Bürgermeister spricht sich auch für Hundeführerschein aus

Ja zur Anleinpflicht

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In Oberreifenberg ist kürzlich eine kleine Hündin von einem freilaufenden Hund totgebissen worden. Inzwischen wurden der TZ ähnliche Fälle bekannt. Verantwortungsvolle Hundehalter fühlen sich bedroht.

Seitdem ihre kleine Mischlingshündin Derrie von einem freilaufenden Dobermann totgebissen worden ist, finden Rosemarie Fischer-Gudszus und ihr Mann Jürgen Marcel Fischer keine Ruhe. Zu tief sitzt der Schmerz. Von Hilflosigkeit und Wut sprechen die Fischers, die froh sind, dass jetzt wenigstens eine Diskussion über das verantwortliche Führen von Hunden in Gang kommt. Ihr Fazit: „Hund und Mensch sind durch verantwortungslose Hundeführer und deren freilaufende Hunde offenbar gefährdet.“ Sie fragen: „Sind wandern, joggen, radfahren oder ein harmloser Spaziergang mit Kindern in unseren Taunuswäldern gefährlich?“ Und weiter: „Was können wir dagegen tun?“

Damit überhaupt gegen den Hundeführer vorgegangen werden kann, haben die Fischers einen Bericht für das zuständige Schmittener Ordnungsamt erstellt. Ob es laut Gefahrenabwehrverordnung über das Halten und Führen von Hunden eine Wesensprüfung gibt, der Hund als gefährlich eingestuft und die Halteerlaubnis entzogen oder nur noch mit Auflagen wie Maulkorb und Anleinpflicht genehmigt wird, ist offen.

Ein TZ-Leser hat andere Erfahrungen gemacht. Sein Hund sei zweimal vom gleichen Schäferhund angefallen und zuletzt so schwer verletzt worden, dass er eingeschläfert werden musste. Nach der Anzeige beim Ordnungsamt sei nichts passiert. „Gegen uneinsichtige Hundehalter und -angriffe helfen nur Waffen“, ist er überzeugt. Beim Einsatz von Pfefferspray, das offiziell zur „Tierabwehr“ verkauft wird, habe ihm eine Hundehalterin jedoch mit Anzeige gedroht.

Martina Kaus aus Oberreifenberg kannte die kleine Derrie, hat selbst zwei kleine Hunde und erzählt: „Unlängst ist ein großer Hund, der meinen Dackel schon gebissen und bereits fünfmal angegriffen hat, ohne Leine über die Straße auf mich zugerannt, und ich bin vor lauter Angst gestürzt.“ Leider sei es normal, dass große aggressive Hunde ohne Leine ausgeführt werden. Nur mit viel Mühe habe sie erreicht, dass ein großer Hund, der immer wieder über den Gartenzaun auf die Straße gesprungen sei, sich jetzt nicht mehr allein im Garten aufhalten dürfe. „Man muss sich doch kümmern, dass Nachbarn und Kinder ohne Gefahr an diesem Grundstück vorbeilaufen können“, sagt Kaus, die auch Jogger und Radfahrer gefährdet sieht.

Nach der tödlichen Hetzjagd auf Derrie habe sie die drei Hunde nicht mehr zusammen gesehen. Der Dobermann gehe mit Maulkorb und Leine, die Bracke weiterhin ohne Maulkorb. Ein bekannter Oberreifenberger habe aber, anders als vorher, inzwischen seinen Hund immer an der Leine.

„Es ist an der Zeit, dass die Anleinpflicht eingeführt wird“, fordert Kaus. „Ich lege selbst für meine eigenen Hund die Hand nichts ins Feuer, denn jeder Hund hat einen Jagdtrieb.“ Tierbesitzer müssten mehr Verantwortung übernehmen, meint sie und schlägt vor: „Jeder, der einen Hund führen möchte, sollte einen Hundeführerschein machen.“

Rückenstärkung von Bürgermeister Marcus Kinkel (FWG) hätte sie. Der geht mit seinem Foxterrier Anton auf Nummer sicher. „Ich habe ihn beim Gassigehen vor allem im Wald immer an der Leine“, beteuert er und spricht sich für eine generelle Anleinpflicht für aus. Eventuell ließen sich wie in Amerika Flächen schaffen, in denen sich die Hunde frei bewegen und zusammen spielen könnten. „Verboten müsste auch sein, dass Hundehalter mit dem Fahrrad und Hund an der Leine durch die Gegend radeln“, so Kinkel. „Auch wenn es hart klingt, aber es darf eigentlich auch nicht jeder Mensch einen Hund halten“, stellt der Rathauschef fest. Er hält eine Art Hundeführerschein für keine schlechte Idee. „Leider ist es in vielen Fällen so, dass nicht der Hund, sondern das Herrchen einen Wesenstest machen müsste.“

Um zu verhindern, dass der Dobermann, der zum Raubtier geworden ist und Rosemarie Fischer-Gudszus körperlich und beide Fischers seelisch verletzt hat, wieder zuschlägt, haben die Fischers Strafanzeige wegen Körperverletzung gegen den Hundeführer bei der Polizei in Königstein erstattet.

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