Feuerwerk (Symbolbild)
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Feuerwerk (Symbolbild)

500 Euro Strafe

23-Jähriger hortet Pyrotechnik in Übermaß

  • vonAlexander Schneider
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Der Umgang mit Feuerwerkskörpern ist gefährlich. Nicht umsonst brauchen Böller in Deutschland auch amtliche Prüfsiegel. Und damit handeln darf auch nicht jeder. Ein junger Wehrheimer dürfte das jetzt auch verstanden haben.

500 Euro muss ein 23-jähriger Wehrheimer an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen, dafür klappt das Bad Homburger Jugendgericht in seiner Sache die Akte zu. Fall erledigt.

Dem jungen Mann war unerlaubter Umgang mit pyrotechnischem Material vorgeworfen worden. Konkret ging es darum, dass er im Keller seines Elternhauses Silvesterknaller im Übermaß gehortet hat. Und nicht nur Knaller, auch Signalraketen, die dafür gedacht waren, Hilfe herbei zu holen wenn man in Seenot geraten ist. Die Gefahr von maritimen Unfällen war im Keller des wohl nicht im Überschwemmungsgebiet des Erlenbachs liegenden Hauses, so die Vermutung der Richterin, zu vernachlässigen. Vielmehr, und das hatte der junge Mann schon bei der ersten Verhandlung eingeräumt, waren die Signalraketen und Knaller mit den klangvollen Handelsbezeichnungen „Mister Smoke“, „Mister Light“ und „La Bomba“ zum Verkauf an Kumpels gedacht. Der Schuss war aber nach hinten losgegangen, denn der Absatz stockte. Die Besteller annullierten die Aufträge und der Wehrheimer blieb auf dem ganzen Sammelsurium sitzen. Dumme Sache, denn die 2764 Teile hatten 2000 Euro gekostet. Eigentlich will er sie ja nur deshalb im Internet besorgt haben, weil er als einziger der damaligen Clique eine Kreditkarte hatte. Das war 2010.

Ein geplatzter Internetverkauf eines Teils der Ware an einen 14-jährigen Buben aus dem Bayerischen ließ die Sache dann auffliegen: Am 17. Juni 2014 klingelte die Polizei beim Angeklagten daheim: Hausdurchsuchung. Die Beamten staunten nicht schlecht über das, was da so alles im Keller lag. Das vorgefundene Silvesterfeuerwerk ging weit über die haushaltsübliche Menge hinaus.

Das führte die Ermittler rasch zu der Frage: Durfte der junge Mann das? Zumindest teilweise – das ergab gestern vor Gericht die Befragung eines Sprengstoffexperten des Landeskriminalamtes – durfte er es nicht. Teils, so der Gutachter, hatten die Knallkörper eine Zulassung. Ohne Genehmigung zum Umgang damit ist die aber keinen Schuss Pulver wert. Der Wehrheimer hatte keine. Es waren auch Böller ohne Zulassung des Bundesamtes für Materialforschung und -prüfung dabei.

Der Verteidiger hatte nicht mit einer Einstellung gerechnet. Dabei war ein Teil der Anklage – der ungenehmigte Handel mit nicht zugelassenem pyrotechnischen Material – bereits vom Tisch. Schließlich war es nicht zum Verkauf gekommen, „weil keiner das Zeug haben wollte“, so die Richterin.

Um seinen Mandanten möglichst unbeschadet herauszupauken, war der Advokat tief ins EU-Recht eingestiegen. Der laut dem LKA-Gutachter als nicht zugelassen deklarierte Teil des Munitionsdepots sei möglicherweise doch zugelassen. Und ohne Genehmigung wär’s dann nur noch eine Ordnungswidrigkeit und keine Straftat mehr. Der Verteidiger hatte herausgefunden, dass die Böller in Polen mit amtlichem Segen abgefeuert werden dürfen. Und da Polen in der EU ist und Länderrecht von Mitgliedsstaaten gemäß den Verträgen von Lissabon für alle anderen Länder auch gelte . . . Diese Karte musste der Verteidiger dann aber doch nicht mehr ziehen. Mit dem Angebot der Verfahrenseinstellung konnten er und der Wehrheimer gut leben, auch mit den 500 Euro Geldbuße. Dabei ist das Lehrgeld, das der junge Mann zahlen muss, eigentlich noch erheblich höher, bleiben die 2000 Euro, mit denen er die Knaller gekauft hat, doch wohl auch an ihm hängen.

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