25-Millionen-Projekt

Ein Atriumhaus für die Neue Mitte

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Die Neue Mitte ist – neben der Entwicklung von weiteren Baugebieten – eines der wichtigsten Themen beim „Masterplan 2040“. Jetzt liegt ein erster Vorschlag auf dem Tisch.

Die Bürger sollen die Neue Mitte planen. Das hatte Bürgermeister Thomas Pauli (SPD) noch im Oktober in einem Gespräch mit dieser Zeitung gesagt und den Masterplan Stadtentwicklung als eine gute Gelegenheit dafür genannt. Zwei, die sich hier ebenfalls einbringen wollen, sind der in Stuttgart ansässige Architekt Rainfried Rudolf und die Immobilienmaklerin Siegrun Kauf, die in Hausen-Arnsbach lebt. Die beiden vertreten die Baugemeinschaft „Mitte“, die gegenüber dem Feldbergcenter und neben dem Bürgerhaus ein Mehrgenerationenhaus bauen möchte.

Über die der Stadt gehörende Fläche an der Adolf-Reichwein-Straße wird seit vielen Jahren diskutiert. Schon mehrfach ist versucht worden, das Gelände zu verkaufen und bebauen zu lassen – beispielsweise mit einer Senioren-Residenz und ein paar Geschäften. Allerdings: Alle bislang von Investoren ins Spiel gebrachten Entwürfe wurden wieder verworfen und als zu massiv kritisiert. Auch gibt es viele Bürger, die das Gelände am liebsten belassen würden, wie es ist – mit Park- und Grünflächen.

Jetzt also ein neuer Entwurf, und der macht, so wie ihn Rudolf und Kauf anhand einer 30-seitigen großformatigen Broschüre mit vielen Visualisierungen und Plänen präsentieren, ganz schön was her. Geplant ist ein dreigeschossiges überdachtes Atriumhaus mit Dachgärten und einer zweigeschossigen Tiefgarage mit 215 Stellplätzen, die sowohl den Bewohnern als auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen sollen. Die 56 Wohneinheiten sind zwischen 45 und 120 Quadratmeter groß und voll verglast. Im Erdgeschoss des Gebäudes, das sich an den Höhen der umliegenden Bauten orientiert, ist Platz für eine 3500 Quadratmeter große Gewerbefläche, und auch hier gibt es schon Pläne: 2800 Quadratmeter soll der Handelskonzern Rewe übernehmen, der bekanntlich schon lange mit seiner Lage im Untergeschoss des Feldbergcenters unzufrieden ist. Gespräche seien, so versichert der Architekt, bereits geführt worden.

Ein Atriumhaus ist, findet Rudolf, auf Grund der kommunikationsfördernden Transparenz und den belebten Freiflächen im Inneren perfekt dazu geeignet, gemeinschaftlich zu leben – sofern man das möchte. „Das geht sozial sehr gut“, sagt er. Und deshalb sollen zehn Prozent der 5000 Quadratmeter großen Grundfläche auch entsprechend genutzt werden. Allen Bewohnern stehen gemeinsame Räume zum Wäschewaschen, Musikhören, Diskutieren, Sporttreiben und Fahrradabstellen zur Verfügung. Außerdem sind eine Werkstatt und ein 100 Quadratmeter großer Versammlungsraum geplant, in dem auch Feste stattfinden können.

Das Projekt soll zudem ein Passivhaus werden, sagt Rudolf, der bereits vor 25 Jahren das erste Haus ohne Heizung gebaut hat. Er hat dieses immer weiterentwickelt und vor 15 Jahren die Bauform des Atriumhauses daraus abgeleitet. Er lebt selbst in einem solchen Gebäude und verweist auf dessen Vorteile. Trotz der momentanen Kälte herrschten in den Wohnungen derzeit 25 Grad, in dem „inneren Außenraum“ immerhin noch 21 Grad.

30 „stabile Interessenten“ haben Rudolf und Kauf bereits akquiriert, die meisten von ihnen Senioren, die aus ihrem Einfamilienhaus raus möchten und in eine Wohnung ziehen wollen. Willkommen sind aber auch jüngere Interessenten, die sich an der Baugemeinschaft beteiligen möchten. Einer Gemeinschaft, in der die Aufgaben der Bauherren das Architekturbüro von Rudolf, „Buena Vista Socialarchitecture“, übernimmt. Dieses fungiert als Dienstleister und berechnet Architekten-Honorare. „Die Bauträger-Marge von bis zu 50 Prozent wird eingespart“, sagt Rudolf. Auf genaue Kosten möchte er sich noch nicht festlegen, rechnet aber mit etwa 4000 Euro pro Quadratmeter.

Der 71-Jährige möchte sich mit dem 25-Millionen-Projekt in Neu-Anspach ein zweites Standbein aufbauen und auch selbst dort einziehen – gemeinsam mit der 65 Jahre alten Siegrun Kauf. Die beiden haben bereits das Gespräch mit allen im Parlament vertretenen Fraktionen gesucht und sind – weitgehend – auf „Euphorie“ gestoßen. Ihnen ist es wichtig, aus der Neuen Mitte wirklich eine „lebendige Stadtmitte“ zu machen, denn „einzig und allein am Feldbergcenter und seinem Umfeld“ liege das Potenzial dafür vor, finden Rudolf und Kauf, die sich nun, wie eingangs erwähnt, am „Masterplan 2040“ beteiligen werden und in der Gruppe „Siedlung, Wohnen, Gewerbe“ mitarbeiten möchten. Hier wollen sie ihre Gedanken „öffentlich und verständlich machen“ und sind schon jetzt gespannt auf die Resonanz. Und welchen Zeitplan verfolgen sie mit ihrem Bau? „So früh wie möglich.“

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