birgit Roos vom Organisations-Team den frühen Termin.

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