Bachblüten-Bonbons gegen Lampenfieber

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Seit 17 Jahren bietet der Mendelssohn-Wettbewerb jungen Kammermusikern die Chance ihr Können vor einer Jury unter Beweis zu stellen. Erfolgreiche Preisträger sind in diesem Jahr die Schwestern Anna-Maria und Theresa Farnung aus Arnoldhain.

Sie sind so verschieden wie Schwestern eben sein können. Aber eines haben sie gemeinsam: Die Liebe zur klassischen Musik. Die 15-jährige Anna-Maria Farnung spielt Violine, ihre zwölfjährige Schwester Theresa Viola. Beide haben bei Jugend musiziert mehrfach auf sich aufmerksam gemacht und sind Mitglieder im Jugendsinfonieorchester des Hochtaunuskreises. Beim Mendelssohn-Wettbewerb in Kronberg haben sie jetzt bewiesen, dass sie in ihren Altersklassen auch zu den Besten in der Kulturregion Frankfurt/Rhein-Main gehören.

Wegen des Altersunterschiedes spielen sie in zwei verschiedenen Trios, die beide extra für den Wettbewerb gegründet wurden. Seit Ostern hat Theresa zusammen mit dem 13-jährigen Henrik Pless (Klavier) aus Ober-Mörlen und der 15-jährigen Hannah Leah Fries (Violine) aus Frankfurt geprobt.

Klar muss jeder die eigene Stimme beherrschen. Doch im Trio müssen sie sich auch aufeinander einstellen, damit es ein Ganzes wird. Und da hilft nur eins: Immer wieder gemeinsam Üben. Zwei bis dreimal pro Woche haben sie sich getroffen, im Wechsel unter Anleitung eines Musiklehrers. Kurz vor dem Auftritt fand dann noch ein Probenwochenende in der Musikschule in Bad Nauheim statt.

Das Allegro und das Andante aus dem „Trio facile“ von Berthold Hummel sowie zwei russische Lieder von Michael Glinka hatten sie sich für den Wettbewerb vorgenommen. Zwei so unterschiedliche Werke – das ist alles andere als leichte Kost für die jungen Musiker, die ja beim Vorspiel auf sich alleine gestellt sind. „Das schwierigste ist das Anfangstempo“, stellten sie kürzlich unisono nach dem zweiten Aperitifkonzert im Martin-Niemöller-Haus in Arnoldshain fest. Weil die Stücke einmal einstudiert sind, nutzen sie jede Gelegenheit für einen Auftritt vor Publikum.

Da kommt dann nämlich noch die Sache mit dem Lampenfieber dazu. Für Theresa scheint das ein Fremdwort zu sein. Souverän und sehr beherrscht, fast schon cool spielte die Jüngste im Trio ihre Stimme. Immer wieder suchte sie den Blickkontakt zu ihren Mitspielern. Hochkonzentriert war das junge Trio im Altkönig-Stift in Kronberg-Oberhöchstadt als eine Fachjury ihr Vorspiel mit 29 von 30 erreichbaren Punkten bewertete.

Einen Punkt mehr und damit die Höchstpunktzahl und ebenfalls einen ersten Platz sicherte sich die klassische Trio-Besetzung mit Anna-Maria an der Violine, dem 15-jährigen Pianisten Yunus Gülegen aus Frankfurt und dem 16-jährigen Cellisten Daniel von Savigny aus Bad Homburg. Auch sie hatten bereits bei den Aperitifkonzerten gezeigt, was in ihnen steckt. Spieltechnik, Sicherheit in den einzelnen Stimmen und präzises Zusammenspiel ist für sie die Basis. Weil sie schon etwas älter und musikalisch reifer sind, wissen sie: „Auf den Ausdruck kommt es an.“ Da boten sich ihnen in Beethovens Triosonate D-Dur op. 70 Nr. 1, dem sogenannten Geistertrio, und in dem emotionsgeladenen Klaviertrio Nr. 1 c-moll, op. 8 von Schostakowitsch jede Menge Möglichkeiten.

Beethovens stürmische Passagen mit irrwitzig schnellen Läufen meisterten die jungen Interpreten couragiert, aber ohne den Bogen zu überspannen, und mit traumwandlerischer Sicherheit. Aber wie würden sie Schostakowitschs Komposition angehen mit ihren Stimmungsschwankungen und rhythmischen Raffinessen? Ganz unbefangen spürten sie sich in die bisweilen melancholische Musik hinein, die doch zu einer Art Aufbruch drängt, der alles andere als jugendlich ungestüm, sondern sehr bedacht daher kam.

„Wenn man in der Musik drin ist, merkt man nicht mehr, dass man beurteilt wird“, erzählte Anna-Maria. Obwohl sie sich drei Monate lang optimal vorbereitet hatten, waren sie vorher ziemlich aufgeregt, weil sie als Letzte dran waren. Mit Bachblüten-Bonbons, mentalen Tricks und der Gewissheit, dass die schweren Stellen bisher immer geklappt haben, konnten sie Ruhe bewahren.

Wer die jungen Künstler noch einmal hören möchte, sollte die nächsten Aperitifkonzerte in der Gemeinde Schmitten nicht versäumen. Das nächste findet am Sonntag, 5. Juni um 15 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus in Treisberg statt.

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