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Ralf Müller und der Gewerbeverein würden einen Umzug des Lidl-Marktes bevorzugen.

Neupositionierung des Lidl-Marktes

Bahnhofstraße muss aufgewertet werden

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In Usingen stehen wichtige Entscheidungen an. Allen voran die Veränderung des Lidl-Marktes. Der Gewerbeverein bringt zu den beiden vorhandenen Planvarianten noch eine dritte ins Spiel und warnt vor vorschnellen Entscheidungen.

Die Neupositionierung des Lidl-Marktes in der Bahnhofstraße beschäftigt derzeit die städtischen Gremien. Am 19. Februar stehen die Pläne auf der Agenda der Stadtverordnetenversammlung. Den Aufstellungsbeschluss für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan für ein Sondergebiet hat das Parlament bereits im Dezember gefasst. Lidl legte der Stadt dazu zwei Varianten vor, wie der neue Markt am bestehenden Standort positioniert werden soll. Nachbargrundstücke hat der Discounter bereits erworben.

Dass die Stadt allerdings binnen relativ kurzer Zeit der Beratung bereits grünes Licht geben will, hält der Gewerbeverein für verfrüht. Die Gewerbetreibenden wollen vor einer endgültigen Entscheidung am 19. Februar weitere Denkanstöße geben.

„Die Stadt muss sich zu diesem Zeitpunkt mit der Entscheidung gar nicht beeilen, denn es gibt mehrere Gründe, warum eine finale Positionierung abgewartet werden sollte“, sagt Ralf Müller, Vorsitzender des Gewerbevereins im Gespräch mit dieser Zeitung. Und mit dieser Sichtweise sei er auch nicht alleine, betont er. Die Anregungen und Überlegungen stammen aus dem gesamten Vorstand des Gewerbevereins, der mehr als nur die Innenstadthändler vertritt.

Die Stadt sei nun in der komfortablen Situation, dass sie in das Förderprogramm städtebaulicher Denkmalschutz aufgenommen sei. Ein Ziel des Förderprogramms sei die „Steigerung der gestalterischen Qualität im öffentlichen Raum vor“, zitiert Müller. Das biete eine Chance, die Usingen nutzten sollte.

Damit sei auch die Erstellung eines städtebaulichen Konzepts verbunden, „das Ende Oktober fertig sein muss“, begründet Müller die Haltung des Vereins. Das Konzept biete der Stadt nicht zuletzt die Chance, die offensichtlich nicht architektonisch nachhaltige Bauweise des Lidl-Marktes am Neuen Marktplatz/Bahnhofstraße positiv zu verändern. Insgesamt sei die Gestaltung des Neuen Marktplatzes nicht so ansprechend gelungen, wie es sich die Usinger erhofft hatten.

„In der Innenstadt Urbanität zu schaffen und dort Arbeiten und Wohnen zu vereinen, sollte die wichtigste Prämisse sein“, betont Müller. Da komme das Förderprogramm sehr gelegen. Damit könnte die Stadt nachhaltig gestalterisch planen. „Das Plangebiet umfasst nicht nur das ehemalige Sanierungsgebiet, sondern schließt auch die Bahnhofstraße mit ein. Das wiederum eröffnet neue Möglichkeiten“, sagte Müller.

Eine der Möglichkeiten und der wichtigste Denkanstoß für die politischen Entscheider sei die Frage, ob sich Lidl nur und ausschließlich am bestehenden Standort verändern kann oder soll. Aus Sicht des Gewerbevereins komme nämlich auch ein Neubau in der Weilburger Straße in Frage, was aus Sicht des Gewerbevereins eine echte Chance wäre.

5000 Quadratmeter Fläche gebe es dort von einem Privatanbieter, der verkaufen würde. Das habe der Gewerbeverein bereits vor einem Jahr abgeklärt „und dieser Tage wurde das auch noch mal von den Grundstücksinhaber bestätigt“, betont Müller.

Für den Discounter sei das aus Sicht des Gewerbevereins keine Verschlechterung. An der Weilburger Straße gebe es zum einen bereits Märkte und zum anderen sei die Verkehrsanbindung samt Kundenfrequenz gegeben. Dem Einwand, dass die Kunden, die derzeit zu Fuß zum Einkauf gehen können, dann eine Steigung in Kauf nehmen müssten, widerspricht Müller. „Wer an der Weilburger Straße wohnt, der muss dann eben runter und mit den bepackten Tüten wieder hochlaufen.“

Dem Discounter habe Müller den Vorschlag bereits gemacht. Allerdings habe es wohl keine Gespräche mit Grundstückseigentümer und Lidl gegeben. Für den Fall, dass der Discounter umziehen solle, hätte der Gewerbeverein auch bereits Ideen, was die Nutzung des aktuellen Discounter-Standorts angeht.

„Vorstellbar ist dort eine Mischung aus Handel, Dienstleistung und Wohnen“, sagt Müller. Ein Konzept quasi, wie es die Wehrheimer bereits erfolgreich mit ihrer Mitte umgesetzt haben. Allerdings sollte es in Usingen optisch ansprechender gelöst werden.

„Wir könnten uns dort eine Art Wilhelmj-Galerie vorstellen“, sagt Müller. Die Idee kommt nicht von ungefähr. Denn das historische Geburtshaus des Geigerkönigs Wilhelmjs musste vor vielen Jahren dem Zweckbau der Volksbank weichen. Heute erinnert nur noch ein Gedenkstein an den einstigen Usinger Sohn, der in der Welt Karriere machte.

Zurückhaltung fordert der Gewerbeverein von der Politik auch vor dem Hintergrund der jüngsten Umstrukturierungen in der Führungsetage von Lidl. Nach dem Abgang des Deutschland-Chefs Marin Dokozic bleibe, so Müller, abzuwarten, ob das „Aufhübschen“ der Märkte weiterhin greife. Dass Lidl Usingen verlässt, glaubt Müller nicht. „Im schlimmsten Fall bleibt alles so wie es ist und Lidl verändert sich nicht“, prognostiziert er.

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