Die Acht von der Kirchenbaustelle: Die Idee zu dem kleinen Azubi-Workshop an der Ruine Landstein hatte Landrat Ulrich Krebs (vorne links), der den dreitägigen Einsatz auch selbst mit eigenen Händen begleitet hat.
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Die Acht von der Kirchenbaustelle: Die Idee zu dem kleinen Azubi-Workshop an der Ruine Landstein hatte Landrat Ulrich Krebs (vorne links), der den dreitägigen Einsatz auch selbst mit eigenen Händen begleitet hat.

Viele Freiwillige bei Ausgrabungen im Usinger Land

Azubis und Landrat packen bei Ruinengelände am Landstein mit an

  • VonAlexander Schneider
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Mit jeder Grabung finden sich neue Hinweise auf die Geschichte

Usinger Land Dr. Joachim Zeune hat der Kirchenruine Landstein in den vergangenen Jahren mehr Geheimnisse entrissen, als er bei Aufnahme der Grabungsarbeiten selbst für möglich gehalten hätte. Inzwischen sind die Arbeiten, was ihn angeht, fast abgeschlossen - ein paar Restarbeiten noch im Oktober, dann war es das für Zeune, der sich dann höheren Aufgaben - der Sanierung des Eppsteiner Burgturms - widmen kann, dem ohne Landstein aber auch etwas fehlen wird. Die Ruine hat sich bei dem Burgenforscher, der die Grabungen am Landstein leitet, zu einem Herzensprojekt entwickelt. Nicht nur der Arbeit wegen, sondern auch wegen des "tollen Haufens", wie er sein aus Freiwilligen zusammengewürfeltes Grabungsteam nennt und von dem er nun bald Abschied nehmen muss.

"Ich habe schon an vielen Projekten mit Freiwilligen gearbeitet, eine Truppe, die wie hier am Landstein, so engagiert zusammenarbeitet, findet man nicht überall", befällt Zeune so etwas wie Wehmut. Der verfliegt aber schnell, wenn ihm bezeugt wird, dass er sich selbst immer treu geblieben ist: Ohne dass er etwas neues, teils spektakuläres entdeckt hat, hat er die Baustelle nämlich nie verlassen. Er kam gewissermaßen um zu finden.

Die innere Kirche

So auch dieses Mal: Dass die schon seit Jahren sichtbare Trockenmauer nicht der Rest der rechten Seitenwand der Kirche war, war sehr schnell klar. Nun aber fanden Zeunes "Mauerspechte" heraus, dass die aus dem 19. Jahrhundert stammende Mauer wohl auf der alten, um 1480 auch als Stützmauer errichteten Kirchhofmauer gründet. Die Mauerreste haben allerdings statische Probleme, sie müssen durch einen aus auf dem Gelände gefundenen Steinen gemauerten Stützpfeiler gegen Abrutschen gesichert werden. Gefunden wurden auch Reste zweier dicht beieinanderstehender Mauern mit nur wenigen Zentimetern Luft dazwischen, wobei die innere auch noch außen verputzt war: "Das waren die Seitenwände der mehrfach erweiterten Kirche, die innere wurde nicht ganz abgetragen, sondern diente Gottesdienstbesuchern als Sitzbank", erläutert Zeune.

Zeune freut sich über die Hilfe

"Viele Hände, schnelles Ende", ist nicht unbedingt ein Motto von Joachim Zeune, für den die Kraft des Forschens eher in der Ruhe liegt. Dennoch freute er sich diese Woche über zahlreiche zusätzliche helfende Hände. Es hatte sieben Auszubildenden aus dem Landratsamt ins idyllische Weiltal verschlagen. Landrat Ulrich Krebs (CDU) hatte die Idee, dass die jungen Leute einmal für drei Tage Schreibtisch und PC gegen die Arbeit an der frischen Luft tauschen, eine "Win-Win-Situation" für alle. "Die kann man richtig gut gebrauchen", lobte Zeune seine Grabungseleven und auch ihren Chef. Der Landrat hatte es sich nämlich nicht nehmen lassen, die drei Tage selbst grabend, Unkraut jätend und verfugend zu erleben. Nicht um die jungen Leute zu kontrollieren, sondern weil es ihm selbst riesigen Spaß gemacht hat. "Cooler Typ", meinte denn auch Zerkman Zerkmanov, mit Niklas Schäfer einer der beiden Hähne im Korb voller Küken: Viktoria Maurer, Alexandra Ledwon, Alina Will, Jessica Ye und Monja Fischer packten aber ebenso gut mit an, Viktoria sei sogar ein richtiges Verfugungstalent, meinte Zeune.

"Ein super tolles Projekt, schön, dass wir etwas dazu beitragen konnten", freut sich Alexandra und Monja findet es gut, dass sie nicht nur ihren Chef, sondern auch die Azubis untereinander einmal etwas näher kennenlernen konnten.

Ziel des Landrats: 2022 für Besucher öffnen

Zerkman, der mazedonisch-osmanische Wurzeln hat und sehr an Religionsgeschichte interessiert ist, sagte: "Damit muss man sich befassen, Gegenwart versteht man nur wenn man die Vergangenheit kennt, ich bin stolz, dabei sein zu können."

Landrat Krebs ist guter Hoffnung, dass die sanierte Kirchenruine im kommenden Jahr der Öffentlichkeit übergeben werden kann. Ob es allerdings wie geplant bereits zu Pfingsten sein wird, könne er nicht garantieren: "Wir arbeiten daran, bis Sommer sollte es aber klappen." Die Arbeiten sind fast fertig. Bald soll die Seitenkammer des Westwerks ein Glasdach bekommen. Darin soll ein kleines, nur von außen zu betrachtendes, Museum entstehen.

Alexander Schneider

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