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Anspacher Rapper Gianno veröffentlicht seinen ersten Titel

  • vonAndreas Burger
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Was lange währt, wird endlich Musik ? seit gestern ist der Song ?Monaco? des Anspacher Rappers Gianno im Internet zu hören. Die Entstehungsgeschichte des durchaus hörenswerten Stückes ist allerdings außergewöhnlich.

Eigentlich sollte das erste professionell produzierte Werk des Anspacher Rappers Gianno schon fast ein Oldie sein. Doch die Veröffentlichung hat sich um einige Monate verzögert. Denn Patrick Pegorer-Sfes, wie er mit richtigem Namen heißt, macht eben nicht nur Musik, sondern ist Student und will im Herbst sein Lehramt in der Tasche haben. Deshalb hat er sich die letzten Wochen mal eben drei Semester in eines gepackt und zudem Prüfungen absolviert. Da musste die Musik eben hinten an stehen. Doch seit gestern, 18 Uhr, ist der flotte Rap „Monaco“ online. Gleich auf mehreren Kanälen findet er sich (youtube.com/Gianno, facebook.com/GiannoRap, als Stream bei Amazon-Music oder Google Play).

Und von was handelt er? Natürlich vom Streben nach Unabhängigkeit, nach Geld, Freiheit. Eine Art vertonter Traum vom Lottogewinn. Das Leben in Monaco mit Champagner, Villa und Yacht. Aber Gianno wacht eben am Ende des Videos in der Realität auf und geht zur Arbeit. Die er übrigens auch schon hat. Momentan ist er Vertretungslehrer an zwei Schulen, will aber im Lauf des Jahres den Arbeitsvertrag mit Festanstellung unterschreiben.

Auch seine Freundin Annabelle marschiert in die gleiche Richtung und unterrichtet derzeit an der Wiesbachschule in Grävenwiesbach. Was sie noch vereint: Beide lieben Rap, deshalb ist sie auch im Video zu sehen. Das tatsächlich in Monaco entstanden ist. Aber während sich die Großen der Musikszene über Wochen hinweg an den Drehorten aufhalten, um die drei Minuten Video zu produzieren, hat Gianno das mal eben in sechs Stunden gemacht. Nämlich auf dem Weg von Italien nach Spanien. Ein kurzer Ferien-Zwischenstopp in Monaco, eine Digitalkamera und einige nette Orte im prunkvollen Staat – und schon stand das Video. Die Schnellproduktion sieht man dem Werk allerdings nicht an.

Die Musikaufnahmen selbst hatte er auch schon in der Tasche, bis er das Neu-Anspacher Neu-Label – also die Produktionsfirma – Sound-Village entdeckte. Die ihm rieten, an der Aufnahme noch mal zu feilen. Im dortigen Tonstudio entstand die endgültige Version, die seit gestern zu hören ist.

Dass ein paar Euro mehr auf dem Konto durchaus eine nette Sache wären, daraus macht der Rapper gar keinen Hehl. Wer würde das auch ablehnen. „Mein Traum ist tatsächlich, dass ich als Rapper bekannt bin, eine goldene Schallplatte wäre toll oder Platz eins in den Charts. Ich liebe diese Musik.“

In der Tat. Denn bereits 2014, als er in der Eschbacher Grundschule ein freiwillig soziales Jahr absolvierte, organisierte er dort eine Rap-AG, schon damals wurde die TZ auf ihn aufmerksam.

Weil es jetzt lange gedauert hat, bis Monaco veröffentlich wurde, will er seine Fans versöhnen und plant, bald regelmäßig neue Songs online zu stellen. „Das wird nicht jedes mal mit einem Musikvideo möglich sein. Aber ich habe noch einige Songs fertig.“

Das Erstaunliche an ihm: Er sagt von sich selbst, dass er gar nicht singen kann. Gut, muss ein Rapper auch nicht können. Doch er hat eine Lösung gefunden, denn mit dem ehemaligen Supertalent-Teilnehmer Marius Müller, der 2016 am Casting teilnahm und auch eine gute Leistung bescheinigt bekam, hat er einen Refrain-Sänger gefunden, der nicht nur eine richtig gute Stimme hat, sondern auch die Töne trifft. Das Duo passt und darf gerne mehr produzieren.

Monaco als Lebenstraum? „Nein, ich lebe gerne in Deutschland. Aber wer hätte nicht gerne etwas mehr Luxus um sich? Zum Streben nach Glück gehört eben auch, finanziell abgesichert zu sein.“ Das Lehramt war übrigens nach dem Abi nicht Wunschtraum Nummer ein. Er wäre eigentlich gerne zur Polizei. Doch nachdem er sein Praktikum an der Grundschule machte, kam das große Nachdenken. „Ich bin ein absoluter Familienmensch. Und bei der Polizei mit den vielen Schichtdiensten und Überstunden – das hätte dann wohl doch nicht gepasst. Und weil mir das Praktikum, also das soziale Jahr, so viel Spaß machte, ich gerne mit Kindern arbeite, war der Entschluss fürs Lehramt schnell gefasst.“

Der Vollständigkeit halber: Das Label Sound Village, das eigentlich auch schon seit Monaten aktiv sein wollte, hat ebenfalls noch Startschwierigkeiten. Sprecher Steffen Buhlmann betonte, dass man aber Ende dieser Woche alle bürokratischen Hindernisse erledigt habe. Dann starte die Firma richtig durch.

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