Geschützte Pflanze ausgegraben

Arnika verschwunden

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Blümchen vom Wegrand pflücken ist das eine. Geschützte Pflanzen ausgraben etwas ganz anderes. Der BUND ist entsetzt.

Kein Wunder, dass Friederike Schulze vom BUND Usingen/Neu-Anspach erschüttert war: Als sie kürzlich mit einem Naturparkführer an Stellen unterwegs war, an denen die Arnika wächst, entdeckte sie statt der Heilpflanze tiefe Löcher in den Wiesen.

Wo genau das war, will sie lieber nicht in der Zeitung lesen, um keine Nachahmer zu ermuntern. Aber egal wo: Es ist nirgends erlaubt, Arnika auszugraben. Denn die Pflanze an sich steht unter Naturschutz.

Das Schlimme daran: Zu Heilzwecken wird die Wurzel gebraucht. Daher wohl auch die Grabungen in der Wiese. „Damit ist die Pflanze für immer zerstört“, so Schulze. Noch schlimmer, wenn die Naturschatz-Gräber glauben, sie könnten die Arnika im heimischen Garten ansiedeln. Das funktioniert nämlich nicht, weil die Bodenbedingungen in den meisten Fällen nicht stimmen, erklärt Schulze.

„Die Pflanzen halten noch ein bis zwei Jahre und machen dann die Grätsche“, verdeutlicht die Vorsitzende des BUND Ortsverbandes die Misere. Im Gespräch mit dem zuständigen Förster Karl-Heinz Ginglas stellte sich heraus, dass es nicht die einzige Stelle war. Auch an anderen Flecken, an denen Arnika wächst, wurde sie teils kleinflächig aus dem Boden geholt, teils aber auch in ganzen Büschen auf Stücken von einem mal einem Meter ausgegraben.

Die echte Arnika wächst im Usinger Land nur in höheren Lagen und auf magerem, feuchtem Boden. Außerdem braucht sie Ruhe und vermehrt sich auch nicht stark. „Dieses Jahr gehört sie möglicherweise eh zu den Verlierern, wegen des starken Regens“, meinte Friederike Schulze. Der Regen bremst die Fortpflanzung aus.

Der Bestand der Arnica montana, so der lateinische Name, die früher recht häufig vorgekommen ist, habe in den letzten Jahrzehnten deutlich abgenommen. Das hat ein Gutachten festgestellt, das Hessen-Forst bereits vor einigen Jahren in Auftrag gegeben hat. Der Bestand hat sich seither nicht verbessert. Wesentlich für den Erhalt der Art ist daher zunächst, den Bestand vorhandener Populationen zu schützen. Zu erfolgreichen Maßnahmen, um die echte Arnika zu schützen, gehören laut Gutachten Offenböden, Nährstoffarmut, viel Sonne und möglichst niedrig wüchsige Vegetation. Dünger verträgt die Heilpflanze auch nicht.

Doch zunächst muss nun ein Bewusstsein bei den Naturfreunden hergestellt werden. Und zwar für den Umstand, dass sie dabei sind, die letzten Bestände der Heilpflanze auszurotten, wenn sie diese ausgraben. Und Friederike Schulze bittet Spaziergänger oder Anwohner, Leute, die in den Wiesen graben, anzusprechen.

Sie hofft auch darauf, dass die Wiesen, auf denen die Arnika, aber auch andere Wild- und Heilpflanzen wachsen, später gemäht werden, damit sie Zeit zum Aussamen haben. Ein Beweiden der Wiesenflächen und das Rodeln im Winter wirke sich hingegen positiv aus. Es gebe im Boden Reizimpulse für neues Wachstum.

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