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Bier statt Brot

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Blick über Heuballen oberhalb von Pfaffenwiesbach auf den in der Sommerhitze flirrenden Großen Feldberg.
Blick über Heuballen oberhalb von Pfaffenwiesbach auf den in der Sommerhitze flirrenden Großen Feldberg. © map

Landwirte im Usinger Land erwarten gute Ernte von Gerste und Raps. Die Hitze lässt Weizen leiden.

Usinger Land -Noch im Frühjahr sah es gut aus für die Ernte. Auch wenn es im Mai bereits recht warm gewesen ist, so gab es trotzdem genug Regentage, um das Wachstum bestimmter Feldfrüchte genau zur richtigen Zeit zu fördern. Alles schien beim Getreide zunächst auf eine Rekordernte hinauszulaufen. "Die Wintergerste im Frühjahr war sehr gut, früher reif als sonst, und wir konnten früher ernten, da genug Wasser da war", sagt der Biolandwirt Christian Allendörfer aus Wehrheim.

Eine sehr gute Ernte gab es ebenfalls beim Raps. Sie sei in diesem Jahr bedeutend besser als in den letzten Jahren gewesen, erzählt sein Grävenwiesbacher Kollege Kai Launhardt. Das Gleiche gelte auch für das erste Heu - zumindest im Frühjahr. "Der erste Schnitt hat von der Feuchtigkeit vom Frühjahr sehr profitiert, der zweite Schnitt ging so, aber der dritte Schnitt ist wegen der Hitze vollkommen entfallen", schildert er.

Hitze führt zu kleinem Korn

Nun ist die Zeit, in welcher der Weizen geerntet wird. In den vergangenen Wochen kletterte das Thermometer wieder deutlich in die Höhe, und es hat kaum Niederschläge gegeben. Wie also wird hier die Ernte aussehen?

"Wie überall gibt es regional große Unterschiede. Und die hängen davon ab, wo zu welcher Zeit ein paar Regentropfen gefallen sind", sagt Biolandwirt Allendörfer. Gerade in den vergangenen Wochen habe die Kornfüllungs-Phase des Weizens begonnen. Abhängig vom Wasser zeigten sich regional sehr starke Unterschiede bei der Qualität des Getreides.

Während einige Bauern darüber klagen, dass genau zu dieser sensiblen Zeit die obere Hälfte des Halmes bereits verdorrt war, das Korn nicht an Umfang zunehmen konnte und nun höchstens noch als Futterweizen reicht, ist denjenigen, deren Äcker gerade noch beregnet wurden, mehr Glück beschieden. Die Regenmenge in der Kornfüllungs-Phase entscheidet übrigens auch darüber, ob der Weizen als Backweizen oder lediglich als Futterweizen verwendet wird.

Doch ein Faktor habe sich in diesem Jahr ganz besonders bemerkbar gemacht: nämlich die unterschiedliche Bodenqualität. Finden sich beispielsweise in der Wetterau schwere, wasserspeicherungsfähige Böden, so ist die Bodenstruktur im Hochtaunus leichter, lockerer und hält das Wasser weniger zurück.

Die Bodenqualität ist geringer, der Boden trockener. Zudem sei in diesem Jahr auf vielen Äckern deutlich weniger gedüngt worden als noch in den Jahren zuvor. "Das liegt an der allgemeinen Teuerungsrate für Mineraldünger. Hier wurde Mineraldünger eingespart, um Kosten zu sparen", erläutert Allendörfer. Auch auf den Böden sei weniger Ertrag erzielt worden.

Und was ist mit dem Mais und Zuckerrüben? Beides Feldfrüchte, die erst in einigen Wochen geerntet werden. Rainer Kloß, Pflanzenbauberater des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH), geht hier ebenfalls davon aus, dass deren Ernte wegen der Hitze unterdurchschnittlich ausfallen wird.

Ausfall bei Mais und Rüben befürchtet

Beim Obst zeigt sich ein unterschiedliches Bild. Während die Apfelernte noch aussteht, war die Süßkirschenernte in diesem Jahr durchschnittlich, wie sein Kollege Marcel Trapp, der Obstberater am LLH ist, berichtet. Es war zwar heiß und Wasser habe auch gefehlt, trotzdem sei die Ernte nicht schlecht gewesen. Anders sieht es bei den Birnen und Pflaumen aus. "Hier hat der Frost in der entscheidenden Phase zugeschlagen." Hinzu komme, dass Pflaumen und Zwetschgen zusätzlich stark mit der Hitze zu kämpfen hätten. Das Gleiche gelte auch für deutsche Aprikosen, Pfirsiche und Nektarinen. Was sich jedoch sagen ließe, sei, dass im Vergleich zu 2021 das Obst in diesem Jahr etwa zehn bis 20 Tage früher reif sei.

Bleibt also für uns alle nur ein Fazit: Wenn es im nächsten Jahr nicht genügend Brot geben sollte, so kann man den knurrenden Magen zumindest mit reichlich Bier auffüllen. Genug Gerste gibt es ja. VON INKA FRIEDRICH

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