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Spazieren mit Genuss: Im Taunus kann bald im Wald genascht werden 

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Von: Monika Schwarz-Cromm

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Dr. Anna Holl ist Mitbegründerin des Vereins "Vielfalt genießen". Im Usinger Revierförster Karl-Matthias Groß hat sie einen Befürworter ihrer Idee der "essbaren Waldgärten" gefunden.
Dr. Anna Holl ist Mitbegründerin des Vereins "Vielfalt genießen". Im Usinger Revierförster Karl-Matthias Groß hat sie einen Befürworter ihrer Idee der "essbaren Waldgärten" gefunden. © msc

Waldbesucher in Usingen sollen an bestimmten ausgewiesenen Orten Nüsse, Kräuter und Beeren naschen können. Ein Pilotprojekt des Vereins „Vielfalt genießen“.

Usingen – Die Corona-Pandemie zwingt viele Menschen zum Abwarten und Nichtstun. Das weiß auch Dr. Anna Maria Holl, und sie möchte die Menschen deshalb animieren, gerade jetzt aktiv zu werden. Die Biologin interessiert sich für alles, was mit Gärtnern zu tun hat, und sie hat deshalb jetzt gemeinsam mit zwölf weiteren Naturfreunden das Pilotprojekt "Vielfalt genießen" ins Leben gerufen.

Holl hat sich weitergebildet und eine zertifizierte Ausbildung zur Fachberaterin zur Selbstversorgung mit essbaren Wildpflanzen in Kooperation mit der Weiterbildungsakademie der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Nürtingen-Geislingen gemacht. "Ich wollte mich aber nicht auf Heilkräuter spezifizieren, sondern eher auf die Lust am Essen", berichtet sie. Denn es sei einfach wahnsinnig, welche Vielfalt die Natur biete und welchen positiven Einfluss eine solche Ernährung auf den Menschen habe. Das, was die junge Frau dabei entdeckte, möchte sie an andere weitergeben und damit auch deren Leben verändern.

Wald-Projekt in Usingen: Im Taunus soll auch ein Lernort für Kinder entstehen

Schnell waren Gleichgesinnte gefunden - wie beispielsweise Waldpädagogin Isabell Deisinger. Sie musste für die Exkursionen mit ihren Kindern bisher weite Wege in Kauf nehmen und wünscht sich daher einen Waldgarten in der Nähe. "So ein Waldgarten ist aber nicht nur zum Ernten da, sondern vor allem zum Lehren", erklärt Holl und befürchtet dadurch Unruhe.

Ihr schwebte ein etwas anderes Modell vor. Und zwar eines, das allen eine reiche Vielfalt an Obst, Nüssen und Kräutern kostenlos zur freien Verfügung stellt. Also ein Projekt mit essbaren Pflanzen, die auf öffentlichen, landwirtschaftlichen, forstwirtschaftlichen oder gespendeten Flächen wachsen - finanziert von Spenden und Fördergeldern. Der dafür gegründete Verein ist verantwortlich für die Langzeitpflege dieser Pflanzen. "Dabei hoffe ich auf Ortsgruppen und im Kleineren auch auf Beet-Patenschaften."

Naschen im Wald: BUND unterstützt das Projekt im Taunus

Die Biologin wandte sich daher an die Vereine, sprach mit dem Bürgermeister und holte auch den BUND mit ins Boot. Und siehe da, alle hatten ein offenes Ohr für sie und ihre Idee fürs explizite Naschen an bestimmten, ausgewiesenen Orten. Auch der Usinger Revierförster Karl-Matthias Groß steht dem Plan positiv gegenüber.

Denn gerade die Kahlflächen im Wald eigneten sich hervorragend für eine entsprechende Bepflanzung. So entstehe eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten, findet er. "Das ist ein Mosaiksteinchen für die Aufforstung im Wald." Immerhin handele es sich dabei um ein auf eine Dauer von rund 100 Jahren angelegtes Projekt, sagt Groß und bezieht auch den gesellschaftlichen Aspekt mit ein. Für ihn sei dies eine Initialzündung.

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In Usingen soll Naturschutz und Genuss verbunden werden

"Im Grunde genommen ist damit aber noch mehr verbunden, nämlich Naturschutz und Genuss", erweitert Holl die positiven Punkte ihres Projektes, das in der Nähe des Rentnertreffs im Herbst mit den ersten Pflanzungen gestartet werden soll. Zusammen mit einem weiteren Gelände im Eschbacher Wald, auf dem ebenfalls essbare Pflanzen wachsen werden, handelt es sich hier um den ersten Hektar wieder entstehender Waldfläche, der dazu auch noch zum Genießen einlädt.

Holl teilt mit, dass ringsherum ein Schutzzaun dafür sorgen wird, dass das Wild nicht die jungen Nussbäume auffrisst. Und das findet auch der Förster gut, wie er bestätigt. Um die ersten Erfolge schnell sehen zu können, werden auch Wildkräuter ausgesät.

Naschen am Wald bei Usingen: Es werden noch Areale für das Projekt im Taunus gesucht

Die engagierte Biologin hofft jetzt auf weitere Areale wie Feldränder, denn egal ob essbare Waldgärten, Landschaften oder Kräuterbeete und Nasch-Ecken für Kitas und Schulen, es gibt jede Menge Pflanzen, die dafür geeignet sind. In die Kräuterbeete gehören beispielsweise Thymian, Oregano, Salbei, Minze, Liebstöckel, aber auch Rhabarber.

Kontakt für Informationen und zum Mitmachen

Wer mitmachen möchte, wer Flächen zur Verfügung stellen will oder wer sich informieren möchte kann sich bei Dr. Anna Maria Holl melden.

Telefon: (06081) 9858251

E-Mail: anna.holl@live.com

In den Naschecken sollen mehrjähriges Rank-Obst, Beerensträucher, Säulenobstbäume und Haselnusssträucher sowie Mandelbäumchen wachsen. Bei den essbaren Landschaften sind die Beerenvielfalt, bunte Obsthaine und langlebige Riesen zu bestaunen. (Monika Schwarz-Cromm)

Lehrreich ging es zuletzt ebenso an einem Feldrand im Taunus zu, auch wenn es nichts zum Naschen gab.

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