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Pfarrerin Kerstin Steinmetz erläutert am Ort des Geschehens, was sich im Kirchturm in Eschbach tun soll - neue Glocken sollen einen besseren Klang bringen. Und eine Sanierung steht auch an.

Kostspieliges Projekt

Kirchengemeinde in Eschbach muss sanieren – Neue Glocke las Wunsch

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Der Turm der Kirche in Usingen-Eschbach wird saniert. Für schöneres Geläut sollen Bronzeglocken sorgen. 

Usingen – Steht man in Eschbach 30 Meter von der evangelischen Kirche entfernt, sieht das Bauwerk eigentlich noch recht ordentlich aus. Eine Annäherung allerdings zeigt deutlich, dass der Zahn der Zeit am Bauwerk genagt hat. Risse im Putz, an einigen Stellen komplett aufgeplatzt, an den Fenstern blättert die Farbe ab, der Sandstein ist unschön geworden und von Moos überwuchert.

Doch diese Baustelle hat Pfarrerin Kerstin Steinmetz mit ihrem Kirchenvorstand noch lang nicht im Blick. Viel wichtiger ist die Turmsanierung. Und genau dafür sind derzeit die meisten Kollekten bestimmt. Denn die ursprüngliche Kostenplanung von rund 800 000 Euro ist überholt, nachdem die Sanierung bereits um einige Jahre geschoben wurde, anvisiert ist nun ein Baubeginn im Frühjahr 2021. Und die Kirche rechnet inzwischen mit Kosten von 1 Million Euro. Im Gegensatz zur damaligen Sanierung der evangelischen Kirche in Usingen, bei der erst bei der Renovierung viele Schäden zutage traten, erwartet Steinmetz in Eschbach keine Überraschungen. "Wir haben die Schäden begutachten lassen und konnten alles sehen. Deshalb rechnen wir nicht damit, dass Zusatzkosten entstehen."

Eine Million für den Turm

Vor allem das Mauerwerk im Turm muss gemacht werden, später kommen noch Putzarbeiten, Treppen und der Sandstein dran. Hier redet man aber bereits von einem zweiten Bauabschnitt in vielleicht zehn Jahren.

Die Landeskirche gibt 80 Prozent, also rund 200 000 Euro wird die Gemeinde selbst stemmen. Geld, das teils über die Jahre als Rücklage gebildet wurde. Aber dennoch ist Steinmetz über jeden Euro froh, der in die Kasse kommt.

Aber eigentlich liegt ihr noch etwas ganz anderes am Herzen. Genauer: Vier Dinge liegen dort. Die Rede ist von den Glocken hoch oben im Turm. Denn diese sind aus Stahl. Und ihr Klang ist entsprechend. Laut, wenig harmonisch, und sie halten den Ton nur kurz. Das war nicht immer so. Schon 1842, als die alte Kirche abgebrochen worden war, hatten drei Bronzeglocken den Ton angegeben. Der damalige musikalische Schultheiß Johann Anton Schmidt aber fand deren Klang wenig erbauend und ließ neue gießen. Davon war eine beim Trauergeläut für Kaiser Friedrich III. so von dessen Tod betroffen, dass sie just beim Läuten zersprang. Sie wurde aber ersetzt. Bis der Erste Weltkrieg kam und die Rüstung die meisten Glocken in Kanonen umschmolz. So kamen dann nach dem Krieg die Stahlglocken in die Höhe, denn die wirtschaftliche Lage ließ teure Glocken nicht zu.

Spenden und Aktionen

Nun hat Steinmetz die Glocken untersuchen lassen. Klar könnten sie noch einige hundert Jahre im Turm läuten, aber die klangliche Qualität gibt einigen in der Kirchengemeinde zu denken. So zu denken, dass sie sogar einen Freundeskreis Eschbacher Glocken gegründet haben.

Nun ist die ganze Aktion in der Gemeinde nicht unumstritten. Die eine Fraktion will kein Geld für Glocken ausgeben, sondern für die Renovierung, die andere hofft auf ein schöneres Geläut.

Steinmetz hat, ganz Seelsorgerin, eine Art Kompromiss gefunden. Von den Rücklagen wird kein Cent für die neuen Glocken ausgegeben, die Finanzierung läuft über Spenden und Aktionen.

Nur: Die Zeit drängt. Denn die Renovierung des Turms soll 2021 über die Bühne gehen, und dann steht ja sowieso ein Gerüst. Und das wäre dann ja schon mal da, um die neuen Glocken (neben einem Kran) in den Turm zu bekommen. Und gegossen werden müssten sie ja auch noch - übrigens bei Rinker in Sinn, einer der letzten Glockengießereien Deutschlands.

Nun gibt die evangelische Landeskirche einen zinslosen Kredit von 200 000 Euro. Denn für Glocken - dafür gibt's keinen Zuschuss. Rückzahlbar in 15 Jahren. Ein durchaus mutiger Plan für die Kirchengemeinde mit rund 1300 Mitgliedern aus Eschbach, Michelbach und Wernborn.

Deshalb will Steinmetz mit dem Freundeskreis etwas Schwung in die Finanzierung bekommen und hofft, dass sich noch viele Eschbacher anschließen. Egal, ob von der Kirchengemeinde oder aus dem Ort. Denn das Geläut ist ja für alle da.

Dass die Renovierung und die Glocken gemeinsam angegangen werden, hat auch noch einen anderen Grund neben dem dann stehenden Gerüst. "Wir wissen alle, dass die Kirchenmitglieder-Zahlen sinken. Und damit auch die Kirchensteuer. Wenn wir noch viel länger warten, glaube ich nicht, dass ein solcher Plan dann noch umgesetzt werden kann."

Ersetzt werden müssten übrigens nur drei Glocken - theoretisch. Denn die kleinste im Turm - auch liebevoll Glöcksche genannt - gehört eigentlich der weltlichen Gemeinde und diente der Warnung vor Gefahren wie Feuer, Feind oder für die Vorbereitung auf Neuigkeiten. Doch Steinmetz würde auch diese gerne ins Geläut einbinden. Denn: "Seit über 1000 Jahren ist das Glockenläuten ein Ausdruck unserer abendländischen Kultur. Damit sind große Meilensteine unserer Kulturgeschichte verbunden: die Reformation des Mittelalters, die Aufklärung als Förderer der Neuzeit, der Demokratisierung der Gesellschaft und ein Wertekanon, der das Zusammenleben in unserer Gesellschaft bestimmt", sagt sie. Glocken seien ein sichtbares und hörbares Symbol für einen gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dass die Glocken keinen guten Klang haben, das wurde von Fachleuten bestätigt. Normalerweise sind jeder Glocke sieben Töne beim einem Anschlag zu eigen, die gut aufeinander abgestimmt sind, so denn der Glockenbauer sein Handwerk versteht. Die Stahlglocken bieten solche Feinheiten nicht. Man könnte sagen: Es ist der Unterschied zwischen der Kirchenorgel aus dem Mainzer Dom von Johannes Klais und Emanuel Kemper und einer Hammond-Orgel. Von daher würde das Eschbacher Geläut das große Weihnachtsläuten im Taunus dann durchaus gut ergänzen.

Von Andreas Burger 

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