Dieser Biber lebt zwar an der Oder, doch auch an der Usa gibt es geeignete Lebensräume für Biber.
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Dieser Biber lebt zwar an der Oder, doch auch an der Usa gibt es geeignete Lebensräume für Biber.

Usinger Land

Biber bei Usingen von Auto überfahren

Förster findet totes Weibchen an der B 275 zwischen Usingen und Langenhain-Ziegenberg - Population der Tiere in Hessen steigt

Usinger Land -Trauriger Fund: Am vergangenen Dienstag wurde auf der B 275 etwa im Bereich der Kreisgrenze zwischen Usingen und Langenhain-Ziegenberg ein offensichtlich überfahrener Biber gefunden. Laut dem stellvertretenden Leiter des Forstamtes Weilrod, Thomas Götz, handelt es sich um den Kadaver eines erwachsenen, weiblichen Tiers, etwa einen Meter lang und knapp 17 Kilogramm schwer. Das Alter des Tieres sei nicht bekannt, möglicherweise lasse es sich aber am Gebiss rekonstruieren, was aber sehr aufwändig sei. "Es gab in den letzten Jahren immer wieder Sichtungen von Bibern im Usatal. Zu einer erfolgreichen Besiedelung des Tales ist es leider bisher noch nicht gekommen", sagte Götz.

Der Förster geht davon aus, dass die Biberin einfach Pech hatte: "Im Wasser sind sie blitzschnell, zu Fuß an Land aber eher sehr langsam, eine Bundesstraße wie die B 275 kann da schnell zur tödlichen Falle werden."

Das Regierungspräsidium Darmstadt geht in seinem 2017 veröffentlichten Biber-Bericht von deutlich steigenden Populationen aus. 2016 gab es in Hessen 179 bekannte und kartierte Biberreviere, 2017 waren es bereits 216. Entsprechend entwickelte sich auch die geschätzte Zahl der in Hessen lebenden Großnager im Vergleichszeitraum von 591 auf 700, wobei pro Revier von drei Tieren ausgegangen wird.

Attraktiver Lebensraum

Thomas Götz freut sich einerseits, dass eine bereits seit dem 16. Jahrhundert in Hessen eigentlich ausgestorbene Tierart allmählich wieder an Boden gewinnt, "sehr schön, aber das muss man natürlich im Auge behalten", sagte er. Je nachdem, wie schnell sich die Biberinvasion entwickelt, kann sie auch zum Problem werden: "Ab einer bestimmten Population der unter strengem Naturschutz stehenden, nicht zu bejagenden Tiere müssen naturschutzbehördlicherseits Biberbeauftragte benannt und auch schadensregulierende Ausgleichszahlungen an Landwirte geleistet werden."

Im Kurweiher von Bad Nauheim seien bereits seit einiger Zeit Biber heimisch, sodass die Vermutung nahe liegt, dass es sich bei der überfahrenen Biberdame um ein Tier gehandelt hat, das nach einem neuen Habitat Ausschau gehalten hat. Überraschend wäre das nicht, denn die Usa ist, zumindest unterhalb der Kläranlage, durchaus ein für Biber geeigneter Lebensraum. Götz geht daher davon aus, dass es in naher Zukunft zu weiteren Sichtungen kommen könnte. Die Expansionsradien dieser Tiere ließen solche Expeditionen ohne weiteres zu.

Zugang zum Bau ist unter Wasser

Nicht ausschließen wollte Götz, dass sich Biber sogar über Nebenbäche der Usa bis ins Weiltal durchschlagen könnten. "Im Ober- und Mittellauf der Weil hätten sie allerdings das Problem, dass die Weil doch sehr häufig trockenfällt. Sie könnten dort keinen Bau mit einem Zugang unter Wasser anlegen. Unterhalb der Windener Kläranlage hingegen wären die Möglichkeiten der Biber, heimisch zu werden, weitaus besser", erklärte Götz.

Die Usa-Auen seien als Lebensraum für Biber dagegen recht gut geeignet: "Sie brauchen Platz, um ihre Bauten anzulegen, und sie brauchen Weichholz, etwa Weiden oder Erlen, die sie fällen, um ihre Rinde sie fressen, die sich aber auch gut als Baumaterialien eignen."

Von Alexander Schneider

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