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Jugendliche wählen Treffpunkte heute weniger danach aus, wo Hotspots am nächsten oder ungestörtesten sind, sondern wo ?Netz? oder sogar ?freies Netz? ist. Dem wollen Grävenwiesbachs Grünen Rechnung tragen.

Grüne fordern freies Wlan via Freifunk

Anziehungspunkt für Jugendliche

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„Freies Wlan für die Grävenwiesbacher“ ist eine Idee der Grünen im Parlament. Gut gemeint könnte aber auch hier das Gegenteil von gut gemacht sein. Zumindest die CDU hat arge Bedenken. Jetzt muss der Haupt- und Finanzausschuss (HFA) noch einmal ran.

Die Jugend wählt ihre Treffpunkte heute weniger danach aus, wo diese Hotspots am nächsten oder ungestörtesten sind, sondern wo „Netz“ ist, besser noch „freies Netz“. Zugang zum Internet möglichst überall ist jedoch längst nicht mehr nur eine Forderung der Jugend, immer mehr Erwachsene sind mit ihren Smartphones im weltweiten Netz unterwegs, jedenfalls wo es möglich ist.

Und das ist es in Grävenwiesbach nun wirklich nicht an jeder Ecke oder in jedem der fünf Ortsteile.

Ein Antrag der Grünen will dem Rechnung tragen, gestellt in der letzten Parlamentssitzung, hat er es jedoch nicht bis zur Abstimmung geschafft, die Grünen selbst haben angesichts des offenbar doch großen Beratungsbedarfs die Verweisung an den Haupt- und Finanzausschuss beantragt. Was im nahen Weilrod mit dem von Bürgern selbst geknüpften „Freifunk“-Netz möglich ist, sollte, so die Grünen, auch in Grävenwiesbach gehen, entsprechende Förderung durch die Gemeinde vorausgesetzt.

Das Prinzip von „Freifunk“ ist ganz einfach: Inhaber von Internetanschlüssen, die sogenannten „Hosts“, laden andere User in ihrem Nahbereich über einen separaten Router zum kostenlosen Surfen ein. Die Router kostet zwischen 20 und 80 Euro, verbrauchen im Jahr gerade einmal Strom für vier Euro und sind, datentechnisch und datenrechtlich absolut sicher. Der Host ist nicht dafür verantwortlich zu machen, wenn der Gast im Netz Dummheiten macht. Je mehr Router es in einem Dorf gibt, desto enger wird das Netz, vorausgesetzt, die Router „sehen“ einander. Die Entfernung spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle.

Eine gute Sache, finden die Grünen und wollen mit Förderung durch die Gemeinde freie Internetzugänge schaffen, dort wo es Bedarf gibt. Das Rathaus, aber auch die Dorfgemeinschaftshäuser könnten dazu mit offenen DSL-Anschlüssen versorgt werden, wobei nach den Vorstellungen der Grünen die Kosten nicht von der Gemeinde getragen werden müssten.

„Interessant“, findet zwar auch CDU-Fraktionschef Tobias Stahl. Er fragt sich aber, wer die Nutzer sein sollen. Freies Wlan im Nahbereich des Dorfgemeinschaftshauses könnte den unerwünschten Nebeneffekt haben, „dass wir uns die Rewe-Szene dorthin holen“. Die CDU halte da „gar nix von“, da könne man „die Uhr danach stellen, dass es dort ruckzuck Probleme gibt“. Allenfalls könne ein solches Projekt in den Jugendzentren oder bei Festen, wo Wlan-Router bei Bedarf problemlos in die Dose gesteckt werden könnten, funktionieren, sagte Stahl.

Bernd Bierwirtz (FWG) kann dem wenig abgewinnen: „Die Leute sollen Bier trinken und Tanzen, statt auf ihrem Handy rumtippen.“

Sein Fraktionskollege Kurt Solz meint, man müsse überlegen, wie die Jugend vor den Gefahren des unkontrollierten Internets geschützt werden kann. Sybille Haas (Grüne) scheint dieses Problem nicht zu sehen: „Solange sie im Internet sind, machen sie wenigstens keine anderen Dummheiten.“

Für SPD-Youngster David Wade ist der Antrag der Grünen ein guter Ansatz. Allerdings könne freies Wlan via Freifunk bestenfalls eine Brückentechnologie sein.

Eine wirkliche Alternative zum dringend notwendigen Ausbau des Breitbandnetzes könne es aber nie sein. So gut es vielleicht auch funktioniere – es müssten weiter alle Anstrengungen unternommen werden, damit Grävenwiesbach von der Breitbandtechnologie nicht abgehängt bleibt.

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