Restmüll

Anstieg von illegal entsorgten Abfällen

  • VonCorina Appel
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Viele Veranstaltungen und Faltblätter waren nötig, um die Bürger über das neue Abfallsystem zu informieren und Fragen zu beantworten. Ein Jahr nach Einführung der Biomülltonne hat die TZ in den Kommunen nachgefragt, wie das neue System angenommen wird und wo es noch hakt.

Essensreste in die Tonne mit dem braunen Deckel, Katzenstreu in die mit dem schwarzen Deckel, die Papiertonne ist blau, der gelbe Sack für Plastik und Co. auch unverändert. Das neue Abfallsystem ist vor einem Jahr im Usinger Land eingeführt worden. Und wie hat das ganze geklappt?

In Usingen hat die Umstellungsphase acht bis neun Monate gedauert, berichtet Bürgermeister Steffen Wernard (CDU). Mehrmals hatte die Stadt darauf hingewiesen, dass die Tonnen nur dann zur Entleerung rausgestellt werden sollten, wenn sie auch voll sind. „In der Vergangenheit haben sich viele Bürger beim rausstellen nach den Nachbarn gerichtet, was nicht Sinn und Zweck des neuen Abfallsystems sein sollte.“ Doch erfreulicherweise konnte man in der Buchfinkenstadt nach diesem Jahr feststellen, dass der Abfall deutlich weniger geworden sei. „Die Restmüllmengen haben sich halbiert“, so Wernard.

So ist es auch in Neu-Anspach. Es lägen zwar noch keine endgültigen Zahlen vor, teilt Sandra Hasselbach von den Stadtwerken mit. Aber die Trenn-Ergebnisse seien zufriedenstellend, was sich wiederum auf die Gebühren auswirke. 2016 könnten diese in der Kleeblattstadt für Rest- und Biomüll gesenkt werden. In Usingen gibt es beim Biomüll eine Entlastung, dafür steigen die Restmüll-Gebühren.

In Wehrheim hat sich zwar nach Angaben von Volker Minet, Fachbereich Finanzen, der Restmüll drastisch reduziert, eine Veränderung der Gebühren ist allerdings bisher noch nicht vorgesehen. In Grävenwiesbach hat sich wie in Usingen die Hausmüllmenge um etwa 50 Prozent reduziert, zieht Bürgermeister Roland Seel (CDU) eine vorläufige positive Bilanz. Entsprechend habe sich die Sammelmengen des Bioabfalls erhöht. Dadurch kann die Gebühr für Restmüll in diesem Jahr konstant gehalten und die des Bioabfalls deutlich gesenkt werden. Weilrod und Schmitten können keine Angaben zu den Auswirkungen der Trennung Bio- und Hausmüll machen. In beiden Kommunen sei in diesem Jahr immerhin keine Gebührenerhöhung vorgesehen.

Ein Anstieg an illegal entsorgten Abfällen in den städtischen Mülleimern oder auf öffentlicher Fläche konnte in Usingen beobachtet werden. Alle anderen Kommunen geben an, damit kein Problem zu haben. Zumindest gebe es „keine extremen Abweichungen gegenüber den Vorjahren“.

Schloss mit Zahlencode

Junge Familien nehmen gerne den Windelcontainer zum Entsorgen der kleinen „Duftpakete“ in Anspruch. Das hat die Buchfinkenstadt festgestellt, die ihren Container zunächst ohne jegliche Gebühr zur Verfügung gestellt hat. Was leider dazu führte, dass er auch von Bürgern anderer Kommunen genutzt wurde. „Die Kosten für die Entsorgung des Windelabfalls stiegen immens“, stellte Wernard fest. Das hatte zur Folge, dass seit dem 1. Juli der Container mit einem Zahlencodeschloss versehen ist.

Auch die Windelcontainer in Neu-Anspach, Wehrheim und Grävenwiesbach stehen auf Antrag zur Verfügung und würden gerne genutzt. In Weilrod sei die Resonanz auf das Angebot gering bis nicht vorhanden, und in Schmitten wurde aufgrund der geringen Resonanz erst gar kein Windelcontainer aufgestellt, so Dieter Moses, der für Steueramt und Abfallwirtschaft zuständig ist.

Wer einen Kompost im Garten hat, kann sich von der Biomülltonne befreien lassen. Diese Möglichkeit haben in Usingen etwa 450 Bürger genutzt, in Neu-Anspach stellten 434 Bürger den Antrag, 10 Prozent nahmen ihn wieder zurück, Wehrheim hat 265 Befreiungen genehmigt. In der Gemeinde Grävenwiesbach liegt die Zahl der Anträge unter 10 Prozent der Bevölkerung. Weilrod und Schmitten können hierzu noch keine Angaben machen.

Laut der Rückmeldungen aus Usingen, Neu-Anspach, Wehrheim und Grävenwiesbach habe es nicht nur Beschwerden aus der Bevölkerung gegeben (Geruch und Maden), sondern auch positive Rückmeldungen. In Weilrod und Schmitten habe es zumindest keine Widersprüche gegeben.

Was könnte noch besser werden? Die Trennung von Bio- und Hausmüll klappe noch nicht optimal, wurde in Grävenwiesbach festgestellt. Hier wünscht sich Roland Seel aber noch ein besseres Ergebnis. Außerdem sei es wichtig, keine Plastiktüten und kompostierfähigen Maisstärkebeutel zum sammeln des Bioabfalls zu verwenden, da diese in der Vergärungsanlage der RMD nicht oder auch nicht schnell genug verrotten. Damit könne der Kompost dann nicht mehr landwirtschaftlich verwertet werden, und die Fremdstoffe würden unweigerlich zusätzlich zu deutlich höheren Kosten führen. Das wiederum schlage sich in den künftigen Abfallgebühren nieder.

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