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B-275-Baustelle: Ärger und Ansporn

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Die Bagger rollen zwar nur in Höhe der Gaststätte Schöne Aussicht, doch gesperrt ist die Neutorstraße (B 275) als Ganzes. Betroffenen Geschäftsinhabern treibt die Straßensperrung Sorgenfalten auf die Stirn, sie haben nun selbst die Initiative ergriffen.

Das neue Schild zeigt Wirkung: Die Autofahrer nehmen in der Kreuzgasse / Ecke Zitzergasse in Höhe des ehemaligen Forums nicht nur die „Durchfahrt verboten“-Sperrung wahr, sondern auch das Schild „Zufahrt Geschäfte Neutorstraße Frei!“. Das steht sowohl am Restaurant „Quan Lam“ in der Kreuzgasse (rechts, von der Obergasse kommend) als auch auf dem Banner an der Mauer auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Am gestrigen Markttag war sogar zu beobachten, dass ein Auto etwa eine Minute davor stehen blieb. . .

Aufgehängt hat die Schilder Martin Brehm von der Amts-Apotheke am Alten Marktplatz am vergangenen Dienstag, zusammen mit anderen betroffenen Geschäften. Die Bundesstraße 275 wird für die für die Dauer von rund zwei Jahren umfassend saniert. Federführung hat die Stadt Usingen. Betroffen sind unter anderem die vielbefahrene Neutorstraße, Kreuz- und Zitzergasse. Der erste von sieben Abschnitten umfasst den Bereich zwischen Wilhelm-Martin-Dienstbach-Straße / alten Stadthalle und Egerländer Straße.

Am vergangenen Samstag, der zweite Tag der Sperrung, habe er maximal die Hälfte der Kunden gehabt, verglichen mit einem üblichen Samstag, sagt Brehm, viele seien noch sehr verunsichert, „man sieht die Leute zweifeln“. An manchen Tagen sei es in der Neutorstraße so leer, dass man schon fast die

Autos zählen

können, habe er beobachtet.

Daher hat Brehm die Initiative ergriffen und privat das Schild in Höhe des Forums aufgehängt. „Ich hoffe, dass die Stadt uns unterstützt“, sagt Brehm (was der Bürgermeister dazu sagt, lesen Sie in der Info-Box).

Er habe die Besitzerin des Hauses sowie die Geschäftsleute darin um Erlaubnis gefragt und sich beim Ordnungsamt und beim Kreis erkundigt, ob sie da ihr Schild aufhängen dürfen. „Die Aussage war, dass es erlaubt ist, solange wir nichts an der Baustelle ändern“, sagt Brehm. Warum direkt am „Anlieger-bis-Baustelle-frei-Schild“ kein Hinweisschild auf die Geschäfte durch die Verkehrsbehörde angebracht wurde, beantwortet eine Kreissprecherin so: „Schilder auf einzelne Geschäfte oder Wochenmärkte kennt die Straßenverkehrsordnung nicht.“

Der Chef der Schönen Aussicht, Patrick Kleinhenz, sieht die Baustelle deutlich weniger kritisch, im Gegenteil: „Sie begeistert mich!“ Der vergangene Sonntag sei „besser denn je“ gewesen, sagt Senior-Chefin Renate Elsner. Die Straßensperrung sei für ihn ein Ansporn, neue Werbemaßnahmen auszuprobieren, sagt Kleinhenz.

Beim erst Mitte September eröffneten Action-Markt will man noch nicht von Einbußen durch die Baustelle sprechen, so Kim Radak, Leiterin der Abteilung „Marketing & Kommunikation“. Ähnlich äußern sich Efim Goldenberg, Mitarbeiter des „Goldi-Markt“ schräg gegenüber sowie die Chefin vom „Gänseblümchen“, Christine Falkenberg. „Im Moment sind wir noch zufrieden“, sagt sie.

Deutlich negativer sieht die Baustelle der Inhaber des Naturkostladens Momo, Uwe John. „Es weiß kaum jemand, dass man die Neutorstraße fast vollends befahren kann“, sagt John. Fast täglich rufe er beim Straßenverkehrsamt des Kreises an, um auf die Problematik hinzuweisen. Und gerade ältere Verkehrsteilnehmer würden so ein Sperr-Schild nicht einfach ignorieren. „Die haben Angst, dahinter in ein Loch zu fallen.“ Er geht davon aus, dass er am vergangenen Samstag ein Kunden-Minus von rund 30 Prozent gemacht hat.

Einige Ladenbesitzer in der Neutorstraße setzen auf das Internet, um ihre Kunden trotz Baustelle bei Laune zu halten. Zum Beispiel postet Brehm regelmäßig Infos auf der Facebook-Seite der Amts-Apotheke. Kleinhenz will eine Grafik auf die Homepage der Schönen Aussicht stellen. Zudem hat er mittlerweile ein eigenes Hinweisschild an der neuen Absperrung in Höhe der Fritz-Born-Straße sowie in Höhe des ehemaligen Forums angebracht. Streng genommen ist das aber verboten...

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