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Die Standfestigkeit war nicht mehr gegeben, also muss die Scheune von 1694 in der Scheunengasse weichen.

Ein Baudenkmal ist verschwunden

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Eine der letzte Scheunen aus der Zeit des Fürsten Walrad wurde jetzt abgerissen. Sie war ein Zeugnis der Stadtgeschichte mit ihrem großen Stadtbrand und den ehrgeizigen Wiederaufbauplänen des damaligen Landesherrn.

Wer gestern, sofern sie nicht gesperrt war, durch die Scheunengasse fuhr oder sich als Fußgänger an die Baustelle heranwagte, der konnte sehen, wie dort ein Bauwerk Stück für Stück „kleiner wurde“, bis nichts mehr stand. Nun klafft dort eine Baulücke.

Bei dem Bau handelte es sich um eine alte Scheune aus dem 17. Jahrhundert, welcher der Zahn der Zeit so zugesetzt hatte, dass sie nicht mehr zu erhalten war und zuletzt sogar Einsturzgefahr bestand. Das Fachwerkgebäude wird in der Denkmaltopografie des Hochtaunuskreises aufgeführt und war somit ein Baudenkmal. Aber auch dieser Status nutzt nicht viel, wenn die Substanz so marode ist und ein Erhalt in keinem Verhältnis zum Aufwand steht.

Details, warum der Abbruch besiegelt wurde, waren von der Unteren Denkmalschutzbehörde gestern nicht mehr zu bekommen, eine Stellungnahme bleibt abzuwarten.

Stattdessen sei an dieser Stelle ein Blick in die Geschichte gestattet. 1692 vernichtete ein großer Brand Teile der alten Oberstadt, die in den Folgejahren neu aufgebaut werden musste. Das geschah unter der Regentschaft des Fürsten Walrad, dessen Hofmaler und Baumeister Johann Emmerich Küntzel einen Masterplan erstellte.

Dieser verpasste der Neuanlage ein strenges rechtwinkliges Straßensystem das heute noch das Stadtbild prägt. Der Plan sah außerdem vor, dass sich die Wohnhäuser an den repräsentativen Straßenzügen aufreihten, während die Wirtschaftsgebäude im rückwärtigen Teil der Parzellen zu stehen kommen sollten. Dies wurde vollständig nur in der Scheunengasse umgesetzt. Von dieser waren die Höfe der Bürger erschlossen, während die Wohnbauten an der Obergasse sowie der Zitzergasse lagen.

Auch in der Scheunengasse sorgte eine einheitliche Bauflucht für eine geschlossene Bebauung, die durch zahlreiche Eingriffe und Abbrüche vor allem seit den 70er Jahren heute nur noch rudimentär wahrzunehmen ist. Die das Grundstück abschließenden Scheunen gaben der Gasse ihren Namen. Die Scheunentore waren jeweils zugleich Wirtschaftseinfahrten.

Im Falle der jetzt abgebrochenen Scheune hatte der Haus- und Hofbesitzer sich namentlich im Sturzbalken der Toreinfahrt verewigt und dort auch das Baudatum der Scheune hinterlassen. Der Balken trägt die Jahreszahl 1694 und den Namen „L Pletz“.

Bei diesem, vermutlich der Hausherr, dürfte es sich um den Haus- und Grundstückseigentümer zur Zeit des Stadtbrandes gehandelt haben, der den Hof bewirtschaftet und im Wohnhaus an der Zitzergasse gewohnt hat. Dieses besaß ebenfalls eine Toreinfahrt von der Zitzergasse aus, denn das Grundstück war insgesamt so steil abfallend, dass es in einen oberen und einen unteren Hof mit unterschiedlichen Höhen geteilt war.

Die jetzt abgerissene Scheune war eine einfache Fachwerkkonstruktion, dessen Gefache mit Lehmstakwerk geschlossen waren. Diese Füllungen waren beim Abbruch noch zu sehen, unübersehbar waren aber auch die inneren sehr umfangreichen Veränderungen seit der Bauzeit.

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