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Auf dem Gelände der ehemaligen Konrad-Lorenz-Schule möchten Kreis und Stadt Wohnbebauung ermöglichen.

Potenzial bei Arealen

Bauland entlang der geplanten Nordostumgehung?

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2019 müssen sich die Usinger Parteien und Planer einigen, was sie an neuen Bauflächen für den Regionalplan anmelden möchten. Heiße Debatten stehen bevor. Denn der Plan, der bis 2030 gelten soll, würde im besten Fall ja auch schon die Nordostumgehung beinhalten – Bürgermeister Steffen Wernard hält dort noch Bauland für möglich.

Die alte Kreisstadt setzt in den nächsten Jahren Maßstäbe, wenn es um neuen Wohnraum geht. Nun kann natürlich keine Kommune einfach Baugebiete nach Gutdünken ausweisen, sondern muss sich an den alle zehn Jahre neu zu erstellenden Regionalen Flächennutzungsplan halten (siehe weiterer Artikel). Für diesen melden sie ihre Wünsche an, ob die erfüllt werden, hängt dann vom Regierungspräsidium (RP) und der Regionalversammlung Südhessen ab.

Was Usingen in den kommenden Jahren baut, ist allerdings bereits abgesegnet und als Flächen auch im Flächennutzungsplan enthalten. Etwa die rund 120 Wohneinheiten auf den beiden Arealen der alten Klinik und ehemaligen Konrad-Lorenz-Schule. Oder neben dem Baugebiet Schleichenbach II, wo noch einmal Platz für knapp 30 Häuser sein soll. In der Neutorstraße entsteht in Kürze der neue Wohnblock und auch der alte Rewe soll bebaut werden. Bis auf Schleichenbach verschwindet also kein Grünland, es findet lediglich eine Umwidmung statt. Auch in den Usinger Stadtteilen können Bauwillige Flächen finden. In Wilhelmsdorf zum Beispiel der Herrengarten, in Michelbach wären noch vier Grundstücke zu haben, in Merzhausen ist Wohnbebauung hinter dem Weiher möglich.

Dass Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) bereits in die Zukunft schaut, macht Sinn, wird aber bei vielen Bürgern und Landwirten auf wenig Gegenliebe stoßen. Denn er sieht Potenzial bei einigen Arealen entlang der noch nicht gebauten und umstrittenen Nordostumgehung. „Dort sind natürlich noch Baulandmöglichkeiten denkbar. Aber mit solchen Ideen müssen wir im kommenden Jahr in die politischen Gremien gehen und dort ausführlich diskutieren.“ Geliebäugelt wird auch mit Flächen in der Nähe des Wertstoffhofs

Deponie Brandholz

, wobei hier Neu-Anspach die Federführung hätte.

Dass die überörtliche Planungsgesetzgebung bisher vorgibt, Ausgleichsflächen für jedes Stück betoniertes Grün zu schaffen, sieht der Rathauschef eher gelassen: „Alle wissen, dass es im Rhein-Main-Gebiet einen sehr starken Wohnraummangel gibt. Das wird auch das Land sicher so sehen.“

Die alte Kreisstadt bereitet sich allerdings schon jetzt auf mögliche Neubaugebiete vor. Denn Neubürger benötigen Wasser, was dann auch wieder zu Abwasser wird. „Und wir müssen nun parallel zu möglichen Planungen und Ideen erst einmal prüfen, ob die Stadt nicht an die Kapazitätsgrenze stößt. Reicht das Frischwasser? Müssen Kläranlagen erweitert werden, können wir zusätzliche Einwohner auch mit unserer vorhandenen Infrastruktur stemmen?“ Denn nicht zuletzt sei dann mit einer starken Nachfrage nach Plätzen in Kitas und Schulen zu rechnen.

Usingen hat auch noch ein anderes Problem, denn als sich ganz Deutschland 1975 an der sogenannten Flurbereinigung beteiligte, spielte Usingen sozusagen ein kleines gallisches Dorf und machte nicht mit. Die Flurbereinigung brachte damals die durch Erbteilung immer kleiner gewordenen Flächen durch Tausch und Zusammenlegung wieder auf gut bearbeitbare Größen zurück. Die große Debatte um neuen Wohnraum startet die Stadt also spätestens 2019, denn in 2020 muss die Wunschliste dem RP vorliegen. „Nichts geschieht über die Köpfe von Grundeigentümern hinweg. Ich denke, dass wir nun alle Ideen der Parteien und der Verwaltung sammeln und dann eine realistische Planung vorlegen“, sagte Bürgermeister Wernard.

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