Los geht's: Karsten Valentin nimmt den Abriss unter Anleitung von Tobias Ernst von der Firma Moses vor.
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Los geht's: Karsten Valentin nimmt den Abriss unter Anleitung von Tobias Ernst von der Firma Moses vor.

Letztes Krankenhaus-Kapitel in Usingen beginnt

Abriss macht Weg für insgesamt 220 Wohnungen frei. Viele haben persönliche Bindungen.

Anwohner sollen so wenig wie möglich gestört werden

Usingen -Das Stadtzentrum Usingens nimmt - zumindest in einem Teilbereich - ein anderes Gesicht an. Am Donnerstag fiel der Startschuss für die Abrissarbeiten auf dem Areal des alten Krankenhauses, später wird auch noch der Abbruch der Konrad-Lorenz-Schule folgen. Für einige der passende Moment, um noch einmal in Erinnerungen zu schwelgen.

Auch wenn eine Menge Staub und Geröll zu erwarten ist: Das oberste Ziel der Organisatoren ist es, möglichst wenig Belästigung für die Nachbarschaft zu erzeugen. Nach den nötigen Vorarbeiten in der laufenden Woche setzt die Usinger Firma Moses nun schweres Gerät ein. Zum Auftakt der Arbeiten durfte Carsten Valentin, Geschäftsführer der Gemeinnützigen Wohnungsbau Hochtaunus, in der Baggerkanzel Platz nehmen und unter Anleitung von Tobias Ernst vom Unternehmen Moses die Baggerschaufel im Gemäuer des früheren Pförtner- und Bedienstetenhauses versenken.

Erste Mieter sollen Ende 2022 einziehen

Damit beginnt das letzte Kapitel des Areals, auf dem von 1912 bis 2014 - seitdem ist das neue Usinger Krankenhaus in Betrieb - kranke Menschen betreut wurden. Aber nicht nur das. So nutzt Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) in den vergangenen Tagen die Gelegenheit, um sich noch einmal in dem Zimmer umzusehen, in dem er geboren wurde. "Dieses Haus wird für viele Menschen aus dem Usinger Land mit guten, aber auch schlechten Erinnerungen verbunden bleiben", war er sich sicher.

Zwei Herzen schlügen in seiner Brust: Das des hier Geborenen, aber auch das des Bürgermeisters und nebenamtlichen Geschäftsführers der Wohnungsbau. Denn schließlich sollen hier bis Ende 2023 - dem Ende des vierten und letzten Bauabschnittes - 220 Wohnungen entstehen, 56 davon als bezahlbarer Wohnraum mit zumindest für die nächsten Jahren Preisen von unter zehn Euro pro Quadratmeter.

Vor gut sieben Jahren habe die Stadt mit der Rahmenplanung begonnen, auch eine Ausschreibung unter Bürgerbeteiligung vorgenommen und dabei mit der Projektgesellschaft Horn einen überzeugenden und zielorientierten Partner gefunden. Der habe mit einem modernen Zuschnitt der Wohnungen und schließlich auch mit der Idee einer Tiefgarage gepunktet, die den ruhenden Verkehr aus der Stadt heraushalten soll.

Chef Günter Horn nannte ehrgeizige Ziele. So sollen alle Rohbauten mit Ausnahme des Baufelds in der Konrad-Lorenz-Schule bis Mitte nächsten Jahres stehen, die ersten Mieter könnten Ende 2022 einziehen. Die Eile sei auch deswegen geboten, weil die Baupreise immer weiter in die Höhe schössen. Der letzte Bauabschnitt soll dann Ende 2023 abgeschlossen werden.

Doch schon die Abbrucharbeiten stellten sich als sehr anspruchsvoll dar. "Es gibt hier vor allem im neuen Trakt des Krankenhauses viel Stahlbeton". sagte Horn. Doch die Käufer der hier entstehenden Wohnungen stehen schon Schlange. Für die Bauabschnitte 1 bis 3, wo drei Viertel der Wohnungen entstehen, seien bereits jetzt 85 Prozent verkauft.

"Usingen erhält damit ein neues Gesicht", zeigte sich auch Landrat Ulrich Krebs (CDU) von dem Projekt überzeugt. Er erinnerte daran, dass die Usinger Krankenhäuser im Laufe der Jahrhunderte immer vom Stadtzentrum an den Stadtrand umgezogen seien. Auch diesmal, so dass nun Platz für Neues geschaffen werden könne.

Erinnerungen des letzten Ärztlichen Direktors

Doch zurück zu den Erinnerungen: Einen geschichtlichen Abriss über die beeindruckend lange Zeit Usinger Krankenpflege gab Peter Oldorf wieder. Er war der letzte Ärztliche Direktor, der in dem Gebäude seinen Dienst versah.

So ging Oldorf nicht nur auf die Anfänge mit einem Hospital der Beginen ein, sondern auch auf den Vorgängerbau des nun abbruchreifen Hauses in der heutigen Hospitalstraße. Seine persönlichste Erinnerung ist jene, als er seine in den Wehen liegende Frau unter hohem Zeitdruck in eben dieses Gebäude gefahren habe, um kurz darauf seinen jüngsten Sohn in die Arme nehmen zu dürfen. von thomas kopp

Vor dem denkwürdigen Moment (von links): Landrat Ulrich Krebs, Karsten Valentin (Geschäftsführer Wohnungsbaugesellschaft), Stephan Wetzel (SPD-Kreistagsfraktionschef), Matthias Drexelius (Ex-Bürgermeister und Direktor Hessischer Landkreistag), Bürgermeister Steffen Wernard sowie der letzte Ärztliche Direktor des alten Krankenhauses Peter Oldorf.

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