Oldtimer der Landwirtschaft

Mit acht PS zum Treckertreff getuckert

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Wo geht es denn hier zum Treckertreff? Das musste am Wochenende niemand fragen. Zum größten Stelldichein der Oldtimer-Traktoren in der Region brauchte man auf den Straßen im Usinger Land nur dem Tuckern der Dieselmotoren zu folgen.

Dass die Bulldogs gelegentlich den Verkehrsfluss rund um den Hessenpark hemmten, nahmen die meisten Wochenendausflügler mit Gelassenheit. Im Freilichtmuseum Hessenpark standen dann die Schmuckstücke, frisch geputzt nebeneinander. Auf jedem freien Plätzchen zwischen den Häusern der vorderen Baugruppen parkten sie im Museumsdorf.

Zwei Teilnehmer aus Lindau am Bodensee und ein Österreicher aus dem Vorarlberg waren seit Mittwoch unterwegs, um mit ihren Schätzchen hierher zu kommen. Denn Autobahnen und Kraftfahrstraßen sind tabu, das macht auch den Einsatz von Navigationsgeräten sinnlos. An beiden Tagen hatten 330 Traktoren und Unimogs den Weg zum Hessenpark gefunden. „Nur 2013 waren es mehr, da hatten wir 348 Fahrzeuge“, erinnert sich Cheforganisator Lothar Veidt. Er ist zwar in Rente, doch er hatte vor 16 Jahren die Idee, landwirtschaftliche Zugmaschinen, die 25 Jahre alt sind, zu einer großen Schau ins lebendige Museum zu holen.

Ein bisschen stolz ist er schon, dass die Veranstaltung, die damals mit 38 Fahrzeugen startete so ein Anziehungspunkt geworden- und seine Erfahrung für dieses Wochenende wieder gefragt ist. Spaß hat er natürlich auch, wenn er im ursprünglichen Zustand belassene Raritäten neben liebevoll restaurierten Landmaschinen bestaunen und mit den Eigentümern fachsimpeln kann.

Einer von ihnen war Wolfgang Kötter, der seine nur acht PS starke BOB-Zugmaschine vorstellte. Die läuft noch, aber nur maximal 16 Kilometer pro Stunde und hat eine interessante Geschichte: Aus dem Jahr 1933 stammt die Baugenehmigung des Kraftfahrzeugbundesamtes, gebaut wurde das Gefährt dann 1936, und 1937 erwarb sie die Firma Landefeld. Die veräußerte das Unikum 1952 an Kötters Vorbesitzer in Friedrichsdorf. Der baute das Teil zu einem kleinen fahrbaren Sägewerk um und war damit drei Jahre lang bis nach Dorfweil unterwegs.

Seit 1955 stand es in einer Scheune, keiner wollte das Ding, nicht mal ein Schrotthändler, weil es innen noch heute aus Holz besteht. Kötter hat fast alles so gelassen wie es war, kein blitzender Chrom, stattdessen stumpfe Außenbleche und zerschlissene Bespannung.

Den Pokal für die weiteste Anreise per eigener Achse bekam Walter Hollenstein, der mit seinem Steyer aus Lustenau in Österreich Lustenau genau 568 Kilometer hinter sich hatte. Die Vereine mit den meisten Teilnehmern kamen natürlich aus der näheren Umgebung. Mit 28 Fahrzeugen war der Club der Freunde alter Traktoren und Landmaschinen aus Friedrichsdorf mit von der Partie, mit 24 Traktoren der Verein Historische Landbearbeitung Hochtaunus und mit 17 Zugmaschinen waren die vereinslosen Treckerfreunde Niedereschbach/Seulberg vorgefahren. Mitarbeiter des Museums begutachteten Zustand, Alter und Originalität der Modelle um die besten zu küren. Schönster Traktor im Originalzustand war der von Hartmund Müller, ein Bautz mit gerade einmal 12 PS. Einen Pokal erhielten auch Heinrich Erkel für seinen Hürlimann 1964, Michael Grimm für seinen Deutz 1934, Dirk Meuser für seinen Deutz 1963, Thomas Brack für seinen Güldner G25 und Axel Neugebauer für seinen Güldner G40 Allrad.

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