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Diese Hose passte Abdalla Abdi früher, als er ein Gewicht von 143 Kilogramm auf die Waage brachte. Foto: SAT.1/Julia Feldhagen (The Biggest Loser)

Über 60 Kilo leichter

Nicht der "Biggest Loser" aber dafür großer Gewinner

Nach Finalerfolg bei "Biggest Loser": Lehramtsstudent Abdalla Abdi aus Usingen kann viel mehr als nur abnehmen

Usingen - Nach Platz drei im Finale der Sat 1-Abnehm-Show "The Biggest Loser" stand der Usinger Abdalla Abdi plötzlich im Fokus der Medien. Boulevardzeitungen, illustrierte Zeitschriften und auch das Privatfernsehen baten in den vergangenen Tagen Abdi um Interviews. 

Die allermeisten Journalisten wollten vor allem von ihm wissen, wie er es geschafft hat, im Laufe der Fernseh-Show sein Gewicht von 143 Kilo auf weniger als 80 im Finale fast zu halbieren. Dabei hat der 26-Jährige viel mehr zu erzählen als nur über diesen Erfolg.

Seine Lebensgeschichte ist die eines jungen Mannes, der als Einjähriger mit seiner Mutter und drei Geschwistern aus Somalia nach Deutschland geflohen war, hier Asyl gewährt bekommen und in Usingen eine neue Heimat gefunden hat. Die Geschichte von Abdalla Abdi steckt voller Hoffnungen. Sie zeigt, wie es ein Junge aus Afrika allen Hindernissen zum Trotz geschafft hat, Abitur zu machen und Lehramt zu studieren.

Lehrer

Als Lehrer möchte er später einmal Schülern das zurückgeben, was er selbst an der Astrid-Lindgren-Schule und der Konrad-Lorenz-Schule erfahren durfte. Doch der Reihe nach: "Ich bin meinen Eltern so dankbar", sagt der junge Mann, der heute in Gießen wohnt und Lehramt studiert.

"Ich habe so großen Respekt für das, was sie für uns Kinder geleistet haben. Für mich sind das die stärksten Personen auf der Welt."

Wer seine Lebensgeschichte hört, weiß, was er damit meint. Während seine Mutter mit ihren vier Kindern nach Deutschland geflohen ist, hatte sein Vater noch weitere fünf Jahre in Somalia gelebt, gearbeitet, alles geregelt. Erst dann kam er nach.

"Meine Mutter ist fünf Jahre lang aufgestanden, hat uns in den Kindergarten und zur Schule gebracht. Sie hat uns versorgt und ist als letzte von uns ins Bett gegangen. Sie hat Deutsch gelernt und sich mit Putzen Geld verdient. Meinen Vater habe ich erst als Sechsjähriger kennengelernt."

sehr wichtig

Auch der Vater sei nach seiner Ankunft in Deutschland immer für die Familie da gewesen. Er habe alles daran gesetzt, dass seine Kinder Deutsch lernen und auch die Heimatsprache Somali sprechen können.

Abdi ist somit zweisprachig aufgewachsen. In der Grundschulzeit an der Astrid-Lindgren-Schule sei ihm die Klassenlehrerin Susanne Sielemann eine ganz wichtige Bezugsperson gewesen.

"Ihr war das soziale Miteinander in der Klassengemeinschaft ganz wichtig. Es ist unglaublich, was sie für mich getan hat", sagt der 26-Jährige rückblickend. "Sie hat mir immer Hoffnung vermittelt und mich gestärkt, auch wenn andere Erwachsene meinten, ich würde eh nur die Förderschule schaffen."

Abdalla Abdi aber wechselte auf den Realschulzweig der Konrad-Lorenz-Schule. "Da waren so coole Lehrer wie der leider verstorbene Herr Schäfer oder die heutige Schulleiterin der Helmut-Schmidt-Schule Lorraine Schmidt. Sie war eine engagierte Deutschlehrerin, die mir immer wieder Mut gemacht und Kraft gegeben hat. Sie hat den für mich so selbstverständlichen Nachhilfeunterricht organisiert."

Am Ende der 8. Klasse wurde es für ihn schulisch sehr schwierig. Er wurde traurig, was die Lehrerin Christine Piper bemerkte und ihn ansprach.

"Ich sagte ihr, dass ich wohl auf die Hauptschule wechseln muss. Da reichte sie mir die Hände und sagte: ,Nein, das wirst Du nicht. Du wiederholst die Klasse. Im nächsten Schuljahr kommst Du in meine 8. Klasse und machst dann die Mittlere Reife.'"

Bei den Jusos engagiert

Dank ihrer Förderung habe er mit 18 Jahren tatsächlich den Realschulabschluss geschafft und wechselte an die Saalburgschule, wo er das Fachabitur Gesundheit absolvierte. In dieser Zeit begann sein Engagement bei den Jusos in Usingen und im Hochtaunus.

"Die haben sich gegen Ausgrenzung und Rassismus ausgesprochen", begründet er seine Motivation, sich politisch zu engagieren. "Dadurch habe ich gelernt, nicht zu meckern, sondern zu handeln." Über die Jugendpflege der Stadt Usingen begeistert er bis heute Kinder und Jugendliche für seine große Leidenschaft, das HipHop-Tanzen.

Abdalla Abdi zog nach Friedberg, erlangte in der Abendschule die allgemeine Hochschulreife. Heute lebt er in Gießen und studiert Lehramt mit den Fächern Mathematik und Ethik. Die Antwort auf die Frage, welche Einstellung für ihn im Leben ganz wichtig geworden ist, fällt ihm nicht schwer.

"Du kannst immer wieder aufstehen. Es ist nicht wichtig, wie viele Schläge du einstecken musstest im Leben. Am Ende zählt, wie viele Schläge du aushalten kannst", zitiert Abdi das Lebensmotto eines Filmhelden. "Das ist für mich ein ganz entscheidender Satz, den der Schauspieler Sylvester Stallone in seinen Rocky-Filmen gesagt hat."

red

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