Spielcasino in Riedelbach

Nun also doch: Casino in Riedelbach

  • schließen

Nun kommt es doch so, wie es die Riedelbacher überhaupt nicht haben wollen: In die beiden vorderen Mania-Pavillons zieht ein Spielcasino ein.

Die Pläne wurden immer mal öffentlich diskutiert, zuletzt 2012 im August im Riedelbacher Ortsbeirat – jetzt ist es amtlich: In den beiden ehemaligen Mania-Pavillons gleich links an der Einfahrt ins Gewerbegebiet Ensterwiesen entsteht ein Spielcasino. Bürgermeister Axel Bangert (SPD) bestätigte am Donnerstag im Bauausschuss eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Hahn. „Stimmt“, erklärte Bangert. Der Bad Homburger Casino-Betreiber Christoph Schwarzer habe den Komplex gekauft, um dort zwei, durch einen Bistro-Bereich miteinander verbundene Spielstätten einzurichten. Schwarzer selbst bestätigte die Pläne auf Anfrage. Er plane die Eröffnung für den Sommer.

Für den Betrieb wurden von der Gemeinde bereits 2011 vier Lizenzen mit einer Laufzeit von zunächst 15 Jahren vergeben, eine Baugenehmigung hat Schwarzer bereits seit Mai 2012. „Wir werden 48 Automaten, in jedem Pavillon 24, aufstellen“, sagte Schwarzer, der im Rhein-Main-Gebiet bereits mehr als ein Dutzend Spielstätten betreibt, allein vier in Friedrichsdorf und je eine in Usingen, Neu-Anspach, Königstein und Oberursel. In Riedelbach werden, so der Unternehmer, etwa 15 Festangestellte beschäftigt sein. Bei ihnen handele es sich ausnahmslos um Fachpersonal.

„Jugendschutz, Spielerschutz und Suchtprävention gehören, ebenso wie die absolut manipulationssichere Software unserer Geräte schon immer zu unserer Geschäftsphilosophie und damit sind wir in den fast 25 Jahren, in denen es unseren Betrieb gibt, stets gut gefahren“, betont der Unternehmer.

Der Standort Riedelbach an der B 275 sei sehr gut. Auch gebe es ausreichend Parkplätze. Probleme mit der Bevölkerung dürfte es nicht geben. Arno Hahn, Ortsvorsteher von Riedelbach, ist davon nicht überzeugt. Ein Casino sei nicht im Sinne des Ortsbeirates. Das nahm Bangert erst einmal so hin, verwies aber darauf, dass die baunutzungsrechtlichen Festsetzungen des Gewerbegebietes solche Betriebe zuließen. Im übrigen sei die Gemeinde Weilrod nicht Verkäuferin und damit nicht Herrin des Verfahrens. Auch thematisch und zum von der Gemeinde hergestellten Einvernehmen hielt Bangert sich bedeckt, nur so viel: „Das ist Sache des Gemeindevorstandes.“

So ohne weiteres mag Hahn sich damit nicht abfinden. Das Thema werde in Riedelbach emotional diskutiert, sicher auch demnächst im Ortsbeirat. Es gebe schon viel zu viele solcher Casinos, „da brauchen wir in Riedelbach nicht auch noch eins“, sagte er der TZ, verschnupft darüber, dass in der Politik die Wünsche der Bevölkerung „nichts mehr zählen“. Man werde einfach vor vollendete Tatsachen gestellt.

Als das Thema im August 2012 im Ortsbeirat behandelt wurde, hatte Hahn erklärt, dass er zwar keine Handhabe dagegen sehe, dass man dem aber nicht durch stillschweigendes Hinnehmen auch noch Vorschub leisten solle. Hahn hatte damals gesagt, „auf dem Mania-Gelände sollten Betriebe einziehen, die das Ansehen Weilrods stärken und wo Menschen gutes Geld verdienen, nicht aber solche, die Menschen (...) abzocken“. Die Spielsucht wolle man nicht unterstützen, schon gar nicht, dass sich Riedelbacher in die Armut treiben, „dort spielten womöglich auch Leute, die wir nicht haben wollen“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare