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Am Samstag machten sich auch in Usingen rund 30 Radfahrer auf den Weg zur zentralen Demonstration vor der IAA in Frankfurt. Unterwegs gesellten sich immer mehr Umweltaktivisten dazu. 

Hochtaunus

Mit dem Rad gegen die IAA – "Teil eines Großen und Ganzen sein"

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Aus gleich zwölf Himmelsrichtungen strömten am Samstag Tausende Demonstranten mit dem Fahrrad zur IAA nach Frankfurt. Auch in Usingen startete eine Gruppe, die über Bad Homburg und Oberursel die Auto-Messe ansteuerte.

Hochtaunus – Teil einer großen Bewegung sein, das motiviert viele Menschen zur Teilnahme an Demonstrationen. Am Samstag wurden permanent aktuelle Berichterstattungen und Fernsehbilder über Radio, via Hessenschau und andere TV-Nachrichtensendungen aus Frankfurt von der Großdemonstration gegen den "Auto-Wahn" übertragen. Die 25 000 Teilnehmer, die nach Angaben der Organisatoren auf Autobahn-Zubringern, in der City und vor der Messe den Verkehr teilweise lahmlegten, bildeten eine beeindruckende Masse.

Die Meinung der Demonstranten wurde aufgrund der Anzahl der Demo-Teilnehmer medial bundesweit gehört. Und das war nur möglich, weil sich auch Menschen aus dem Hochtaunuskreis der Sternfahrt anschlossen. In Usingen starteten 35 Radler, die von Polizei-Motorrädern eskortiert sich auf den Weg über die Saalburg machten.

ADFC organisiert Hauptroute

Auf dem Weg zum Messegelände schlossen sich unterwegs hunderte anderer Menschen an, die für eine andere Verkehrspolitik Flagge zeigen wollten. Organisiert wurde die Hauptroute aus dem Hochtaunuskreis von Thorsten Fogelberg, einem aktiven ADFC-Mitglied aus Bad Homburg. Er war auch der Tourenleiter ab Usingen.

Eine solche Großdemonstration auch logistisch auf die Beine stellen zu können erfordert Erfahrung. Und die hat der kaufmännische Angestellte. Einen Namen gemacht hat er sich als Organisator der "Critical Mass"-Demos in Bad Homburg. Deshalb wurde er auch von den Hauptorganisatoren der Rad-Demo angesprochen.

"Die Fahrtroute auf Land- und Bundesstraßen wurde in Abstimmung mit der Polizeidirektion Hochtaunus geplant und auch während der Fahrt abgesichert", berichtet Fogelberg. "Ralf Gandenberger vom ADFC Hochtaunus führte den immer größer werdenden Zug von vorne, der verkehrspolitische Sprecher des ADFC Patrik Schneider-Ludorff fuhr am Ende und ich pendelte als freie Zugleitung hin und her und war Ansprechpartner der Polizei."

Nach Wehrheim war der Zug auf 77 Teilnehmer angewachsen. Auf der Landstraße durch das Köpperner Tal rollte die von der Polizei eskortierte Gruppe nach Köppern und Friedrichsdorf. Bereits 150 Radler erreichten Bad Homburg, wo sich die Demonstranten am Heuchelheimer Platz stärkten.

Mit bereits 400 Radlern rollte die größer gewordene Truppe über gesperrte und von der Polizei abgesicherte Straßen nach Oberursel und Steinbach, von wo aus 800 Teilnehmer gen Frankfurt strömten. "Als wir an der Messe eintrafen, waren wir weit über 1000 Radler. Dort vereinigten wir uns mit der Sternfahrt aus Mainz und Wiesbaden."

Danke an die Polizei

Unterwegs standen Fogelberg, Gandenberger und Schneider-Ludorff stets im Telefonkontakt - ebenso mit der Polizei und den Organisatoren in Frankfurt. "Mein ganz besonderer Dank gehört der guten Zusammenarbeit mit dem Team um Oliver Link, dem Leiter der Verkehrspolizei im Hochtaunuskreis", sagt Fogelberg. "Die Zusammenarbeit im Vorfeld und während der Sternfahrt hat perfekt geklappt. Das war kein Gegeneinander, sondern ein ganz tolles Miteinander zwischen Demonstrationsleitung und der Polizei. Es gab keine Störungen, diese Großveranstaltung konnten wir gut über die Bühne bringen", sagt Fogelberg.

Erschöpft und hochzufrieden beendete er den Samstagabend. Den ganzen Tag hatten er und seine beiden Mitorganisatoren hoch konzentriert auf Hab-Acht-Stellung verbracht. Dadurch konnten die Teilnehmer der Sternfahrt - wie etwa die Familie Holzbach-Eberle aus Usingen, aber auch das Ehepaar Grothe, die in dreitägiger Anfahrt aus Mettmann in Nordrhein-Westfalen zum Start nach Usingen geradelt waren - die Rad-Demonstration aus dem Hochtaunuskreis nach Frankfurt in vollen Zügen genießen.

Drei Tage lang sind Susanne (45) und Thomas (51) Grothe von Mettmann in Nordrhein-Westfalen nach Usingen geradelt, um am Samstag von dort aus sich der Sternfahrt der großen IAA-Fahrrad-Demonstration anzuschließen.

„Die Gruppe wurde ja immer größer“

“Die Fröhlichkeit und der Austausch mit anderen Teilnehmern unterwegs beim Radfahren auf abgesperrten Straßen war unglaublich", sagt Thomas Grothe am Sonntagvormittag rückblickend im Telefongespräch mit dieser Zeitung. "Die Gruppe wurde ja immer größer und das erforderte von den Organisatoren eine unglaubliche Abstimmung. Das war mir vorher überhaupt nicht bewusst."

Interessant und vielsagend seien für ihn die sich ändernden Eindrücke gewesen, die er unterwegs von Passanten erlebte. In den Dörfern und den ländlichen Teilen des Hochtaunuskreises hätten Passanten herzlich gegrüßt und applaudiert. Autofahrer haben an abgesperrten Querstraßen die Daumen hochgestreckt.

"Als die Gruppe immer größer wurde, kippte die Stimmung immer mehr. Je größer die Städte wurden und je näher wir Frankfurt kamen, desto weniger Verständnis hatten wartende Autofahrer", sagt Grothe. Die Ordner hätten mit zunehmend aggressiven Autofahrern zu tun gehabt - und das nur, weil einmal die Radfahrer Vorrang haben und Autofahrer warten mussten.

"Für mich war klar, dass ich mit nach Frankfurt auf die Demo fahre", sagt der 21-jährige Sebastian Eberle aus Usingen. "Ich wollte ein Zeichen setzen gegen die große Macht der Autolobby. Es macht Spaß Teil eines Großen und Ganzen zu sein." Seine Eltern ärgern sich schon seit Jahren über die IAA.

"Da werden immer teurere und schwere Autos präsentiert, die eigentlich am Bedarf vorbeigehen. Egal, was dort ausgestellt, bestaunt und angepriesen wird, es kann sich doch keine Durchschnitts-Familie leisten", sagt Ulrike Holzbach-Eberle. "Die Folgen dieses Trends sind für Fußgänger und Fahrradfahrer verheerend." 

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Zur IAA 2019 in Frankfurt wird wieder über das Thema Auto diskutiert. FDP-Chef Christian Lindner verlangt eine Versachlichung der Debatte.

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