Licht und Ton

Alles eine Frage der Technik

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Während unten im Saal die Stimmung tobt und die Akteure auf der närrischen Bühne den verdienten Applaus einheimsen, sind sie die stillen Stars jeder Fastnachtssitzung – die Rede ist von den Akteuren der Bühnentechnik. Ohne sie geht nichts. Wir durften dem Team in Mönstadt mal über die Schulter und aufs Mischpult schauen.

Upps, na das fängt ja gut an. Kaum haben sich die „Prosecco-Lerchen“, die neue Mönstädter Tanzgarde, für ihren Auftritt zum Auftakt der Fremdensitzung aufgestellt, ertönt auch schon die Musik. Zu früh! Im Saal scheint das kaum einer mitbekommen zu haben, in der Technik aber schon.

Jochen Bugs, Siggi Veit, Rainer Fritsche wie auch Leon und Victor Veit zucken zusammen. Kann passieren, sollte aber nicht. Schließlich sind außer Leon und Victor alle in der Technik irgendwie vom Fach. Jochen Bugs ist Diskjockey. Von ihm stammt das Equipment. Siggi Veit hat ebenfalls Erfahrungen als DJ, und Rainer Fritsche ist Musiker. Die beiden Jungs wachsen jetzt allmählich in das „Geschäft“ hinein. Schließlich gehört dazu mehr als nur das Drücken einiger Knöpfe.

Allein für den Aufbau geht schon der Tag vor der Sitzung drauf. Da werden Kabel gezogen, Lautsprecher verkabelt und auch die Umkleidekabine der Akteure mit Bildschirm und Live-Bild aus dem Saal versehen. Die Tänzer und Büttenredner müssen ja wissen, wann sie dran sind. Das Mischpult und das Lichtsteuerpult wurden ebenfalls angeschlossen, die Mikrofone aufgebaut und alles streng nach DMX512-Technik abgestimmt. Das mit den Mikrofonen sei nicht zu unterschätzen, betont Jochen Bugs. „Da darf nichts durch die Bewegungen übertragen werden“, erklärt er.

Mit einem genauen Script für die einzelnen Darbietungen sind die Jungs oben im Kabuff, hoch über denen, die unten im Saal feiern, bestens gerüstet – auch für die Extrawünsche der Aktiven. Ein Akteur möchte lieber auf der Bühne starten, andere laufen mit Musik ein. Jochen Bugs hat sich Lichtmuster für die einzelnen Auftritte ausgedacht.

Sorgen macht dem Team die schlechte Akustik im Saal. Mit einem einfachen Trick, nämlich dem Aufhängen von Stoffbahnen, die die Besucher für Deko halten, halfen sie ein wenig nach. Im Technikraum hört sich zudem alles ganz anders an als im Saal. Deshalb wird auch immer wieder der Kopf weit nach vorne in die Luke zum Saal gestreckt.

Einen Nachteil hat der Kabuff dann aber doch: Der Zugang ist schwierig. Es gibt nämlich keinen direkt vom Saal aus. Die Techniker müssen raus aus dem Dorfgemeinschaftshaus und rein ins Feuerwehrgerätehaus. Dort führt eine Leiter hinauf in den Dachboden. Aber aufpassen, sonst gibt’s Beulen am Kopf. Es ist ein Mini-Durchgang. Da heißt es, erst tief bücken, dann beim Durchsteigen einen dicken Vorhang beiseite schieben, und schon ist man mitten drin in dem Mini-Stübchen mit bestem Blick in den Saal und auf die Bühne.

Im Unterschied zu den Anfängen der „Haustechnik“ ist das aber doch ein Quantensprung, weiß Thorsten Moses nur zu gut. Der langjährige Wehrführer in Mönstadt war 1996 der erste Mann an der Technik im damals noch fast funkelnagelneuen Dorfgemeinschaftshaus. „Was die technische Ausstattung betraf, so waren die Ansprüche nicht sehr hoch“, berichtet Thorsten Moses, der 18 Jahre für den guten Ton im Saal sorgte und vor fünf Jahren seinen „Techniker-Posten“ an den Nagel gehängt hat.

Im Grunde genommen gab es gar kein Equipment. Die Veranstaltungen seien schon im alten Gemeinschaftshaus eher familiär denn semiprofessionell gewesen, sagt er. Wirklich gut sei die vorhandene Technik auch nach dem Umzug in die neue gute Stube nicht gewesen. Das Geld für die Technik hätte man sich damals lieber sparen sollen, betont Moses.

Also brachte er seine eigene Anlage mit und baute sie auf drei Tischen auf. Die wiederum blockierten im Eingangsbereich zwei der drei vorhandenen Türen. Das sah dann so aus: Zwei Tische unten als Quadrat und einer darauf als Arbeitsplatz mit einem Stuhl. „Eine Lichtanlage war zu dieser Zeit eher Fehlanzeige“, erinnert sich Moses schmunzelnd.

Mit diesem Turm lebten die Veranstalter der Faschingssitzungen rund drei Jahre. Dann stieg Thorsten Moses als „Cheftechniker“ auf, nämlich auf ein Gerüst. Das war ein Aluminiumgerüst aus dem Gerüstbau. „Damit war meine Arbeitsfläche so hoch, dass ich über den Türen schwebte“, berichtet er. Dieses neue Gerüst bot sogar Platz für eine Lichtanlage und für eine weitere Person. Das war damals Veith Bosenbecker. Die Lichtanlage bekam das Duo von Jochen Bugs, der ja heute den Platz des Cheftechnikers eingenommen hat.

Als sich dann während einer Sitzung einer der Verstärker – zum Glück im Finale – verabschiedete, entschieden sich die Verantwortlichen dafür, eine professionelle Anlage zu leihen. Und noch eine weitere Änderung stand an. Das Gerüst nahm zu viel Platz ein. Deshalb schlug Thorsten Moses vor, die Technik in den Dachboden zu verlegen. Ein Durchbruch über dem Eingangsbereich des Saales ermöglichte den Zugang. „Dort konnte man nur stehen, wenn man kleiner als 1,60 Meter ist, und die Akustik war auch eher bescheiden“, beschreibt Moses die Mängel.

Dennoch ist aus dem Kabuff ein Dauerzustand geworden, mit dem die Narren in Mönstadt und auch das neue Technik-Team gut leben können.

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