Bangert: Nicht voreilig auf Optionen verzichten

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Selten war die Gesprächsatmosphäre im Bauausschuss so aufgeheizt wie am Donnerstag. Ausschusschef Bernd Müller (FWG) und Bürgermeister Axel Bangert (SPD) sind regelrecht „aneinander geraten“.

Selten war die Gesprächsatmosphäre im Bauausschuss so aufgeheizt wie am Donnerstag. Ausschusschef Bernd Müller (FWG) und Bürgermeister Axel Bangert (SPD) sind regelrecht „aneinander geraten“. Es ging um das bei der FWG inzwischen ungeliebte Baugebiet Bangert in Hasselbach. Dort gibt es seit Jahren einen fertigen, ruhenden Bebauungsplan, aber wenig Bereitschaft der Hasselbacher, die Bauplätze selbst zu bebauen oder zu verkaufen.

Nur wenige hatten sich in Gesprächen mit der Gemeinde bereit erklärt, sich an der Erschließung ihrer Grundstücke zu beteiligen. Das jedoch hatte die Gemeinde gefordert – will sie das Vermarktungsrisiko doch nicht alleine tragen. Das Problem dabei: Der Gebiet ist, zumindest mit den gängigen Quadratmeterpreisen von 105 Euro wirtschaftlich nicht zu entwickeln. Der Gemeindevorstand hatte seinerzeit mit großer Mehrheit die Aufgabe des Baugebietes empfohlen. Das war bereits einmal Thema im Bauausschuss und schon damals hätte die FWG am liebsten gleich einen Schlussstrich gezogen. Der Ausschuss entschied jedoch, erst einmal abzuwarten bis die Verwaltung mit der Grundlagenermittlung zur Wohnbauentwicklung in ganz Weilrod fertig ist. Das ist sie jetzt und so wurde sie am Donnerstag auch entsprechend diskutiert.

Gleichwohl beantragte Müller überraschend, dem seinerzeitigen Gemeindevorstandsbeschluss endlich Taten folgen zu lassen. Zu viele hätten sich schon viel zu lange mit dem Gebiet, für das es offenbar kein Siedlungsinteresse gebe, befasst. „Schluss mit dem Herumgeeiere“, echauffierte sich Müller, fand mit seinem überraschenden Vorstoß aber nur bei Marlis Teubert (Grüne) eine Verbündete.

Bangert warnte davor, vor Abschluss eines Gesamtkonzeptes für ganz Weilrod, vorschnell auf bestimmte Optionen zu verzichten. Vielleicht komme man ja zu dem Schluss, dass es in Hasselbach doch Sinn habe, Siedlungsflächen auszuweisen. Dann würde mit dem von Müller beantragten Beschluss „ein Haufen Geld versenkt“. Man müsse sicher auch ernsthaft überlegen, ob es nicht besser sei, die Pläne, im Baugebiet Hölle in Rod Seniorenwohnungen zu errichten, mangels Investoreninteresse aufzugeben und das Gebiet in Wohnbaufläche umzuwandeln. „Den Festplatz in Rod hätte ich dafür schon fünfmal verkaufen können“, sagte Bangert, wohlwissend, dass er damit ein besonders heißes Eisen anpackte, wie sich auch gleich in spontanen Redebeiträgen zeigte. Weiter verfolgt wurde dieser Ge-danke im Ausschuss freilich nicht.

Müller bestand auf Abstimmung über den „Bangert“. FWG und Grüne stimmten zu. Es hätte also gereicht. Der Beschluss ist jedoch ungültig, hatte Arno Hahn (SPD) doch auf die Unzulässigkeit des Vorgangs an sich verwiesen: „Es kann gar nicht abgestimmt werden, der Punkt steht überhaupt nicht auf der Tagesordnung!“

Hahn war es im übrigen auch, der in der recht emotionsgeladenen Debatte auf einen zwingend notwendigen Wandel in der Diktion hingewiesen hat. Weilrod müsse nach außen hin mehr mit seinen Werten als attraktiver Wohnstandort punkten und möglichen Interessenten dadurch bedeuten, dass es wachsen will und nicht nur wachsen muss.

Für Rolf Graefe (FWG) dürfte sich das Interesse an Bauland in Weilrod ohnehin auf wenige Ortsteile fokussieren, „eigentlich nur drei – Rod, Riedelbach und vielleicht Altweilnau“, sagte Graefe.

(as)

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