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Die Hugenottenkirche mit den beiden Wohnhäusern zu ihren Seiten war schon immer ein pittoreskes Ensemble. Nur wenigen ist bekannt, dass es auf der Rückseite des Gotteshauses auch einen kleinen Friedhof gab, auf dem viele Mitglieder der reformierten Gemeinde bestattet wurden.

Letzte Ruhestätte

Auch die Hugenottenkirche hatte einst eine Gruft und einen eigenen Totenhof

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Der Zahn der Zeit nagt bis heute an der vor über 300 Jahren gebauten Hugenottenkirche. Über sie und ihren Baumeister berichtet die Taunus Zeitung in einer dreiteiligen Serie. Heute lesen Sie im zweiten Teil, der sich den Spuren der Vergangenheit widmet, über die Menschen, die hier ihre letzte Ruhe fanden. Denn um und in der Kirche wurden einst viele Neustädter bestattet – nicht nur französische Glaubensflüchtlinge und deren Nachfahren.

Die sogenannte Hugenottenkirche am Alten Marktplatz in Usingen wird zurzeit aufwendig renoviert, und wie sie ursprünglich ausgesehen hat, wurde an dieser Stelle kürzlich dargestellt. Die bauliche Hülle ist einer, die Funktion und Nutzung des Gebäudes ein weiterer wichtiger Aspekt, der ebenfalls eine nähere Betrachtung wert ist.

Die Kirche sollte den französischen Calvinisten, die ab 1685 Frankreich verlassen mussten, für ihre Gottesdienste dienen. Die Calvinisten wurden in ihrer neuen Heimat Usingen am 8. August 1700 mit Privilegien empfangen: „Wurde den sich hier niedergelassenen Calvinisten von Ihro Durchl. Dem Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn Walrad Fürst zu Nassau erlaubet, erstmals in dieser Stadt auf dem Rathaus calvinistisch zu predigen, folgenden Tages wurde der erste Stein zu der neuen calvinistischen Kirche in der Neu-Stadt gelegt . . .“, heißt es dazu in Berichten aus der Bauzeit.

Die Grundsteinlegung wurde, so ist ebenfalls überliefert, vom Homburger Hofprediger begleitet. Im Gebiet der damaligen Landgrafschaft Hessen Homburg ließen sich nicht nur in Friedrichsdorf und Dornholzhausen Glaubensflüchtlinge nieder, sondern sie wurden auch in der Homburger Neustadt ansässig, wo sie in der Schlosskapelle Gottesdienste abhielten, bevor sie auf dem französisch-reformierten Friedhof 1718 eine eigene Kirche bekamen.

Der Friedhof der reformierten Usinger Gemeinde lag hinter der Hugenottenkirche, dort, wo heute Parkplätze angelegt sind. Den hinteren Eingang gab es damals noch nicht. Schätzungsweise fanden hier rund 350 Gemeindemitglieder ihre letzte Ruhe. Wie der Friedhof angelegt war und wer namentlich dort bestattet wurde, ist bisher nicht bekannt beziehungsweise erforscht. Über die Bestattungen im Inneren allerdings ist weit mehr bekannt.

Die Kirche selbst war schlicht ausgestattet, denn auch für die Calvinisten bestand ein Bilderverbot. Der Altar war ein Abendmahl-Tisch und stand in der Mitte vor der rückwärtigen Wand. Auf ihn nehmen einige Bestattungsplätze Bezug. Aus einem Schreiben des Pfarrers geht hervor, dass auch bereits 1705 eine Gruft geplant war.

Im Jahre 1727 verstarb die erste Ehrendame der Fürstin Maria Magdalena von Donop. Sie gehörte der reformierten Gemeinde an und wurde „rechter Hand unter dem untersten Weiberstuhl, da man aus dem Gang in die Kirche eingehet“ beigesetzt.

Auch einige weitere Bestattungen in der Kirche sind bekannt: 1740 Johann August Tillemann, Regierungsrat, 1743 Maria Clara Arnsdorff, „lag unter der Orgel“, 1719 Sophia Elisabetha von Donop, 1721 Gottfried Christoph von und zu Lehrbach, „ober dem Tisch“, 1768 Theodore Louise von Donop „unter dem Altar“. Im Jahre 1733 verstarb die Schwester der Fürstin Charlotte Amalie: Sophie Auguste Fürstin zu Anhalt und geborene Prinzessin aus dem calvinistischen Haus Nassau-Dillenburg. Für sie wurde eine neue Gruft an der Außenseite der Kirche angebaut. Sie befand sich zur rechten Seite des Treppenturms und war vom Inneren des Turms aus zugänglich. Die Gruft wurde 1808 wegen Baufälligkeit abgetragen und der fürstliche Leichnam in die Gruft der Laurentiuskirche überführt.

Die in der Kirche beigesetzten Personen waren alle höheren Standes und sicher keine gewöhnlichen bürgerlichen Gemeindemitglieder.

Aber allen gemeinsam war das reformierte Bekenntnis, und das zeigt, dass es keineswegs nur Hugenotten waren, die der reformierten Usinger Neustadtgemeinde angehörten. Tillemann wohnte im herrschaftlichen Haus in der Neustadt. Dort wohnt auch später ein Loener von Laurenburg und wieder später erwarb es eine Generalin von Otten zu Hanau.

Auch Theodore Louise von Donop besaß ein Haus in der Neustadt und hinterließ dieses der reformierten Gemeinde. Die Pfarrer Bensen, Dilthey und Stöhr wohnten ebenfalls in Häusern in der Neustadt, vermutlich im Klapperfeld. Zumindest zur Mitte des 18. Jahrhunderts sind auch zahlreiche Handwerker in der Neustadt zu finden. So lebten dort unter anderem ein Strumpfweber namens Weidenbach, ein Schneider namens Hännel, ein Metzger namens Jung, ein Glaser namens Pfeil sowie ein Nagelschmied namens Herrmann.

Die Neustadt war zunächst eine selbstständige Gemeinde, deren Bürger steuerliche und andere Vorteile genossen. 1715 wurde sie in die Residenzstadt Usingen eingegliedert. Die Kirchengemeinde aber bestand noch bis zur nassauischen Kirchen-Union 1817.

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