Astrid-Lindgren-Schule

Alte Rechtschreibung landet im Müll

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Die Astrid-Lindgren-Schule hat massenweise Bücher entsorgt. Das wiederum brachte einen Usinger auf die Palme, der darin entgangene Chancen für andere, junge Leser sieht. Doch ist das auch tatsächlich so? Wir haben nachgefragt.

Lesen ist nicht einfach nur das Aufsaugen von interessanten und spannenden Geschichten. Beim Lesen lernen die Grundschüler auch ganz praktisch lesen. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie dadurch auch in der Rechtschreibung sicherer werden. Denn die gelesenen Worte prägen sich ein, nicht nur als Geschichte, sondern auch in ihrer Schreibweise.

Damit die Grundschüler der Astrid-Lindgren-Schule aber nicht nur die Nasen in die Schulbücher stecken müssen oder wollen, gibt es auch eine gut sortierte Bücherei, wo sich noch viel mehr interessanter und schöner Lesestoff befindet. Die Bibliothek werde im Wesentlichen vom Förderverein der Astrid-Lindgren-Schule bestückt, der aus seinen Spenden Geld für den Kauf von Lesestoff zur Verfügung stellt.

Und zwar von Anfang an. Die Winterferien haben die Mitarbeiter der Schulbücherei der Astrid-Lindgren-Schule genutzt, um den Buchbestand durchzusehen. Gründlich. Hintergrund dafür war keine aufkommende Langeweile, sondern Ursache war eine ganz pragmatische Tatsache: „Wir stellen die Ausleihe auf Litterer um“, erklärt Schulleiterin Ulla Becker-Stadtnik auf Nachfrage dieser Zeitung. Vorbei also die Zeiten, in denen Karteikarten beschrieben und alles per Hand ein- und umgetragen werden musste.

Vorbei die Zeiten, in denen ganze Stapel von Karten durchgesehen werden mussten, um den richtigen Schüler samt Karte zu finden. Die Zukunft der Bücherei ist elektronisch. Mit der Umstellung muss selbstverständlich nicht nur der Schüler erfasst werden, der sich ein Buch ausleihen möchte, sondern auch jedes Buch. Wiederum eine gute Gelegenheit, die Bibliotheksbestände durchzusehen und die Bücher zu überprüfen. „Das hat aber nicht die Schulbücher betroffen, sondern nur die Lesebücher aus der Bücherei“, verdeutlicht Becker-Stadtnik.

Das Erfassen der Bücher hatte zur Folge, dass in der Tat jedes Buch nicht nur auf seinen Zustand, sondern auch auf Alter und Rechtschreibung überprüft wurde. Und wie sich zeigte, gab es etliche Bücher, die nicht mehr nach den Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung gedruckt waren. Deshalb landeten sie im Müll. Ein Usinger hat die Bücher bei einem Spaziergang im Müllcontainer entdeckt und sich gefragt, warum der Lesestoff von teils sehr gut erhaltenen Büchern „ideenlos“ entsorgt wurde. „Hätte man die Bücher nicht an Familien geben können, die sich keine Kinderbücher leisten können?“, stellte er sich die Frage.

Doch ganz so gedankenlos, wie der Usinger vermutet, war die Aktion nicht. Von der veralteten Rechtschreibung abgesehen, seien die Bücher teilweise auch schon sehr abgegriffen gewesen, begründet Ulla Becker-Stadtnik die Entsorgung. Aber auch Bücher, deren Inhalte längst überholt waren, wurden aussortiert. „Allerdings erst, nachdem sie dem Förderverein nochmals zur Überprüfung gereicht wurden“, sagt die Schulleiterin.

Der Förderverein als Spender des Lesestoffs hätte die Literatur also durchaus zurücknehmen und anderen zur Verfügung stellen können. In manchen Fällen sei das auch geschehen, doch bei einem Großteil eben nicht. Denn gerade lese- und rechtschreibschwache Kinder profitieren davon, wenn das gedruckte Wort nicht nur inhaltlich richtig ist, sondern auch der neuen Schreibweise entspricht.

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