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Das Hauskonzert im Hause Groh mit Heike Matthiesen war spanisch und klassisch.

Für den Augenblick

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Zu ihrem zehnten Hauskonzert lud Veranstalterin Esther Groh eine klassische Gitarristin in ihr Konzert-Wohnzimmer ein. Heike Matthiesen kam mit einem spanischen Programm.

Ein kleines Jubiläum: Zum zehnten Mal fand im Wohnzimmer der Familie Groh auf dem Brunhildensteg ein öffentliches Konzert statt. Es scheint, als ob die Hausherren eine Nische gefunden haben und das Angebot ein Selbstläufer ist. Aber dahinter steckt auch ein professionelles Management, denn zum „Home-Konzert“ gibt es eine Homepage, die keine Wünsche offen lässt – von der Dokumentation vergangener Konzerte über das kommende Programm bis hin zur Kartenreservierung. Die Website ist gleichzeitig ein Forum für Künstler, die eingeladen sind, ihr Repertoire vor einem Publikum „zu testen“.

Letzteres war beim jüngsten Konzert wohl kaum nötig, denn mit Heike Matthiesen war eine routinierte Künstlerin zu Gast, und das Programm war, im positiven Sinn, Routine. Es bestand aus einem Querschnitt der Standards aus der klassischen Gitarrenliteratur wie Fernando Sor, Isaac Albeniz und vor allem Francisco Tárrega.

Die Gitarre ist ein Instrument mit begrenzter Reichweite und deshalb prädestiniert für Konzerte im kleinen Rahmen. Das empfand, wie sie sagte, auch die Gitarristin so. Zwischen ihrer Fußspitze und den Knien in der ersten Reihe lagen nur Zentimeter, jeder Griff, jeder Saitenrutscher, jeder subtile Anschlag war zu hören, handgemacht für den Augenblick, geschöpft aus dem kreativen Fundus der Künstlerin.

Für 60 Besucher sind die Konzerte ausgelegt, zwei Geschosse öffnen sich zum Wohnbereich wie Emporen, und erstmals war auch die obere Etage einbezogen. Wie im Olymp eines Theaters saßen dort die Zuhörer, im speziellen Fall vor allem Kinder, denn das Hauskonzert hat auch etwas von einem Familienkonzert. „Es sind heute mehr Kinder dabei, weil viele auch selbst Gitarre lernen“, sagte Hausherr Ralf Groh.

Von Matthiesen konnten sie sich fürwahr viel abschauen, vor allem aber ihren Zugang zur klassischen Musik ausbauen. Auch die erwachsenen Zuhörer nahmen außer dem Musikerlebnis noch viel mit, denn Matthiesen gab so manches Wissenswerte über die Werke und ihre Komponisten weiter.

Tárrega beispielsweise sei der Liszt der Gitarrenmusik und habe Spieltechnik und Komposition erneuert, erklärte sie. Gleich fünf Stücke von Tárrega hatte sie im Programm und rundete dieses auch mit zwei Kompositionen des Erneuerers ab: dem wunderbar vorgetragenen „Capricho arabe“ mit seinen sentimentalen Passagen und dem temperamentvollen, tremolodurchsetzten „Recuerdos del Alhambra“. Der war auch ein weiteres Werk gewidmet, das aus den Standards hervorstach. „Eine absolute Rarität“, kündigte Matthiesen Maria Dolores de Goñi an, die 1813 in Madrid geboren wurde und das Standardprogramm des Hauskonzerts mit den bekannten Gitarrenwerken durchaus bereicherte. Die Standards der Gitarrenliteratur wurden ursprünglich gar nicht für Gitarre geschrieben, erklärte Matthiesen. Beispielsweise komponierte Isaac Albéniz hauptsächlich für Klavier. Bekannt und berühmt sind seine Suiten – unter anderem die Suite española, aus der Matthiesen Sevilla und Asturias wiedergab.

Fernando Sor und Enrique Granados waren weitere Komponisten, und wem der Abend deshalb spanisch vorkam, lag richtig, auch wenn Matthiesen mit Mozart-Variationen von Sor das Konzert eröffnete. Sie beschloss es mit „einer Melodie, die Sie alle kennen“, sagte die Künstlerin und ließ „La Paloma“ erklingen. Geschrieben hat die Habanera der Spanier Sebastián de Yradier.

Matthiesen stammt aus Braunschweig, studierte mit 19 Jahren bereits bei Heinz Teuchert in Frankfurt, legte die künstlerische Reifeprüfung bei Thomas Bittermann ab, war Meisterschülerin von Pepe Romero und besuchte zahlreiche Meisterkurse unter anderen bei internationalen Gitarrenlehrern. Sie konzertiert als Solistin, in Kammermusikbesetzungen und ist gefragte Musikern in Orchestern. Weitere Informationen über die Veranstaltungsreihe gibt es unter .

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