Im grünen Klassenzimmer kann man die Eschbacher Waldbewohner kennenlernen.
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Im grünen Klassenzimmer kann man die Eschbacher Waldbewohner kennenlernen.

Usingens Erlebnispfad im Wald hautnah erlebt

Ein Angebot, das alle Sinne anspricht

  • vonMonika Schwarz-Cromm
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Seit 2008 kümmert sich der Lions-Club Usingen-Saalburg um den Ausbau des Usinger Wald-Erlebnispfades, der von den Eschbacher Klippen knapp drei Kilometer durch den Wald führt und an vielen Stationen zum nachdenken, schauen und mitmachen anregt.Der Erlebnispfad in der Nähe der Eschbacher Klippen ist immer einen Besuch wert. Das hat auch TZ-Mitarbeiterin Monika Schwarz-Cromm festgestellt, die in einer Art Selbstversuch die verschiedenen Angebote unter die Lupe nahm.

Bisher dachte ich, ein Erlebnispfad sei ausschließlich für Kinder geschaffen. Doch warum sollte ein erwachsener Mensch nicht auch mal was erleben? Und was fällt einem dazu sofort ein? Richtig, der Erlebnispfad oberhalb von Eschbach in der Nähe der Klippen.

Parkplätze sind genügend vorhanden. Und das Hinweisschild verspricht Spannendes. Heißt es doch dort, auf dem drei Kilometer langen, abwechslungsreichen Wanderweg könne man Natur (be)greifen. Was bedeutet das? Diesen Gedanken im Kopf, gehe ich los, den Weg mit der Eule entlang, immer nach rechts und links schauend, um nicht die erste Station zu verpassen. Sobald die ersten Bäume passiert sind, liegt sie vor mir, die atemberaubende Aussicht. Ich kann mich gar nicht satt sehen und überlege, was ich davon kenne. Das ist doch der Eschbacher Kirchturm. Aber der Rest?

Arme, die nach dem Himmel greifen

Wo ist denn jetzt das erste Erlebnis? Oder war es das bereits? Ich suche nach dem grünen Klassenzimmer. Da entdecke ich am Wegesrand einen Zauberwald. Baumwurzeln und Äste bilden bizarre Gebilde. Gewollt oder wirklich reine Natur?

Egal, das ist der Ort, wo Trolle leben müssen. Kinder haben mitten in diese Idylle aus Ästen eine Hütte gebaut. Und da ist er auch schon, der schmale Pfad, der hinein in den Wald zum grünen Klassenzimmer führt. Baumstümpfe laden zum Sitzen ein, während auf Tafeln zu lesen ist, das Umweltwissen soll gemehrt und die Notwendigkeit des Schutzes unserer natürlichen Ressourcen durch eigenständiges Entdecken und Forschen geweckt werden.

Und damit jeder versteht, was damit gemeint ist, zeigen weitere Tafeln die Eschbacher Waldbewohner wie Wildschwein und Reh und Rebhuhn mitsamt ihren Vorlieben für Maulwürfe, Pilze, Früchte und Hafer. Wieder was gelernt. Doch dann gilt es, zu genießen. Es ist die neueste Station mit Holzsesseln und -liegen, die mich völlig begeistert.

Reinfallen lassen, den Kopf anlehnen, Augen schweifen lassen und Wald genießen. Ich sehe eine Welt von riesigen, majestätischen Säulen mit in den Himmel greifenden Armen. Was für ein Anblick. Genuss pur. Da verstehe ich, warum auf dem dazugehörenden Schild steht "Bäume sind Heiligtümer". Irgendwie hält mich der Sessel fest.

Ich komme nur sehr schwer wieder heraus. Oder will ich gar nicht mehr aufstehen? Doch da warten daneben die Blickfenster auf mich. Und schon wird mein anfangs gehegter Wunsch wahr, die grandiose Aussicht benennen zu können.

Denn die Blickfenster bestehen aus holzummantelten Röhren, durch die der Blick in eine ganz bestimmte Richtung fokussiert wird. Fast so, als sehe man durch ein Fernrohr. Unter jedem Rohr steht, wohin man blickt: Auf den Saalburgpass, den Sendemast auf dem Roßkopf, den Funkturm Kolbenberg, den Großen Feldberg sowie die Höhen Oberhoheberg und Pferdskopf. Aber es geht auch anders: Schaut man auf der anderen Seite hinein, ist da der Wald mit seinem Totholz und den Baumschutzhüllen zu sehen.

Den Wald erlauschen

Heimelig führt der Weg weiter in den Wald hinein, entlang des Wochenendgebietes bis zu einer Handvoll Erde, die so voller Lebewesen steckt wie es Menschen auf der Erde gibt. Wow - das stimmt nachdenklich. Um das zu verdeutlichen, wurde ein Drahtkorb daneben befestigt, der mit 0,1 Kubikmeter Laubboden gefüllt ist. Dass aber genau dieser Korb von Hundebesitzern zum Entsorgen der gefüllten Hundebeutel genutzt wird, ist gelinde ausgedrückt eine Frechheit und zeigt, wie wenig ihnen Natur bedeutet. Ich bin empört.

Wie ermunternd erweist sich dagegen die nächste Station, das Waldxylophon. Da macht der Wald tatsächlich Musik. Jede Holzart hat ihren eigenen Klang. Und jede wird für andere Zwecke genutzt, lerne ich, für Musikinstrumente, zum Heizen, für Möbel. Zu hören gibt es bei der Hör-eule und dem Baumtelefon ebenfalls einiges. Und auch zu lernen, denn viele Wildtiere hören nun mal besser als sie sehen. Und das lässt sich dort leicht nachvollziehen. So können sie Fressfeinde aber auch Beute ausmachen.

Der Lebensraum der Streuobstwiese ist die letzte Station auf dem Erlebnisweg, den der Lions-Club Usingen-Saalburg seit 2008 angelegt hat und immer weiter ausbaut. Dort dreht sich aber nicht alles nur um den heimischen Apfel. Vielmehr gibt es rings um die Apfelernte auch Infos über die Fledermauskolonie, die Nistkästenreinigung und das Insektenhotel.

Gelernt habe ich einiges. Gesehen noch viel mehr. Ein idyllischer Weg, der jedem viel bietet. Also nichts wie hin.

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