tzp_map_Sirene_191020
+
Usingens erste Sirene aus dem Jahr 1929 hat längst ausgedient. Die beiden Stadtbrandinspektoren Michael Grau und Andreas Lang (von rechts) sind aber froh, dass im gesamten Stadtgebiet zumindest noch 13 klassische Motorsirenen vom Typ E57 einsatzbereit sind.

Usingen: Warntag hat viele Schwächen aufgezeigt

An Sirenen als Alarmierungs-Möglichkeit führt kein Weg vorbei

  • vonMatthias Pieren
    schließen

Die Usinger Feuerwehren ziehen ein gemischtes Fazit aus dem Aktionstag, denn derzeit können die Usinger nur bei Bränden per Heulton informiert werden

Am ersten bundesweiten Warntag seit der Wiedervereinigung heulten im Hintertaunus nur wenige Sirenen. Genau genommen waren es nur die 13 Sirenen in Usingen und seinen Stadtteilen. In den anderen fünf Kommunen des Usinger Landes gab es keinerlei Sirenenalarm am 10. September. Der Grund ist einfach.

Im Zuge der Deutschen Einheit wurden zwischen 1992 bis 1995 aus Kostengründen mehr als 40 000 der grauen, meist tellerförmigen Sirenen in den deutschen Städten und Gemeinden abgebaut. Nur etwa 30 deutsche Städte verfügen derzeit noch über ein halbwegs intaktes Sirenennetz. Eine davon ist Usingen.

"Dass in Usingen seinerzeit der Großteil der Sirenen vom Bund übernommen wurde und diese nach wie vor funktionstüchtig sind, ist dem damaligen Stadtbrandinspektor Heinz Dienstbach zu verdanken", sagt Michael Grau, der heute diese übergreifende Funktion als Leiter der freiwilligen Feuerwehren in der Kernstadt und den Stadtteilen von Usingens innehat.

Der Chef der sieben Usinger Stadtteilwehren hat die damalige Entscheidung des Bundes nie verstanden. Die Folge ist bedenklich: Bei Großschadenslagen kann die Bevölkerung derzeit nicht gesichert umfassend und vor allem schnell informiert werden. "Der Bund sollte aber weiterhin für die gezielte Information der Bevölkerung verantwortlich sein", sagt Grau.

Information als Zufallsprodukt

Da heute längst nicht mehr alle Bürger das Radio nutzen sondern rund um die Uhr in den unterschiedlichsten sozialen Medien unterwegs seien, sei eine gesicherte und zentrale Information der Menschen nur schwer möglich. "Nachts, wenn alle schlafen, ruft niemand E-Mails ab oder kommuniziert über Whatsapp oder Facebook", gibt der Stadtbrandinspektor zu bedenken. "Information ist zum Zufallsprodukt geworden."

Eine zentrale Alarmierung über Sirenen sei hingegen so schrill und laut, dass die wachsam gewordene Bevölkerung garantiert auch verschiedene Nachrichtenmedien aktivieren werde, ist Grau überzeugt. Doch selbst in Usingen ist trotz einsatzbereiter Sirenen derzeit nur ein analoger Feueralarm über die Zentrale Leitstelle in Bad Homburg oder per Druckknopfmelder (in Kransberg, Michelbach, Merzhausen oder Eschbach) möglich.

"Wir können bei einer Großschadenslage in Usingen zusätzlich von unserem Feuerwehr-Stützpunkt aus eine zusätzliche Alarmierung auslösen", erklärt der stellvertretende Stadtbrandinspektor Andreas Lang. Da es nach wie vor vereinzelt Probleme mit den digitalen Funkmeldeempfängern gibt, können im Einzelfall einige oder alle 13 Sirenen im Usinger Stadtgebiet zusätzlich ausgelöst werden.

"In diesem Fall können wir aber auch nur den klassischen Feueralarm auslösen: Ein 60-Sekunden-Dauerton wird dabei zwei Mal für 12 Sekunden unterbrochen." Die Bevölkerung müsse erst wieder für einen Sirenenalarm sensibilisiert werden. Beide leitenden Feuerwehrmänner aus Usingen plädieren deshalb für häufigere und auch regelmäßigere Sirenen-Testläufe. "Einzig ein bundeseinheitlicher Warntag ist dabei nicht zielführend", kritisiert Grau dieses Konzept.

Lautsprecher und Bürgertelefone

Besser wäre es, wenn alle Wehren in eigener Regie zumindest monatlich die Feuermelder überprüfen - am besten samstags, weil man dann auch viele Menschen erreicht. Im digitalen Wirrwarr gibt es derzeit zwar viele sogenannte Warn-Apps, unter ihnen die drei offiziellen Apps von Bund, Land und Hochtaunuskreis.

"Im Notfall könnten die Feuerwehren über die Leitstelle bei Großschadenslagen auch die Hochtaunus-App aktivieren, über die ein Warn-Info an die Bevölkerung abgesetzt wird", erläutert Lang. "Doch haben längst nicht alle Bürger eine solche App auch installiert."

Der Hochtaunuskreis hat für alle 13 Städte und Kommunen mobile Hochleistungs-Lautsprecheranlagen angeschafft. Diese sind auf Einsatzfahrzeugen installiert und können vom zentralen Stützpunkt aus die Bevölkerung in allen Ortsteilen warnen - was aber sehr zeitaufwendig ist.

Ebenso würden im Ernstfall die Bürgertelefone besetzt sein, über die die alarmierten Bürger Informationen erhalten. "Doch wenn möglichst viele Menschen aufgrund einer Großschadenslage informiert werden sollen, kommt man über Sirenen nicht vorbei", sagt Grau. "Über Radio oder Internet sollten dann nähere Informationen bereitgestellt werden." Matthias Pieren

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare