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Ein Portalkran fährt am 140 Meter langen Schnellumbauzug entlang, der zwischen Wehrheimer und Hausener Bahnhof im Einsatz ist. Dort werden noch bis einschließlich Sonntag die Gleise erneuert. Fotos:

300 Meter Gleis pro Stunde

So werden auf der Taunusbahn die Gleise getauscht

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In den Herbstferien werden bei der Taunusbahn unter anderem zwischen Wehrheim und Hausen neue Gleise verlegt. Schienen, Schwellen und Schotter werden nach mehreren Jahrzehnten ausgetauscht. Und das passiert wie am Fließband, wie bei einem Ortstermin zu sehen ist.

Usingen - Eine riesige Maschine hebt die Schienen hoch. Die Schrauben, die Gleis und Schwelle verbinden, fliegen zur Seite. Dann kommt eine Kralle, die aus dem Schnellumbauzug herausfährt, zum Vorschein.

Sie hebt die morschen Holzschwellen mit Krachen aus dem Schotterbett, sie fahren auf einem Fließband auf das Dach des Zugs. Es entsteht ein Berg aus Schotter. 

Usingen: Neue Gleise für die Taunusbahn

Überall laufen Fließbänder durch den 140 Meter langen Schnellumbauzug. Die alten Holzschwellen werden gegen Betonschwellen ausgetauscht.

Danach wird das Gleisbett verdichtet. Dort, wo die alten bereits entfernt wurden, setzt man zeitgleich neue Schwellen aus Beton. Die geölten Schrauben zieht eine Arbeitskolonne fest, die dem Zug mit Abstand folgt. Ein Kran, der sich auf der Maschine hin und her bewegt, liefert die neuen Schwellen an. Zum Schluss liegen die Schienen auf den neuen Schwellen. Das heißt: Der vordere Teil dieses Zuges fährt auf den alten Schwellen, der hintere schon auf den neuen. Der Portalkran bringt die neuen Schwellen, 1600 Stück lagern am vorderen Zugteil. Die Maschine bewältigt so 300 Meter pro Stunde.
Es sieht so aus als ob diese 140 Meter lange und (leer) 300 Tonnen schwere Schnellumbauzug sowie die vier Baulokomotiven das Gleisbett zwischen Wehrheim und Hausen komplett selbstständig erneuern. Doch weit gefehlt. In jedem Abschnitt und an jeder Maschine arbeiten Menschen. Nur die Fließbänder mit alten und neuen Schwellen fahren von selbst - mit Steuermann natürlich. Die Gleisbauarbeiter lösen insgesamt 40 000 Schrauben aus. In Höhe von jeder zehnten Schwelle wird unter der Maschine eine Schraube von Hand gelöst. Danach erst kommt die Maschine ins Spiel. Am Ende sollen 10 000 Tonnen Schotter verbaut und 7000 Schwellen ausgetauscht worden sein.

Schienen aus den 90er Jahren

Projektleiter Florian Bauer von der Firma Spitzke SE erklärt, wie genau die neuen Gleise zwischen Wehrheim und Hausen verlegt werden.

Seit dem Beginn der Herbstferien vor rund einer Woche und noch bis einschließlich Sonntagnacht erneuert der VHT die Gleise zwischen Wehrheim und Hausen, am Bahnhof Wilhelmsdorf und zwischen Hasselborn und Brandoberndorf. Letzterer ist mit 3,3 Kilometern auch der längste Streckenabschnitt. Zwischen Wehrheim und Hausen sind es nur 270 Meter. Alle Schienen und Schwellen sind noch aus den 90er Jahren, zum Teil sogar noch älter.
Die Kosten der Baumaßnahme belaufen sich auf rund drei Millionen Euro, bezuschusst durch Fördermittel des Landes Hessen. Das sei eine Premiere, so Landrat Ulrich Krebs (CDU), "und dieses Geld kommt aus dem Mobilitätsfördergesetz."

Diese Instandhaltung hat noch nichts mit der Elektrifizierung der Taunusbahn zu tun, betont Krebs beim Ortstermin unweit des Bahnübergangs Hauptstraße/An der Eisenbahn in Hausen. Zur Elektrifizierung soll es aber - nach dem Auftakt in Wehrheim - weitere Info-Veranstaltungen geben und zwar im November in Usingen und in Hundstadt, kündigte Krebs an.

"Die neuen Betonschwellen halten 30 bis 40 Jahre", sagt Projektleiter Florian Bauer von der ausführenden Firma Spitzke SE. Und auch alte Beton-Schwellen landen nicht gleich auf dem Müll, sondern werden für den Bau neuer verwendet, so Bauer.

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